ABB-Archiv/Theo Kemper
Im Stile der Zeit: Der Fahrkartenschalter im Bühler Bahnhof im Jahr 1966.

Bühler Bahngeschichten

Im sachlichen Stil seiner Zeit

Bahngeschichten gibt es in Bühl jede Menge. Bis 1956 konnte man angesichts von Bühlertalbahn und MEG von einem Bahnknoten sprechen. Das Empfangsgebäude gehört zu den ältesten erhaltenen seiner Art in Deutschland. Die Güterhalle war ein wichtiger Obstumschlagplatz. Die beschrankten Bahnübergänge und der Ausbau der Rheintalbahn sind weitere Kapitel dieser spannenden Geschichte, über die der Acher- und Bühler Bote in loser Folge berichtet.

Schick und sauber wirkt die Schalterhalle auf dem historischen Foto, ein freundlicher Bediensteter am Fahrkartenschalter hinter der blank geputzten Scheibe kümmert sich gerade um einen Kunden, rechts funkeln die Schließfächer. Plakate, Fliesen, Technik, selbst die Zimmerpflanze – alle sind Kinder ihrer Zeit. Vor 50 Jahren erstrahlte der Bühler Bahnhof nach einer dreijährigen Umbau- und Renovierungsphase innen in neuem Glanz.

Fahrkartenschalter vor 50 Jahren neu gestaltet

Geradezu hymnisch feierte der Acher- und Bühler Bote am 22. Oktober 1966 die Maßnahme der damaligen Bundesbahn. Redakteur Theo Kemper hatte sich hinter den Kulissen umgesehen und brachte seine Eindrücke zu Papier. Er verschweigt bei allen Lobesworten indes nicht das „äußere (schlechte) Bild“ des Gebäudes, das vorerst auch bleiben werde.

Für Außenrenovierung war kein Geld im Plan

Für eine Sanierung der Außenfassade hatte die Bahn nämlich in ihrem Planansatz kein Geld mehr. Das Bühler Empfangsgebäude erlebte seit seiner Fertigstellung 1844/45 viele Veränderungen und Umbauten. Heute präsentiert es sich mit modernem Reisezentrum, Bäckerei/Café sowie einem Ladengeschäft für „Reisebedarf“. Das feierten Verantwortliche von Stadt und Bahn im Januar 2012 mit nicht zu übersehenden Stolz.

Denkmalgeschützes Empfangsgebäude

Diese Fürsorge wurde dem denkmalgeschützten Bauwerk nach der Neugestaltung des Innenlebens vor 50 Jahren für lange Zeit nicht mehr zu teil, obwohl es zu den ältesten erhaltenen seiner Art in Deutschland zählt. Vor rund zehn Jahren stand die bedeutsame Immobilie gar zum Verkauf. Damals war Hartmut Mehdorn der Boss bei der DB.

Das Empfangsgebäude des Bühler Bahnhofs gehört zu den ältesten erhaltenen Gebäuden dieses Typs in Deutschland.
Das Empfangsgebäude des Bühler Bahnhofs gehört zu den ältesten erhaltenen Gebäuden dieses Typs in Deutschland. | Foto: Jörg Seiler

Einschneidende Ereignisse in der Bühler Bahnhofsgeschichte gab es viele, am 31. Dezember vor 60 Jahren stellte die Bühlertalbahn die Personenbeförderung ein. Bereits 1957 war die Rheintalstrecke, die große Schienenverkehrsmagistrale, elektrifiziert. Ab den 1990er Jahren erfolgte zwischen Baden-Baden und Offenburg der viergleisige Ausbau dieser wichtigen Nord-Süd-Verbindung.

Rationalisierung hinterließ tiefe Einschnitte

Immer wieder stand der Bahnhof Bühl im Fokus von Rationalisierungsmaßnahmen, so 1976 – also vor 40 Jahren – als die DB dem Stückgutverkehr auf der Schiene an den Kragen ging und Bühl dicht machte. Vor 15 Jahren wurde die Güterhalle abgerissen, von der aus die Früchte des Obstparadieses Mittelbaden ihre Reise bis nach Berlin und Skandinavien antraten.

Heute nur noch Bahnhofskategorie 5

Vor 50 Jahren hatte der Bühler Bahnhof übrigens noch die Kategorie 4, das heißt, es gab, wenn auch vereinigt, noch Betriebs- und Verkehrsdienst. Aktuell gehört die Station der Kategorie 5 an.

Wesentliches Merkmal ist die robuste Ausstattung.

Die „beinhaltet Bahnhöfe kleinerer Städte und zahlreiche Stadtteilbahnhöfe, die größtenteils von Pendlern genutzt werden. Diese rund 1 000 Bahnhöfe sind weniger belebt, weshalb auf eine robuste Ausstattung geachtet wird, die Vandalismus standhält. Weniger ist hier oft mehr: Statt in nicht benötigte Ausstattung zu investieren, werden finanzielle Mittel wirkungsvoller für Reinigung und Instandhaltung eingesetzt“, erklärt die DB auf ihren Internetseiten.

 

Die höchste Klassifizierung ist die Kategorie 1, in die stark frequentierte Metropolen-Bahnhöfe mit einem großen Dienstleistungsbereich fallen. 21 „Einser“-Stationen gibt es laut Internet- Seiten der DB in Deutschland, eine davon in Karlsruhe. Die Zugbewegungen haben in den vergangenen 50 Jahren deutlich zugenommen. Waren es 1966 noch 225 Züge, die täglich durch fuhren oder in Bühl hielten, beläuft sich diese Zahl nach Auskunft von Bahnsprecher Werner Graf aktuell auf 319. 30 Personenzüge hielten damals in Bühl, heute sind es 51. Dazu kommen 37 S-Bahnen. In der Summe nennt die DB 90 Zughalte in der Zwetschgenstadt. Dazu kommen 78 Personen- und 151 Güterzüge, die in Bühl durchfahren.