Elf Hektar groß ist das Gelände der ehemaligen Glashütte Achern, deren Gebäude gegenwärtig abgebrochen werden.
Elf Hektar groß ist das Gelände der ehemaligen Glashütte Achern, deren Gebäude gegenwärtig abgebrochen werden. | Foto: Roland Spether

Ehemalige Glashütte in Achern

„Im Wettstreit der Interessen“

Von Michael Moos
„Die Vorgaben machen wir über den Bebauungsplan. Es liegt an uns zu sagen, ob die 400 Wohnungen eine gute Idee sind oder nicht.“ Keinen Zweifel ließ  Oberbürgermeister Klaus Muttach in der jüngsten Gemeinderatssitzung daran, dass sich die Stadt Achern bei der künftigen Entwicklung des ehemaligen Glashüttenareals nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen werde. Der Gemeinderat stimmte dem Vorschlag der Verwaltung zu, eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen zu bilden, um hier in kleiner Rund über mögliche Konzepte zu beraten. Die Sitzung hatte  mit einer Schweigeminute für die Opfer der Anschläge der vergangenen Tage begonnen.

Eigentümer plant 400 Wohnungen

Die bayerische Karl-Gruppe hat als Eigentümerin des Glashüttenanreals ein städtebauliches Entwicklungskonzept vorgelegt. Wie berichtet, möchte sie auf dem elf Hektar großen Gelände bis zu 400 Wohnungen bauen und Flächen für Einzelhandel und Gewerbe ausweisen (ABB vom 9. Juli). Dieses Konzept war bereits zweimal Gegenstand der Beratungen im Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats. Die dabei aufgeworfenen Fragen waren, wie die Verwaltung am Montag ausführte, Gegenstand weiterer Gespräche mit der Karl-Gruppe und dem von ihr beauftragten Planungsbüro „Re2Area“ (Heidelberg).
Den Vertretern der Karl-Gruppe und des Planungsbüros hat die Verwaltung dabei erläutert, dass sich die Stadt Achern eine möglichst hohe städtebauliche Qualität in der Entwicklung der prägnanten innerörtlichen Industriebrache wünscht und deshalb noch verschiedene Alternativen zu dem bereits vorgestellten städtebaulichen Konzept sinnvoll erscheinen, wie diese etwa bei in einem städtebaulichen Ideenwettbewerb oder einer möglichen Einschaltung mehrerer Planungsbüros erzielt werden können.

Kein Ideenwettbewerb möglich?

Dazu wird es freilich eher nicht kommen: Die Karl-Gruppe machte gegenüber den Vertretern der Stadtverwaltung deutlich, dass die örtlichen Rahmenbedingungen und Detailkenntnisse zu Art und Lage der Altlastenflächen und den sich daraus ergebenden Anforderungen hinsichtlich eines ausgeklügelten Massenmanagements sowie den komplexen Vorgaben aus den lärmtechnischen Untersuchungen kaum zweckmäßige Rahmenbedingungen für einen städtebaulichen Ideenwettbewerb oder die Mehrfachbeauftragung von weiteren Planungsbüros definieren lassen. Damit bestehe letztlich das Risiko, in einem zeitaufwändigen Verfahren im Ergebnis nicht umsetzbare Konzepte vorgelegt zu bekommen.
Angesichts der Bedeutung des Projekts für die Entwicklung der Stadt zeigten sich die Sprecher aller Fraktionen überzeugt, dass die Bildung einer solchen Arbeitsgruppe der richtige Weg ist. Bedauert wurde, dass ein städtebaulicher Ideenwettbewerb oder die Einschaltung weiterer Planungsbüros offenbar nicht möglich ist.

Steuerung über das Planungsrecht

Dies sei, so Fraktionschef Thomas Kohler (Freie Wähler) eine schmerzliche Folge der seinerzeit mehrheitlich getroffenen Entscheidung des Gemeinderats, auf das der Stadt zustehende Vorkaufsrecht für das Glashüttengelände zu verzichten. Deshalb verbleibe der Stadt nur der Ausweg, eine möglichst gewichtige Rolle durch das ihr zustehende Planungsrecht zu spielen, um im „Wettstreit der Interessen“ der Kommune und der Eigentümer eine gute Lösung für die Stadt zu finden.