Schnake
KLEINES TIER IM VISIER: Ein Schnake sitzt auf einem Leuchtisch. Nach Hochwasser und Hitze sind die Bedingungen für die kleinen Blutsauger ideal. Die Schnakenbekämpfer sind überlastet. | Foto: dpa (Archiv)

Wegen Hochwasser und Hitze

Schnaken-Alarm am Rhein

Von Franz Lechner

Erst das Hochwasser, dann die Hitze: Es herrscht Alarm an der Schnaken-Front. „Wir hatten in diesem Jahr bereits zehn Hochwasserwellen am Rhein, das heißt, wir sind schon seit Mitte April rund um die Uhr in den Stiefeln“, berichtet der Leiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Schnakenbekämpfung (Kabs), Norbert Becker.

Schnaken-Bekaempfung aus der Luft
ANGRIFF AUS DER LUFT: Ein im Auftrag der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) fliegender Helikopter verstreut über einem Stechmückenbrutgebiet am Rhein Sandgranulat, das mit Öl und dem Bacillus thuringiensis israelensis versetzt ist. | Foto: dpa (Archiv)

Bei jedem Hochwasser entstehen neue Brutstätten

Bei jeder Hochwasserwelle entstehen neue temporäre Gewässer, also Tümpel, Flachwasserseen und andere Wasserflächen, die nur vorübergehend existieren. Sie entstehen auf Flächen, wo zuvor die sogenannten Wiesen- und Auwaldstechmücken ihre Eier auf den ehemals trockenen Böden abgelegt haben. Drei Jahre und mehr können die Eier dort überleben. Bis das Hochwasser kommt und mit ihm die temporären, fischfreien Gewässer. „Erst dann schlüpfen die Larven aus den Eiern und entwickeln sich zu Stechmücken“, erklärt Becker.

Wir haben zwei Hubschrauber und viele Mitarbeiter im Einsatz und kommen mit der Arbeit trotzdem kaum nach.

Und solche unter Wasser stehenden Flächen hat es wegen der vielen Niederschläge derzeit massenhaft in den Rheinauen. „Wir haben teilweise zwei Hubschrauber und viele Mitarbeiter im Einsatz und kommen mit der Arbeit trotzdem kaum nach“, sagt Becker. Tatsächlich sind die Wetterbedingungen in diesem Jahr extrem für die Schnakenbekämpfer. Bis jetzt haben die vielen Mitarbeiter der Kabs, die seit April in den Rheinauen unterwegs sind, so viel Schnakenbekämpfungsmittel ausgebracht wie im gesamten letzten Jahr.

Waldschnaken warten
BLUTSAUGER AM BAUM: Beste Bedingungen herrschen derzeit auch für Waldschnaken. | Foto: Franz Lechner

Schnaken haben hohen Aktionsradius

Und jetzt, wo es heiß geworden ist, wird die Situation noch schwieriger. „Die Stechmückenlarven entwickeln sich in Abhängigkeit von der Temperatur in ihren Brutgewässern“, warnt Becker, dass es in den nächsten Tagen in den Wäldern bei Philippsburg und in anderen Rheinanlieger-Gemeinden ungemütlich werden könnte. Aber nicht nur da. „Die Weibchen der Wiesen- und Auwaldmücken sind sehr agil, sie fliegen auf der Suche nach einer Blutmahlzeit auch weite Strecken.“ Im Landkreis Karlsruhe zählen beispielsweise auch vom Rhein entferntere Gemeinden wie Hambrücken oder Graben-Neudorf zum Aktionsradius dieser sogenannten Aedes-Arten.

Blutsauger auf der Grillparty

Bis in den Kraichgau oder den Nordschwarzwald kommen diese Rheinschnaken aber kaum. Dennoch werden sich auch dort demnächst Blutsauger auf der ein oder anderen Grillparty bemerkbar machen. Culex pipiens und Culiseta annulata heißen die beiden Plagegeister, die der Laie auch gern als Hausstechmücken zusammenfasst. Gerade jetzt in den warmen Sommernächten entwickeln sich die beiden Blutsauger rasend schnell in den kleinsten Wasserflächen. „Das können fischfreie Gartentümpel sein, aber auch Regentonnen oder mit Wasser gefüllte Konservendosen, Altreifen oder Eimer sein“, erklärt Becker, dass die Larven der Hausstechmücke eigentlich fast überall lauern.

Stechmücken kann man selbst bekämpfen

Diese Steckmückenarten kann aber jeder selbst bekämpfen. Wer seine Grillpartys ohne stechende Störenfriede feiern will, sollte mit Wasser gefüllte Behälter abdecken oder ausschütten. Eine weitere Steckmückenart, die das sommerliche Freizeitvergnügen häufig stark einschränkt, sind die sogenannten Waldstechmücken. „Die entwickeln sich in feuchten Wäldern, also beispielsweise in Bruchwäldern, erklärt Becker. Beispielsweise zwischen Bruchsal und Untergrombach, aber auch in vielen anderen Wäldern sind diese Plagegeister in feuchten Jahren aktiv.

Link: Internetpräsenz der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Rheinschnake

So berichtete BNN.de über das Rheinhochwasser: