Hundeschwimmen
Den Sprung ins Wasser können Karlsruher Hunde erstmals im Rappenwörter Freibad wagen. | Foto: Franziks Kraufmann

Erstmals tierischer Badetag

Hundeschwimmen im Wellenbecken Rappenwört

Die Hunde erobern Rappenwört. Für die zweibeinigen Schwimmer ist die Sommersaison in Rappenwört in sechs Tagen aus. Einen Sonntag später, am 18. September, ist das große Hundeschwimmen angesagt. Erstmals setzt Karlsruhe auf viel Gebell am Wellenbecken. „50 Cent pro Pfote und pro Fuß kostet der Eintritt“, berichtet Organisator Raphael Becker von den Bäderbetrieben. Mit „Hunde-Schwimmen“ im Freibad hat die Bäderkultur der Fächerstadt nicht die Nase vorn. Berliner Schnauzen oder Hamburger Hunde sowie Susis und Strolchs in kleineren Städten wie Bad Bennigsen schwammen schon gemeinsam in einer Badeanstalt.

Ekel oder Vorfreude bei Hundeschwimmen

Erste Reaktionen zum Thema „Hund im Schwimmbad“ zeigen, dass sich an diesem tierischen Vergnügen die Geister – zumindest der Menschen – scheiden: Mancher Bürger fletscht zwar nicht die Zähne, aber er kräuselt leicht angeekelt die Nase oder legt zumindest negativ überrascht die Ohren an. Ganz prinzipiell oder aus generellen Gründen der Hygiene sollten die Hunde die Pfoten von ihrem „Rappele“ genannten Rheinstrandbad lassen, schimpfen sie. Dagegen herrscht bei vielen Hundefreunden die pure Vorfreude darauf, dass die Freibadsaison zum Abschluss endlich auf den Hund kommt. Viele Zeitgenossen aber juckt es überhaupt nicht, welche Felle nach Ende des Sommerbetriebs im Rappenwörter Becken schwimmen.

Tierischer Wassersport im Becken
Schäferhund Sam planscht. Wassersport ist keinefalls jedem Hund einfach Schnauze. | Foto: David Ebener

Großes Programm für Seehunde

Karlsruhe lässt es mit dem Wagnis Hundeschwimmen aber nicht genug sein. „Wir machen unter dem Motto „Für einen Tag ein Seehund sein“ ein richtiges Event daraus“, betont Becker. Da wird nicht nur geschwommen und nach Spielzeug getaucht. Da werden nicht nur Pudel planschen, Dobermänner den Hechtsprung wagen und Möpse einen Bauchplatscher zeigen. Becker hat mit Partnern wie der Hundeschule „Frei Schnauze“, der Rettungshundestaffel Enzkreis und dem Verein „Dogdance International“ sowie Polizeihunden ein „Seehunde-Programm“ zusammengestellt, das um 10 Uhr beginnt und mit dem Hundespringen ab 16 Uhr endet. Da tanzen Hund-Mensch-Paare zu Musik.

Hundesport kann Spaß machen
Ein Hund apportiert einen Tennsiball beim Schwimmertag unter seines Gleichen im Freibad. | Foto: Ebener

Initiative „Hund im Freibad“

„Die Idee ist von uns“, bekennt Becker. Es sei doch „eigentlich schade“, wenn nach den Ferien im Bad nicht mehr geschwommen werde. Warum da nicht im vielleicht schon kühlen September die Hunde zum Bade bitten. „Die gehen doch auch bei Regen gerne ins Wasser“, meint Becker. Bei der Hamburger Initiative „Hund im Freibad“ habe man sich gute Tipps für das Regelwerk am Hundebadetag geholt. Hier kann nur ein Auszug der umfassenden Ordnung für schwimmende Hunde folgen, die nicht wie sonst einfach so in die Alb oder Pfinz springen dürfen, sondern sich an eine strenge Badeordnung halten müssen. Das wichtigste zuerst: Frauchen und Herrchen dürfen nicht mit ins Wasser. Außerdem heißt es „Leinen los“ bei der Pfotenpaddelei.

Wenn er wüsste, was in Rappenwört noch so alles möglich ist, würde mancher Hund wohl enttäuscht aufjaulen. Zwar findet das Hundebad wegen des breiten und sanften Einstiegs im Wellenbecken statt, doch für die Hunde lassen die Bademeister die Wogen nicht hochschlagen. Die Veranstalter trauen sich beim ersten „Seehundtag“ nicht, die Vierbeiner dem Karlsruher Seegang auszusetzen. „Wenn das Hundeschwimmen gut läuft, dann kommen die Wellen vielleicht nächstes Jahr“, sagt Becker.

HUnd auf der Schwimmbadrutsche sitzt ein HUnd nicht lange.
Auf der Schwimmbadrutsche überlegt auch ein Hund, ob er sich ins kühle Nass stürzen soll. | Foto: Nigel

50 Cent pro Pfote

„Wir hoffen auf einige hundert Hunde“, immerhin werbe die Stadt regional für das nass-fröhliche Hundetreffen. Das Einhalten der Hundebadeordnung wird von regulären Bademeistern überwacht. Zusätzlich stehen Rettungshunde am Beckenrand – sollte doch ein Yorkshire zu viel Wasser schlucken oder ein frecher Spitz wiederholt einem schon stark hechelnden Dackel auf den Rücken springen. „Auch drei Tierärzte kommen“, erklärt Becker. An der Kasse muss am Hundetag in Rappenwört nicht nur für jedes Bein kategorisch ein halber Euro berappt werden. Es wird kein Rabatt gewährt, auch nicht für Welpen oder ganze Hundefamilien. „Und ohne Impfausweis kommt kein Hund rein“, da ist Organisator Becker ganz streng. Auch die Hundemarke muss vorgezeigt werden. Selbst erwachsene Hunde dürfen „nicht unbeaufsichtigt“ sein. Zudem kommen „Listenhunde“ wie Pitbulls nur mit Attest, also einer Wesenstestbescheinigung, oder mit Maulkorb ins Bad. Ob sie den Maulkorb wenigstens zum Schwimmen in der Umkleide lassen dürfen, scheint noch nicht geklärt. Die Zusatzbadeordnung enthält weitere Verhaltensvorschriften für Herr und Hund: „Nicht zu schnell ins Wasser“ wird auch dem Tier beim Hundeschwimmen ans Herz gelegt. Vor und nach dem Schwimmen im Bad können die Hunde übrigens duschen.

 

Kommentar

 

 

Kein Herdentier

Vor rund 50 000 Jahren ist der Mensch auf den Hund gekommen. Seitdem ist der Abkomme des freien Wolfs ein domestizierter Begleiter und Diener seines Herrn. Welche bedeutende Rolle der moderne Hund – befreit von Aufgaben wie Hüten, Jagen oder Wachen – im Leben des Zweibeiners heute spielt, zeigen schon die Supermarktregale voller Hundefutter. Hundesalons, wo der zivilisierte Menschenfreund getrimmt wird, gehören zum Stadtbild. Karlsruhe hat natürlich auch einen Hundefriedhof. Manch dreckiger Hund wird auch schon zur Hundewaschanlage gekarrt. Kein Wunder also, dass die kreativen Bäderbetriebe jetzt auch zum Hunde-Schwimmen nach Rappenwört laden.
Kritikern sei dabei kein Maulkorb verpasst. Aber was ist denn schon dabei, wenn nach der Sommersaison die Hunde von der Leine gelassen werden und endlich dort planschen dürfen, wo sich Herrchen und Frauchen in der Sommerhitze vergnügen, während die armen Hunde zu Hause im Schatten liegen? Wer sich im nächsten Mai bei frisch eingelassenem Badewasser im Wellenbecken ekelt, weil dort im Herbst die Hunde schwammen, der findet doch überall ein Haar in der Suppe. Man muss aber auch zum großen „Wow Wau“, mit dem ein Hundeschwimmen gleich zum „Eventday“ hochgejubelt wird, nicht die Schnauze halten.
Eigentlich sollte es doch von den Hunden abhängen, ob ihr von den Bäderbetrieben gleich zum „Event“ hochgeschraubter Schwimmtag ein Erfolg wird. Alle Hunden können schwimmen, und die meisten paddeln auch sehr gerne in Bächen und Seen. Hunde sind auch gesellig – wahre Familientiere. Sie toben gerne zu zweit oder in der Gruppe. Aber ein Hund ist kein Herdenwesen wie Rind, Schaf und der Mensch, der sich in Massen mit Vergnügen im Wellenbecken drängelt. Schauen wir mal, wie die Abstimmung mit den Pfoten im Wasser ausfällt.