Blaulicht-Organisationen an einem Tisch: Auch in der Ortenau wird über die Gefahr von Anschlägen gesprochen.
Blaulicht-Organisationen an einem Tisch: Auch in der Ortenau wird über die Gefahr von Anschlägen gesprochen. | Foto: Patrick Seeger

Kapazität der Polizei begrenzt

Behörden im Ortenaukreis bereiten sich auf den Fall der Fälle vor

Offenburg. Es ist eine Gefahr, an die niemand denken mag – geschweige denn drüber reden. Und doch ist sie präsent, die Möglichkeit, dass die erschreckende Reihe von Amokläufen und politischen Anschlägen irgendwann einmal auch in der Ortenau ihre Fortsetzung finden könnte. Die Sicherheitsbehörden bereiten sich seit Jahren auf einen solchen Fall vor, und doch haben sie aus den Vorfällen der vergangenen Tage und Woche weitere Schlüsse gezogen. Einer davon: Der politische und menschliche Wahnwitz ist nicht auf die Ballungszentren beschränkt: „Wir können nicht einfach sagen, in der Provinz passiere nichts“, sagt Joachim Metzger, Leiter der Direktion Polizeireviere im Offenburger Polizeipräsidium.

Gefahren auch in der „Provinz“

Dass sich so viele „Gefahrenlagen“ um eine Woche oder ein Wochenende konzentrieren können, ist ebenfalls neu. Die Polizei wird, wie bereits von Innenminister Thomas Strobl in Kehl angekündigt, ihre Präsenz auf Veranstaltungen erhöhen. Doch das stößt an Grenzen: „Die Kapazität der Polizei ist endlich“. Dies umso mehr, als weitere Herausforderungen bereits absehbar sind. Metzger nennt beispielhaft die Bundestagswahl.

Sicherheitsdienste funktionieren

Viele der Sicherheitsmaßnahmen, über die derzeit diskutiert wird, sind schon umgesetzt – auch mit Hilfe privater Sicherheitsdiente. So sind Taschenkontrollen bei bestimmten Großveranstaltungen inzwischen obligatorisch: „Die Sicherheitsdienste funktionieren gut“, lobt Metzger die Veranstalter für ihre Umsicht. Was sich die Polizei nun wünscht, sind aufmerksame Bürger, die Verdächtiges melden: „Wir nehmen jeden Hinweis sehr ernst“. Man habe Profis bei der Polizei, die verdächtige Beobachtungen sehr „niederschwellig“ verfolgen. Das geschah auch in den vergangenen Wochen und Tagen, allerdings ohne dass sich konkrete Anhaltspunkte auf Gefahren ergeben hätten.
Im Falle eines Falles ist nicht nur die Hilfe der Polizei gefragt: Die gesamten „Blaulicht“-Organisationen müssen über die Möglichkeit von Anschlägen nachdenken – und sie tun es bereits. „Terror und Amok gehören sicher nicht zu unserem üblichen Einsatzspektrum“, sagt Reinhard Kirr, Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz beim Landratsamt.

Sie heißen „Katwarn“ und „NINA“: Kleine Apps fürs Mobiltelefon, auf denen der Bürger schnell und ohne Zeitverzug von Bedrohungen erfahren soll. Doch der Ortenaukreis, wie auch das Polizeipräsidium Offenburg, sind außen vor. „Das ist technisch noch nicht ausgereift“, begründet Kai Hockenjos, Pressesprecher des Landratsamts in Offenburg, die Zurückhaltung. Bei der Polizei gibt es sogar grundlegende Bedenken. Man arbeite mit eine gut abgeschotteten Intranet, sagt der leitende Polizeidirektor Joachim Metzger. Da sei es nicht ohne weiteres möglich, solche Apps einzubinden. Die Beamten setzen lieber auf Facebook, Twitter und Andere.   Nachdem fünf Pilot-Dienststellen gute Erfahrungen  gemacht hätten, wolle auch das Offenburger Präsidium einsteigen. Eben habe man aus Stuttgart die Freigabe bekommen, nun bereite man sich auf die Umsetzung vor.

Doch das Thema wird auch nicht ausgeblendet. In einem so genannten „Forum Einsatzstelle“ treffen sich die Hilfsdienste und die Polizei regelmäßig, auch um über den Umgang mit Bedrohungen zu sprechen. Natürlich, sagt Kirr, seien solche Vorkommnisse in erster Linie eine „Polizeilage“. Doch es gelte abzustimmen, welche Erwartungen es an die Hilfsdienste gibt. „Wir haben darüber präventiv gesprochen“, sagt der ehemalige Kreisbrandmeister. Ein weiteres Treffen werde es im Spätjahr geben.

„Im Rahmen des Möglichen“

Grundsätzlich gibt es im Landratsamt natürlich Strategien, um auf jedwede Ereignisse reagieren zu können. Vorgesehen ist die Bildung von Krisenstäben oder bei besonders gravierenden Ereignissen eines so genannten „Verwaltungsstabs“, der alle Behörden des Landratsamts bündelt. „Wir sind“, sagt Kirr, „vorbereitet im Rahmen unserer Möglichkeiten“.