Loris im Exotenhaus
Die Loris im Exotenhaus sind ausgesprochen zutraulich, wie sich hier bei der Fütterung durch Manuel Wacker zeigt. Da sie den Pflanzen in der großen Halle zu sehr zusetzten, wohnen sie nun aber in einer Voliere. | Foto: Jock

Neues aus dem Karlsruher Zoo

Im Exotenhaus trieben es die Loris zu bunt

Mathilda ist schon wieder auf Abwegen. Die Faultierdame aus dem Exotenhaus des Karlsruher Zoos hat einen neuen Lieblingsplatz. Nicht etwa den, der bei der Konzeption des Hauses für sie vorgesehen war: Die Hängematten über der großen Aussichtsplattform an der Südseite der großen Halle nutzt nach wie vor nur ihr Partner Paolo. Täglich hangelt dieser sich die Liane entlang, die vom Innengehege entlang der Galerie führt, um es sich in der ersten Bastmatte bequem zu machen. Und zwar für viele Stunden. „Er bleibt seinen Gewohnheiten konsequent treu“, sagt Pfleger Manuel Wacker schmunzelnd.

Faultier Mathilda geht im Exotenhaus sehr eigene Wege

Anders Mathilda, die das Team immer mal wieder vor neue Herausforderungen stellt. Hatte sie über Monate den Metallkorb der Fensterputzer zu ihrem Domizil erklärt – und diesen nur mit Hilfe der Stahlseile für die Industriekletterer direkt unterm Hallendach erreicht –, klebt sie neuerdings gerne an der künstlichen Felswand an der Nordseite der Halle. Zwischen dem kleinen Balkon und der Voliere, in der die Kugelgürteltiere und neuerdings die Loris zu Hause sind, hat sie ihre Krallen in der Wand versenkt und eine der neuen Lianen umschlungen. Die ihr den nun favorisierten Abweg erst ermöglicht: Für die Lisztäffchen, die sich seit drei Wochen frei in der großen Halle bewegen können, wurde der neue Kletterweg geschaffen.

Faultier im Exotenhaus
Einen neuen Lieblingsplatz hat Faultier Mathilda | Foto: Deck

Lisztäffchen erobern die Halle – und provozieren gerne mal

Die Krallenäffchen kommen problemlos ohne Abtrennung von den Besuchern zurecht, ist man im Zoo überzeugt. Eine Bereicherung sei es vielmehr, dass die Menschen im Exotenhaus die Äffchen mit den wilden Frisuren nun ohne trennenden Maschendraht beobachten können. An den Felsnadeln gegenüber des Zugangs zu Krokodilen und Co. zeigen sich die vier possierlichen Damen gerne, aber auch einen Baumwipfel in der Mitte der Halle haben sie bereits in Beschlag genommen. Und selbst den Felsen, wo einst der Sprungturm des Tullabades stand, haben sie für sich erobert und provozieren von dort aus gerne einmal die Totenkopfäffchen in ihrer angrenzenden Voliere, schildert Zoo-Pressesprecher Timo Deible. Was allerdings riskant werden könnte – die Verwandten von Herrn Nilsson sind flink und haben scharfe Krallen. Abstand halten die Lisztäffchen lediglich von der Galerie – wo die Sakis ihr Revier haben und sich immer mehr zu neuen Stars der Besucher des Exotenhauses mausern.

Zwillingsnachwuchs bei den Zwergseidenäffchen

Nun aber schon wieder große Konkurrenz bekommen haben:  Die ohnehin gerade mal 15 Zentimeter großen Zwergseidenäffchen haben Zwillinge. Erst seit wenigen Tagen sind die vier Wochen alten Winzlinge in ihrem Gehege in der kleinen Halle zu sehen, durch das sie meist auf dem Rücken von Papa Enano unterwegs sind. Wenn sich nicht gerade Mama Maria um ihre hungrigen Mäulchen kümmert. Drei Monate lang werden die Kleinen von ihr gesäugt, dann werden sie auch beim Futter ihre Eltern zugreifen: bei Gummi arabicum, bei Insekten und anderen Kleintieren.

Winzigen Nachwuchs haben die ohnehin nur 15 Zentimeter großen Zwergseidenäffchen
Winzigen Nachwuchs haben die ohnehin nur 15 Zentimeter großen Zwergseidenäffchen | Foto: Jock

 

 

 

Attacken auf Pflanzen kostet Loris und Flughunde Bewegungsfreiheit

Wichtige Voraussetzung, damit die Lisztäffchen ihren Entdeckerdrang weiter ausleben können ist, dass sie dem sprießenden Grün im Exotenhaus  nicht zu sehr zusetzen. Dieses Verhalten nämlich bescherte den Loris den Wohnungstausch mit den Äffchen. Als weitere Übeltäter wurden die 15 großen Flughunde entlarvt – die daher nun nicht mehr in der großen Halle fliegen, sondern hinter den Kulissen untergebracht sind.
Ganz so einfach war es übrigens nicht, die Loris vom Umzug zu überzeugen. „Einer hat sich lange widersetzt und konnte erst eingefangen werden, als die sechs anderen in die Voliere eingezogen waren und er ihre Nähe suchte“, schildert Deible. Inzwischen fühlen sich die munteren Papageien aber sichtlich wohl in ihrer neuen Umgebung: Als Manuel Wacker mit Obst und dem Spezialbrei für die Blütenknabberer ins Gehege kommt, sitzen sie schnell auf seinen Armen und Schultern, um ja nicht zu kurz zu kommen. Besonders zutraulich und vorwitzig sind James – der seinen Namen seiner Ringnummer 007 verdankt – und seine Partnerin Goldfinger. Die beiden Forstenloris lassen sich auch in Wackers Haarschopf nieder, um ja nichts zu verpassen.

Loris im Exotenhaus
Obst statt die Pflanzen im Exotenhaus stehen nun wieder auf dem Speisezettel der Loris | Foto: Jock

Hitzige Kugelgürteltiere und Riesenschildkröten

Ungeachtet des Wirbels, den die Loris veranstalten, flitzen die Kugelgürteltiere Fuleco und Lilli über den Gehegeboden. Die eigentlich dämmerungsaktiven Säuger zeigen sich derzeit immer häufiger vormittags den Besuchern – vielleicht können sie bei der Hitze auch einfach nicht so gut schlafen, mutmaßt Deible schmunzelnd.
Überhaupt die Hitze: Auch den Schildkröten ist sichtlich nach Abkühlung. Während „Flunder“ ohnehin täglich viel Zeit im Badebecken verbringt, genießen es ihre Artgenossinnen wenn ihnen eine Dusche angeboten wird. Was derzeit fast jeden Tag der Fall ist, sagt Wacker. Und den Tieren erkennbar gefällt. „Schneeflocke bockt sich sogar richtig auf, um jeden Tropfen aufzufangen“, berichtet Deible.

Kugelgürteltiere im Exotenhaus
Ausgesprochen munter präsentieren sich derzeit die eigentlich dämmerungsaktiven Kugelgürteltiere | Foto: Zoo

Aquarien und Terrarien neu gestaltet

Die Nachbarn der Schildkröten verbringen ohnehin fast den ganzen Tag im Wasser: Das Trio der Stumpfkrokodile ist inzwischen wieder vereint, nachdem eines der Tiere eine Zeit lang separiert war und mit Extrafutter gepäppelt wurde. Ein ganzer Schwarm Buntbarsche und eine Kolonie kleiner Krebse teilen das Becken mit den Reptilien – und das nicht nur aus optischen Gründen, betont Deible.
Wobei in jüngster Zeit auch viel Energie in die optische Aufwertung diverser Aquarien und Terrarien gesteckt wurde. Aquascaping-Weltmeister Oliver Knott hat mehrere Anlagen umgearbeitet, und auch das Pflegerteam hat sich eingebracht: Das 3 500 Liter fassende Aquarium für Zebrabärblinge, Feuerschwänze und Haibarben haben die Mitarbeiter zu ihrem Privatprojekt erkoren und in ihrer Freizeit naturnah und pflegeleicht umgestaltet.

Beschäftigung für Krokodil-Trio

Bei den Krokodilen haben Barsche und Krebse aber durchaus auch eine Funktion, die über den naturnahen Anblick für die Besucher hinaus geht: „Sie beleben das Becken und fordern die Aufmerksamkeit der Krokodile – auch für sie ist Beschäftigung wichtig“, erklärt der Pressesprecher. Und dass auch mal ein Fisch oder Krebs im Maul der Krokodile endet, sei durchaus natürlich und auch gewollt. Ansonsten gibt es für die kleinen Krokodile zweimal pro Woche Mäuse oder Küken – komplett, denn sie benötigen auch die Knochen, Haare und Federn für ihr Wohlbefinden.

Stumpfkrokodil im Exotenhaus
Die Stumpfkrokodile haben zu mehr beobachten, da Buntbarsche und Krebse mit in ihre Gehege eingezogen sind – und manchmal auch im Maul der Reptilien enden. | Foto: Jock

Informationen für Besucher

Wer mehr über die Ernährung der Exotenhausbewohner erfahren möchte, kann sich täglich um 15 Uhr informieren. Dann nämlich kommt einer der Tierpfleger mit einem großen Servierwagen voller Obst, Gemüse, Brei und tierischer Leckereien, um die Tiere mit Futter und wissbegierige Besucher mit Informationen zu versorgen. Treffpunkt ist beim Durchgang zur alten Eingangshalle des einstigen Tullabades – und damit genau unter Mathildas neuem Lieblingsplatz. Hier gibt es weitere Informationen übers Exotenhaus. Die Fütterungszeiten aller Zootiere finden sich hier.

Fütterung im Exotenhaus
Fragen der Besucher rund um die Bewohner des Exotenhauses und ihr Futter beantworten Tierpflegerin Andrea Spranger und ihre Kollegen täglich um 15 Uhr | Foto: Zoo

Wird Mathilda nicht gerade mit Futter gelockt, ist die Chance allerdings gering, dass sie die Besucher eines verschlafenen Blickes würdigt. Das geligt auch den frechen Loris nicht, der immer wieder am Gitter der Voliere ihre Nähe suchten.

Faultier im Exotenhaus
Bei der Voliere der Loris klebt Faultier Mathilda neuerdings am Felsen. | Foto: Jock