Selbstfahrende Autos sind nach Meinung von Experten die Zukunft der Mobilität. Deshalb sollte die Region zum Testfeld für autonomes Fahren werden, meint Karlsruhes OB Frank Mentrup. Doch es gibt Konkurrenz.
Selbstfahrende Autos sind nach Meinung von Experten die Zukunft der Mobilität. Deshalb sollte die Region zum Testfeld für autonomes Fahren werden, meint Karlsruhes OB Frank Mentrup. Doch es gibt Konkurrenz. | Foto: dpa

Standort Karlsruhe wackelt

Ist Region als Testfeld für autonomes Fahren in Gefahr?

Verkehrsminister entscheidet über Standort für Autonomes Fahren

Ist der tödliche Unfall eines selbstfahrenden Tesla in den USA ein schlechtes Omen für die Ambitionen der Region Karlsruhe, Testfeld für autonomes Fahren zu werden? Zwar hat sich jüngst eine Jury nach Prüfung der jeweiligen Konzepte und eingehenden Gesprächen mit Experten aus der Wirtschaft für Karlsruhe als Pionier-Region ausgesprochen. Doch die Fürsprecher der beiden Mitbewerber Ulm und Stuttgart rechnen sich gute Chancen aus, das Ruder doch noch herumzureißen.
„Die Äußerung der Jury hat keine bindende Wirkung“, betonte ein Sprecher von Verkehrsminister Winfried Hermann gegenüber den BNN. Dem Grünen obliegt die Standortentscheidung, nachdem das Thema mit dem Regierungswechsel vom Wirtschafts- auf das Verkehrsressort übergegangen war. Spätestens in der kommenden Woche will sich Winfried Hermann dem Vernehmen nach äußern.

Auch Ulm und Stuttgart rechnen sich Chancen aus

Angesichts dieser neuen Lage hatte sich der Ulmer Landtagsabgeordnete Jürgen Filius (Grüne) an seinen Parteifreund im Verkehrsministerium gewandt. Danach äußerte Filius sich optimistisch. Das Thema sei „für Ulm noch nicht vom Tisch.“ Auch der Ulmer SPD-Parlamentarier Martin Rivoir teilt diese Einschätzung. Nötigenfalls müssten sich eben Ulm und Karlsruhe den Kuchen teilen. Eher an der Landeshauptstadt als künftiges Testfeld sind unterdessen weite Teile der in Stuttgart ansässigen Autohersteller und Zulieferer interessiert. Insider berichten von entsprechender Lobbyarbeit in diese Richtung. Wirtschafts-Staatssekretärin Katrin Schütz (CDU) plädiert für eine Standortentscheidung entlang sachlicher Argumente. Von Verkehrsminister Hermann heißt es, ihm sei die strategische Bedeutung des pilotierten Fahrens zwar bewusst, sein Herzblut gelte aber eher dem Großthema Elektromobilität.

Mentrup warnt vor Kompromissen

Die Akteure in der Region lassen keinen Zweifel daran, dass hier der einzig richtige Standort für das zukunftsweisende Testfeld sei. Von einem „sehr guten Angebot“ spricht der Vorsitzende der Technologieregion, Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. Er erinnert daran, dass Karlsruhe bereits als „Profilregion Mobilität“ einen Namen habe und Teil des Forschungsverbundes „Autonomes Fahren“ sei, an dem auch die Universität Ulm beteiligt ist. Auch Erfolge beim Wettbewerb „Regio Win“ mit entsprechenden Förderzusagen und die Nachbarschaft zum Lastwagen-werk von Daimler in Wörth verschafften Karlsruhe eine gute Ausgangsbasis, findet Mentrup. Das Konzept, mit dem sich Karlsruhe beworben und die Jury beeindruckt hat, berücksichtigt alle denkbaren Verkehrssituationen. Es bindet das Autobahn-Parallelogramm zwischen Karlsruhe, Stuttgart, Heilbronn und Walldorfer Kreuz ein und integriert dadurch viele Unternehmen wie Porsche oder SEW Eurodrive.
OB Mentrup, der für die übrigen Beteiligten des Konsortiums spricht, warnt vor Kompromissen: „Man würde die Qualität reduzieren, wenn man mit derselben Fördersumme versuchen würde, das ganze Land glücklich zu machen.“

Autonome Autos, in denen von Sensoren und Kameras gestützte Computer steuern, sollen den Verkehr sicherer machen. Die Automobilindustrie ist nach eigenen Angaben ab 2030 in der Lage Fahrzeuge zu liefern, die selbsttätig zum Ziel kommen. Noch sind aber der formale Rahmen sowie Ethik-Aspekte umstritten. Nach dem ersten tödlichen Unfall mit einem auf Autopilot fahrenden Wagen in den USA ist das Thema in aller Munde.