Traumhafter Ausblick: Matthias Griebl auf der Gondel der Windkraftanlage.
Traumhafter Ausblick: Matthias Griebl auf der Gondel der Windkraftanlage. | Foto: Dominic Körner

Erster Blick in die neue Windkraftanlage auf der Hornisgrinde

Intelligente Technik auf dem Dach der Region

Beim Schritt ins Freie werden die Knie weich, die Hand greift nach dem Sicherungshaken. Kurz durchatmen. Vom Dach der Region bietet sich ein überwältigender Blick auf die Ortenau, das Elsass und bis hinüber ins Schwabenland. Die Sonne scheint, in 1 250 Metern Höhe weht ein leichtes Lüftchen, es herrscht eine angenehme Stille. Die Szenerie spricht für sich. Es sind außergewöhnliche Ein- und Ausblicke, die Matthias Griebl beim Pressetermin in der Windkraftanlage auf der Hornisgrinde gewährt. 85 Meter über dem Bergrücken sitzt er gemeinsam mit dem BNN-Redakteur auf der Gondel, die Anlage hat er zuvor abgestellt.

Stromproduktion über Plan

Eine knappe halbe Stunde ruht sie, Griebl kann sich das erlauben. Neun Monate nach der Inbetriebnahme liegt die Stromproduktion voll auf Kurs. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt der Geschäftsführer der gleichnamigen KG, Betreiber der höchst gelegenen Windkraftanlage in Deutschland. Seit dem Startschuss im November lieferte sie in 5 316 Betriebsstunden rund 4,2 Millionen Kilowatt. Die laut Planung anvisierten fünf Millionen im Jahr dürften sogar übertroffen werden. „Die Hornisgrinde ist ein hervorragender Standort“, betont Griebl, „das Windrad dreht sich fast immer“. Die Voraussetzung, eine Windgeschwindigkeit von mindestens drei Metern pro Sekunde, ist auf dem höchsten Gipfel im Nordschwarzwald nahezu garantiert. Für die Nennleistung (2,3 Kilowatt) braucht es eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 14 Metern pro Sekunde.

Großte Unterschiede zwischen den Jahreszeiten

Dabei kann es durchaus vorkommen, dass sich am Fuß der Anlage kein Lüftchen rührt. „Oft bewegen sich Windteppiche auf 50 Metern Höhe“, erklärt Griebl, auch die Jahreszeiten weisen große Unterschiede auf. Weil der Winter von starken Höhenwinden geprägt ist, produziert die Anlage in der kalten Jahreszeit deutlich mehr Strom als im Sommer. Da überrascht es kaum, dass der Januar mit 700 000 Kilowattstunden der bislang stärkste Monat war – zum Vergleich: Im Juli wurden gerade einmal 200 000 Kilowattstunden produziert.

Spektakuläre Bauarbeiten

Vor einem Jahr hatten die spektakulären Arbeiten auf der Hornisgrinde viele Schaulustige angezogen. Nachdem ihre drei leistungsschwächeren Vorgänger abgebaut worden waren, wurde die neue Anlage mit einer Gesamthöhe von 120 Metern in Einzelteilen geliefert und zusammengesetzt.

Milimeterarbeit in luftiger Höhe
Milimeterarbeit in luftiger Höhe | Foto: Griebl KG

Weithin sichtbar thront sie seither auf dem Gipfel – die Fahrt mit dem Aufzug hinauf zur Gondel traten bislang aber nur wenige an. „Meine Frau und zwei Freunde habe ich schon mit hochgenommen“, erzählt Griebl schmunzelnd. Nicht einmal sein Vater, Seniorchef der Griebl KG, sei bisher dort oben gewesen.

Klettern, Aufzug, Klettern

Trotz Aufzug: Ganz ohne eigenes Zutun ist er nicht zu erreichen, der „Gipfel über dem Gipfel“. Im Eingangsbereich der Anlage, wo eine Anzeige über Windstärke, Stromproduktion und Betriebsdauer informiert, müssen Griebl und der leicht angespannte ABB-Redakteur zunächst eine Kletterausrüstung mit Helm und reichlich Sicherungshaken anlegen. Die ersten zehn Meter wird geklettert. Über eine Leiter an der Innenwand geht es nach oben, eine Sicherungsschiene, in die einer der Haken eingehängt ist, läuft mit. Dann geht es in den Aufzug, den Griebl per Knopfdruck bedient. An dünnen Stahlseilen zieht sich die beengte Kabine nach oben, das Licht wird dunkler, der Turm immer schmaler. Drei Personen, für die Aufzug ausgelegt ist, müssten es schon sehr kuschelig mögen. 40 Meter hohe, weiße Textilschläuche ragen im Inneren empor, sie liefern dem Trafo Luft zur Kühlung. Nach gut 60 Metern endet die ruckelige Fahrt, von hier aus geht es wieder zu Fuß weiter. Eine Zwischenplattform verhindert den ängstlichen Blick in die Tiefe, immerhin. Sprosse für Sprosse, weitere zehn Meter geht es hinauf, bis Griebl die „Luke zum Himmel“ öffnet. Sonnenlicht fällt in den Turm, das Herz pocht. Der Ausblick – atemberaubend.

Viele Hürden vor dem Bau

Dass Griebl ihn an diesem Tag genießen können würde, war nicht immer klar. Strenge Naturschutzauflagen ließen Vorbereitung und Bau der Anlage zu einem nicht enden wollenden Hürdenlauf werden. Dennoch habe er immer an die Realisierung des Projekts geglaubt, sagt Griebl: „Auf der Hornisgrinde standen bereits zuvor drei Windkraftanlagen. Warum sollte es nicht möglich sein, dort stattdessen eine zu bauen?“, habe er sich immer wieder gefragt.

Seit November ist die Anlage auf der Hornisgrinde in Betrieb.
Seit November ist die Anlage auf der Hornisgrinde in Betrieb. | Foto: Karl-Anton Doll

Rund 3,5 Millionen hat das Acherner Unternehmen in das Windkraftprojekt auf der Hornisgrinde investiert, Kosten, die sich laut Griebl „in zehn bis elf Jahren“ amortisiert haben dürften. Für Bau und Wartung zeichnet die Firma „enercon“ verantwortlich, auch wenn die Griebls über eine Computersoftware den Betrieb vom Tal aus verfolgen können.

Anlage kann sich selbst abschalten

Dank moderner Technik ist die Anlage pflegeleicht: Bei Störungen wie Schäden durch Blitzeinschlag schaltet sie sich automatisch ab. Ebenso zu Flugzeiten der Fledermäuse. Die mögen es warm (mehr als zehn Grad) und weitestgehend windstill (maximal sechs Meter pro Sekunde) – und fliegen an den Randzeiten des Tages. Sind all diese Bedingungen gegeben, erkennt es die mit einem Windmessgerät (Ultraschall) ausgestattete Anlage von selbst – und fährt herunter. Auch bei dauerhaftem Starkwind mit mehr als 120 Stundenkilometern wird sie inaktiv. Einzelne, heftige Böen dagegen hält die Anlage aus, auch, weil sich die Rotorblätter zum Schutz vor Schäden eindrehen können.

3 000 bis 5 000 Haushalte profitieren

Der Verbraucher bekommt von den hoch technisierten Abläufen auf der Höhe nichts mit. Leitungen über die Brandmatt und in Richtung Ottenhöfen versorgen, je nach Windstärke, 3 000 bis 5 000 Haushalte mit Strom. Ist der Bedarf in Sasbachwalden gedeckt, fließt die überschüssige Energie weiter nach Achern. Dank ihrer exponierten Lage hat sich die Hornisgrinde für Griebl als Windkraftstandort bewährt. Der Unternehmer macht sich daher für einen Ausbau der Windenergie dort stark, „wo sie sinnvoll ist“. In der Flächennutzungsplanung würden indes allzu oft mittelmäßige Windkraftstandorte ausgewiesen, kritisiert Griebl. Auf der Hornisgrinde hält er den Bau einer weiteren Anlage für möglich. Konkrete Pläne gebe es derzeit aber nicht.

Bei Interesse bietet die Griebl KG Führungen an der Windkraftanlage an; Anfrage per E-Mail an info@griebl.de.