Storchenküken mit Eiern im Nest
Das nasskalte Wetter in der Region ist eine Gefahr für Storchenküken und andere Jungvögel. | Foto: dpa (Archiv)

Jungvögel leiden unter Nässe

Kältetod im Storchennest

Starkregen und kalte Nächte bedrohen das Leben junger Vögel zwischen Rheinauen und Kraichgau-Hügeln. Ersten Schätzungen zufolge sind dem Wetter 25 Prozent des Storchennachwuchses zum Opfer gefallen.

Das Geklapper ist bis in die Straßenzüge in Hambrückens Süden zu hören. Auf dem Horstbaum des Ortsvereins des Naturschutzbundes (Nabu) Baden-Württemberg heißt der Weißstorch samt Nachwuchs seinen Gefährten willkommen, der gerade von der Futtersuche zurück ins Storchennest segelt. Normalerweise wäre die Begrüßung etwas lauter. Aber einer der zuvor drei Jungvögel ist verendet. Dahingerafft von Starkregen und Nachtkälte. „Die lange Regenperiode und die niedrigen Temperaturen sind ein Riesenproblem“, erklärt Artur Bossert, der zweite Vorsitzende des Karlsruher Nabu-Kreisverbands.

Eltern versuchen verzweifelt, Jungvögel warm zu halten

Genaue Zahlen liegen zwar noch nicht vor, doch die Storchenbeauftragte des Regierungspräsidiums, Ute Reinhard, wagt eine erste Prognose; danach wurde in diesem Jahr auch in der Region zwischen den Rheinauen und den Kraichgauhügeln jeder vierte junge Adebar Opfer von Nässe und Kälte.
Da die Jungvögel noch kein richtiges Federkleid, sondern nur einen Daunenflaum haben, kann die Situation dramatisch werden, wissen die Ornithologen; wenn die dünne, weiche Schicht nass wird, kühlen die Tiere sehr schnell aus und sterben. „Die Eltern versuchen zwar, ihren Nachwuchs trocken zu halten und zu wärmen. Das gelingt aber nicht über längere Zeit“, berichtet Nabu-Kreisvize Bossert. Dabei haben Beobachter festgestellt, dass die Regionen in Nordbaden trotz der verheerenden Niederschläge wie in Bretten-Ruit oder Königsbach-Stein vergleichsweise glimpflich davongekommen sind. Entlang der Donau oder in Südbaden sind die Todesfälle noch häufiger.

ein erwachsener Storch und zwei Jungtiere stehen im Horst des Nabu Hambrücken.
Nur zwei von drei Jungstörchen im Horst des Nabu Hambrücken haben das nasse und kalte Wetter überlebt. | Foto: Heintzen

Doch nicht nur Weißstörche leiden in diesem Jahr. Auch junge Vögel anderer Arten kämpfen ums Überleben. „Starkregen bedroht viele Vogelnester. Die Gelege von Bodenbrütern wie Feldlerche, Fasan oder Rebhuhn werden überschwemmt, Nester in Bäumen insbesondere im Kraichgau heruntergespült“, erklärt Bossert. Und Frank Debatin, der Nabu-Vorsitzende des Ortsvereins Hambrücken, verweist auf ein weiteres Problem, mit dem die Vögel derzeit zu kämpfen haben: „Bei diesem Wetter gibt es beispielsweise für Schwalben in der Luft zu wenig Insekten.“

Einen Trost haben die Experten für Naturfreunde jedoch parat. Die Wetterlage werde die Tierwelt in der Region nicht gefährden. Auch wenn 2016 für Störche und andere Vögel voraussichtlich eher ein „wenig erfolgreiches Jahr“ wird, was den Nachwuchs angeht: „Die Natur gleicht das aus.“

 

Hintergrund: Hilflose Jungvögel

Den Jungtieren direkt zu helfen, sei kaum möglich, bedauern die Naturschützer: „Wer einen vermeintlich hilflosen Jungvogel findet, sollte ihn an Ort und Stelle belassen. In den allermeisten Fällen werden die Jungvögel auch außerhalb ihrer Nester von den Eltern versorgt.“ Die Zöglinge mitzunehmen, um sie selbst groß zu ziehen, käme in vielen Fällen einem Todesurteil gleich, weil die gefiederten Tiere in Menschenhand nicht auf ein Leben zurück in Freiheit vorbereitet werden können. Wer helfen möchte, könne nach einer gewissen Wartezeit die Jungvögel zurück in ihr Nest setzen oder gegebenenfalls aus einer Gefahrenzone wie einer Straße einige Meter weiter ins Grüne bringen.