Durchschnittliche Ernteerträge verzeichnen die Landwirte im Enzkreis. Von links: Kreisbauernverbandsvorsitzender Ulrich Hauser, Getreidevermarkter Paul Dieterle, Dezernentin Hilde Neidhardt, Landwirtschaftsamtsleiter Jürgen Krepp und Landwirt Michael Ölschläger.	Fotos: Ehmann
Durchschnittliche Ernteerträge verzeichnen die Landwirte im Enzkreis. Von links: Kreisbauernverbandsvorsitzender Ulrich Hauser, Getreidevermarkter Paul Dieterle, Dezernentin Hilde Neidhardt, Landwirtschaftsamtsleiter Jürgen Krepp und Landwirt Michael Ölschläger. Fotos: Ehmann

Ernte im Enzkreis

Kälte und Nässe bescheren durchschnittliche Erträge

Enzkreis. Enttäuscht sind viele Landwirte im Enzkreis über die diesjährige Ernte. Die Erträge bei Getreide und Raps fallen unterdurchschnittlich bis durchschnittlich aus. Der Grund sind vor allem die vielen Niederschläge und kühlen Temperaturen im Frühjahr und das Hochwasser Anfang Juni.
Die Ernte sei nicht „grottenschlecht“, versuchte der Leiter des Landwirtschaftsamts, Jürgen Krepp, beim Gespräch auf dem Hof Ölschläger in Großglattbach einen falschen Eindruck zu vermeiden. Die Ernten der vergangenen Jahre seien gut gelaufen, entsprechend hoch seien die Erwartungen der Bauern gewesen. Ähnlich sehe es beim Getreidepreis aus: Der falle im Vergleich zu den vergangenen vier bis fünf Jahren eher unterdurchschnittlich aus. Der Preis an der Börse ändere sich jedoch fast stündlich, daher bestehe bei den Landwirten die Hoffnung, dass sich die Preissituation noch verbessert. Beeinflusst werde der Preis auch von den Übermengen der vergangenen Ernten, ergänzt BayWa-Getreidevermarkter Paul Dieterle. Nach drei guten Ernte falle sie dieses Jahr enttäuschend aus. „Die Witterung hat im Frühjahr voll zugeschlagen.“

Biet-Bauern hoffen auf Sonne und Regen

Was Raps und Wintergerste angeht, seien die Kollegen unzufrieden, sagt Ulrich Hauser, Kreisvorsitzender des Bauernverbands. Beim Weizen zeichne sich ähnliches ab – auch hier bleiben die Erträge wohl hinter den Erwartungen zurück.
Angebaut wurden in diesem Jahr im Enzkreis und in Pforzheim 3 863 Hektar Weizen (Vorjahr: 3 880 Hektar), 1 146 Hektar Wintergerste (1 247), 262 Hektar Dinkel (349), 1 122 Hektar Winterraps (911), 716 Hektar Sommergerste (798), 435 Hektar Hafer (445) und 251 Hektar Roggen (260).
Fast abgeschlossen ist im Enzkreis die Ernte von Wintergerste und Winterraps. Sie falle unterdurchschnittlich aus, so Krepp. Winterweizen und Sommergerste werden im nördlichen Enzkreis und im Kraichgau schon gedroschen. Hier seien nach einem sehr guten 2015 in diesem Jahr ebenfalls unterdurchschnittliche Erträge zu erwarten. Die Landwirte im Heckengäu und im Biet hoffen nun auf eine stabile Wetterlage mit Sonne und wenig Regen, so dass auch hier die Getreideernte zügig eingefahren werden kann. Krepp bittet die Bevölkerung um Verständnis, da es sein kann, dass je nach Wetterlage, auch nachts auf den Feldern gearbeitet wird und landwirtschaftliche Fahrzeuge auf den Straßen den Verkehr ausbremsen.

Auch Erdbeeren und Kartoffen haben gelitten

Das Hochwasser Anfang Juni habe die Heuernte stark verzögert, berichtete die neue Dezernentin für Landwirtschaft Hilde Neidhardt. Auch die Erdbeer-Ernte sei durch die Niederschläge und Krankheiten stark beeinträchtigt worden. Beim Getreide habe der feuchte Boden dazu geführt, dass die Wurzeln nicht oder nur zögerlich gewachsen seien und Pilze das Getreide befallen haben. Darüber hinaus haben die Winterrapsbestände durch Schnee Ende April gelitten. Auch für andere Kulturen sei die Witterung schwierig gewesen: Die Wengerter hatten mit der Pflanzenkrankheit, dem falschem Mehltau, zu kämpfen und mussten ihre Pflanzenschutzmaßnahmen ausweiten. Ähnliches gelte für den Kartoffelanbau, so Neidhardt.