Das Thomaswehr bei Daxlanden hat eine Fischtreppe. Es ist umstritten, ob sie für die Lachswanderung ausreicht.
DIE FISCHTREPPE am Thomaswehr ist unumstritten als Flussaufwärtshilfe geeignet. Doch albabwärts sei sie untauglich und müsse nachgerüstet werden, meinen die Angler. | Foto: jodo

Zwist von Anglern und Stadt

Ist die Appenmühle ein Albtraum für die Fische?

Strom aus Wasserkraft oder Fisch im Fluss? Diese Alternative scheint an sich widersinnig zu sein und ein Albtraum für Ökologen. Doch an der Alb in Daxlanden hat sich ein Interessenskonflikt zwischen Naturschutz und Klimapolitik zugespitzt. Die Sache ist hochkomplex. Deshalb sei zunächst nur das Kernproblem geschildert, wegen dessen Anglerverein Karlsruhe und Stadtwerke als Betreiber der Wasserkraftanlage Appenmühle im Clinch liegen – und zu dem das Regierungspräsidium (RP) gegenüber den BNN keine Stellung nehmen will.

Die Appenmühle ist heute ein kleines Wasserkraftwerk,
DIE APPENMÜHLE ist das einzige Wasserkraftwerk der Fächerstadt. | Foto: jodo

Kommt man zu keiner Einigung, stehen vielleicht beide Seiten als Verlierer da: Die Stadtwerke Karlsruhe schalten ihr regeneratives Vorzeigekraftwerk ab. Und die schwimmschwachen Fische bekommen keine adäquate Flusstreppe am Thomaswehr, die ihnen nach dem Treppenaufstieg flussaufwärts auch die Rückkehr albabwärts vorbei am Wehr und der Turbine des Kraftwerks Appenmühle ermöglicht.

Position der Angler

Der Anglerverein Karlsruhe berichtet voller Wut von „hilflosen Fischen, die in die Turbinen des Wasserkraftwerks Appenmühle gelangen und tot oder schwer verletzt entkommen“. Vizepräsident Joachim Meyer, sagt: „Alles, was wir von den Stadtwerken verlangen, ist ein angepasster Rechen.“

Treppe veraltet

Doch auch die Fischtreppe am Thomaswehr prangern die Angler als veraltet und mangelhaft an. „Sie sollte angeblich ermöglichen, dass Wanderfische wie der Lachs ungehindert in den Rhein und wieder zurück schwimmen können.“
20 000 Lachse entlässt der Verein jährlich in die Alb mit dem Ziel: Der einst heimische Lachs soll sich in einigen Jahrzehnten wieder nachhaltig in der Alb leben. Viele der jungen Fische stürben jedoch in den Turbinen des Wasserkraftwerkes.

Fische werden getötet

„Mit der Unterstützung durch das Regierungspräsidium kämpfe man seit über zehn Jahren, „um eine tierfreundliche Lösung“. Der Verein beruft sich auf die Fischereibehörde beim RP: Demnach sei durch Erhebungen seit Jahren nachgewiesen, „dass in der Appenmühle Fische in großem Umfang verletzt und getötet werden“. Der Wasserkraftstandort Appenmühle weise, laut RP „nicht annäherungsweise den aktuellen Stand der Technik beim Fischschutz oder beim Fischabstieg auf“, behaupten die Fischer. „Die Stadtwerke beschwichtigen, die Fischereibehörde schreibt, die Fische lassen weiterhin ihr Leben, und die Stadt schweigt“, klagen die Angler.

Position der Stadtwerke

Die Wasserkraftanlage ging 2 000 in Betrieb. Sie wurde von den Stadtwerken „auf Wunsch der Naturschutzverbände“ für 700 000 Mark gebaut.„Sie hat alle wasserrechtlichen Genehmigungen“, betont Stadtwerke-Pressesprecher Markus Schneider. Es wurde damals nicht nur die Turbinenanlage gebaut, sondern auch „eine aufwändige Fischtreppe“ am Thomaswehr als Aufstiegshilfe. Sie führt die Fische um die Wasserkraftanlage herum. Wenn trotzdem Fische bis zur Appenmühle gelangen, schützt sie ein sogenannter Rechen vor dem Schwimmen in die Turbine.

Keinen Einfluss auf die Fische

Der Gitterrost vor der Turbine hat einen Durchgang von zwei Zentimetern. Zudem können die Fische inzwischen auch durch einen „Leerschuss“, um die Turbine herum schwimmen. Dies halbiere aber die Kapazität der Anlage. Folglich könne man mit ihrem Strom heute nur noch 40 statt früher 80 Haushalte versorgen. Laut Schneider ist es eine für Stand 2 000 mustergültige Anlage“. Folglich nehme das Kraftwerk „keinen Einfluss auf die Fische“. Das Wasserkraftwerk sei beliebtes Anschauungsobjekt, besonders für Schulklassen.

Am Thomaswehr verzweigt sich die Alb.
DER MÜHLENGRABEN (links) beginnt am Thomaswehr, wo (ganz rechts) die Flusstreppe für die Lachse. | Foto: jodo

„Zur Wanderzeit der Lachse von Anfang April bis Mitte Juni wird zudem die Anlage abgestellt, um eine mögliche Gefahr ganz auszuschließen“, erklärt Schneider. „Rein rechtlich“ liege bis heute keine Aufforderung der Behörden vor, an der Anlage etwas zu ändern. „Wenn wirklich der Wunsch oder die Auflage käme, eine Betonfischtreppe wie in Iffezheim zu bauen, müssen wir deutlich sagen, dass wir uns mit so einem Bauwerk nicht anfreunden könnten“, unterstreicht er den Standpunkt der Stadtwerke. „Wir würden dann die Anlage stilllegen“. Eine Investition von etwa 200 000 Euro für den Umbau der Treppe für abwärtsschwimmende Fische komme nicht in Frage, zumal sich das Vorzeigeobjekt Appenmühle ohnehin finanziell für die Stadtwerke nicht rentiere. Bereit sei man indessen, den Abstand der Stäbe im Schutzrechen für etwa 5 000 Euro zu halbieren. „Damit muss es dann aber gut sein“, betont Schneider.

Position der Fischereibehörde

Gegenüber der Öffentlichkeit bezieht das RP keine Position. Die Behörde begründet ihr Schweigen auf BNN-Anfrage mit „einem laufenden Verfahren“. Überhaupt sei die Stadt als Untere Wasserrechtsbehörde zuständig, erklärt RP-Sprecher Uwe Herzel. Gleichwohl irren Anglerverein und Stadtwerke nicht: Die Fischereibehörde am RP beschäftigt sich intensiv mit dem Thema, nur sagen darf sie nichts. Im Widerspruch zum RP wüssten die Stadtwerke nichts von einem laufenden Verfahren, versichert Thomas Schnepf, ihr strategischer Planer. „Wir würden es auch nicht auf ein Verfahren ankommen lassen“, erklärt Schneider. Es habe nur Gespräche gegeben, „nichts Schriftliches“. „Bei allem Herzblut für die Appenmühle – aber die Stromversorgung von Karlsruhe hängt davon nicht ab“, setzt er hinzu.