Majolika Karlsruhe
Die Majolika darf auf Rettung hoffen | Foto: jodo

Karlsruhe will Majolika Manufaktur erhalten

Die Majolika kann weiter auf finanzielle Unterstützung der Stadt hoffen. Die Verwaltung empfiehlt dem Gemeinderat, in seiner heutigen Sitzung – los geht es um 15.30 Uhr im Rathaus – für den Erhalt der Keramikmanufaktur zu stimmen. Der bereits seit 2013 gewährte städtische Zuschuss in Höhe von 160 000 Euro jährlich soll sich der Beschlussvorlage zufolge auch in den Haushalten 2017 und 2018 niederschlagen.

Zuschüsse für Majolika

Darüber hinaus soll weiteres Geld fließen, um zwei Faktoren zu kompensieren: Bisher floss faktisch keine Miete von Seiten der Majolika an die städtische KVVH als Inhaberin der Immobilie, weil der Betrag in Höhe von 168 000 Euro über einen Sponsorenvertrag quasi wieder gutgeschrieben wurde. Und 93 000 Euro an Einnahmen aus Untervermietung – zum Beispiel mit der Cantina – gingen bisher an die Majolika. Künftig soll das Geld an den Gebäudeeigentümer fließen.

Internationales Keramikzentrum

Der Gesamtzuschuss der Stadt wird demnach bei 350 000 Euro im kommenden Jahr liegen. Er reduziert sich der Planung zufolge auf 300 000 Euro 2018, 250 000 Euro 2019, 200 000 Euro 2020 sowie 150 000 Euro 2021. Ab 2022 werde dann von Seiten der Stadt für eine „eventuelle Unterdeckung“ eine Ausfallbürgschaft von bis zu 120 000 Euro bereitgestellt. Ziel sei es, die Majolika zu einem internationalen Keramikzentrum weiterzuentwickeln.

„Diese Statusveränderung zielt darauf, aus der Majolika ein Unternehmen der Kreativwirtschaft zu entwickeln, das sich in wenigen Jahren wirtschaftlich selbst tragen kann“, heißt es. In der Manufaktur selbst sollen dann hauptsächlich Auftragsarbeiten gefertigt werden. Geplant sind darüber hinaus unter anderem eine „Europäische Keramik Werkstatt“, in der jeder unter Anleitung von Künstlern selbst Keramiken herstellen kann, sowie eine „Majolika Kunst Akademie“ als Lernort und ein „Europäisches Künstlerisches Atelier“.

Fläche wird reduziert

Vorgesehen ist zudem, dass die Majolika künftig weniger Fläche nutzt: Statt 5 537 nur noch 2 650 Quadratmeter. Freiwerdende Flächen könnten beispielsweise für Ateliers, Werkstätten oder Büros genutzt werden. Reduziert wird das Personal der Majolika: Von den 27 Beschäftigten aus dem Jahr 2015 verbleiben ab 2017 noch neun feste Mitarbeiter sowie zwei 450-Euro-Kräfte und drei freie Mitarbeiter.

Bei der Kalkulation des künftigen Zuschussbedarfs geht die Verwaltung davon aus, dass die Umsätze „unverändert stabil“ bleiben und der Ertrag 800 000 Euro im Jahr 2016 und 690 000 Euro im Jahr 2017 beträgt. 2011 betrug der Jahresverlust 546 000 Euro, 2015 waren es 10 000 Euro.

Volle Auftragsbücher

Die Vertriebsaktivitäten sollen intensiviert werden, heißt es in der Beschlussvorlage des Gemeinderats: „Nur volle Auftragsbücher und damit stabile Umsätze können dauerhaft der Majolika Manufaktur Karlsruhe das Überleben sichern.“ Grundsätzlich gehöre die Majolika zu den angesehensten Institutionen ihrer Art. Sie sei inzwischen die einzige Kunst-Keramik-Manufaktur Deutschlands.
„Die Majolika ist für Karlsruhe ein Alleinstellungsmerkmal“, so die Verwaltung.

Sie produziere zwar in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Dennoch sei sie eindeutig kein klassisches Wirtschaftsunternehmen, sondern eher eine Kulturinstitution mit besonderer Bedeutung für die Kulturlandschaft der Region und darüber hinaus. Hier findet sich, was die Majolika akutell anbietet.