Johnson Controls Waghäusel
VOR DER SCHLIESSUNG: Johnson Controls will sein Werk in Waghäusel innerhalb eines Jahres schließen. | Foto: ber

Probleme bei Autozulieferer

Johnson Controls schließt Werk Waghäusel

Der Automobilzulieferer Johnson Controls will sein Werk in Waghäusel schließen. Das teilte das US-Unternehmen mit Hauptsitz in Milwaukee mit. Wie ein Sprecher den BNN sagte, sei die Entscheidung gefallen, nachdem ein großer Folgeauftrag eines französischen Automobilherstellers ausgeblieben sei. Die Maßnahmen zur geplanten Betriebsstilllegung sollen den Unternehmensangaben zufolge bis spätestens im Oktober 2017 abgeschlossen sein. Betroffen sind 151 Mitarbeiter am Standort Waghäusel.

Automobilzulieferer: „Drastischer Umsatzrückgang“

Johnson Controls produziert am Standort Waghäusel Kopfstützen für die Automobilindustrie. Doch der Markt ist hart umkämpft. In einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens heißt es: „Aufgrund veränderter Marktbedingungen im europäischen Automobilsektor konnten leider keine Folgeaufträge für das Werk gewonnen werden. Dies hatte bereits zu einem drastischen Umsatzrückgang in den letzten fünf Jahren geführt.“ Zudem sei die Produktion in Waghäusel auf das sogenannte Hinterschäum-Verfahren spezialisiert, das im Vergleich zu anderen Verfahren aufwendiger und teurer ist. Das Produktionsvolumen für Komponenten, die im Hinterschäum-Verfahren produziert werden, habe sich  in Europa in den vergangenen Jahren fast  halbiert, so hieß es weiter. Insgesamt gebe es im Bereich Kopfstützen einen harten Wettbewerb mit „extremen Preisdruck“.

Johnson Controls
AUS FÜR STANDORT: Das Werk des Kopfstützenherstellers Johnson Controls in Waghäusel beeschäftigt noch 151 Mitarbeiter. | Foto: ber

Mit der laufenden Ausgliederung der Autozuliefer-Industrie aus dem US-Mischkonzern habe die geplante Schließung aber nichts zutun. Der Sprecher: „Der geplante Spin-off der Automotive Sparte von Johnson Controls unter dem Namen Adient und der anvisierte Börsengang im Herbst 2016 stehen in keinem Zusammenhang mit der geplanten Stilllegung des Standortes Waghäusel.“

Dass es beim Kopfstützenhersteller Probleme gibt, deutete sich bereits seit Monaten an. Im Juni hatten die Beschäftigten mit einem Warnstreik für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Hintergrund war die Forderung der IG-Metall Bruchsal nach einer vierjährigen Verlängerung des Standortsicherungstarifvertrags. Die Geschäftsleitung hatte alle Gesprächsanfragen diesbezüglich aber nicht beantwortete, so die IG Metall damals.

Für Beschäftigte wird es schwer auf dem Arbeitsmarkt

Die Unternehmensleitung will nun mit der Arbeitnehmerseite über einen Sozialplan und einen Interessensausgleich verhandeln. Doch bei der zuständigen Gewerkschaft will man die Betriebsschließung noch nicht akzeptieren. Rainer Wacker, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bruchsal-Bretten, sagte auf BNN-Anfrage: „Zunächst müssen alle Möglichkeiten ausgelotet werden, den Standort doch noch zu erhalten.“ Denn wenn die 151 Beschäftigten des Werks tatsächlich ihre Jobs verlieren, wird es für viele von ihnen wohl sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt. Laut IG Metall sind viele ältere sowie an- und ungelernte Arbeitnehmer bei Johnson Controls in Waghäusel beschäftigt.

Waghäusels Oberbürgermeister bedauert Pläne

Waghäusels Oberbürgermeister Walter Heiler (SPD) äußerte sich auf BNN-Anfrage zur geplanten Werksschließung: „Das sind keine schönen Nachrichten für die Stadt Waghäusel und vor allem für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Jetzt muss alles daran gesetzt werden, für sie einen tragfähigen Sozialplan zu erreichen.“

Das angekündigte Aus bei Johnson Controls ist die zweite große Produktionsschließung in Waghäusel, die für das Jahr 2017 angekündigt wurde. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Schuler-Konzern angekündigt, seine Produktion in Waghäusel bis Ende 2017 zu schließen. Dort sind nach früheren Angaben ebenfalls rund 150 Stellen betroffen.

OB Heiler sieht in den beiden Produktionsschließungen kein strukturelles Problem für die Stadt Waghäusel als Industriestandort. „Die Pläne der betroffenen Unternehmen sind sehr bedauerlich. Aber ingesamt muss man feststellen, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in Waghäusel in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat.“ Allein im 2004 eröffneten „dm“-Verteilzentrum seien seither mehr als 1.000 Arbeitsplätze entstanden.

Johnson Controls
Die Geschichte von Johnson Controls geht auf das Jahr 1883 zurück. Damals bekam Warren Seymour Johnson das Patent für den ersten elektrischen Raumthermostat. Daraus entwickelte sich 1885 das Haustechnik-Unternehmen Johnson Electric Service Company in Milwaukee, USA. Heute ist Johnson Controls ein Mischkonzern mit den Schwerpunkten Automobilzulieferung, Batterietechnik und Industriedienstleistungen mit weltweit 140.000 Beschäftigten. Der europäische Hauptsitz der Sparte Automobil Innenräume ist Burscheid in Nordrhein-Westfalen.