jaeckel
Foto: Privat

Alptraum im Urlaubsparadies

Karlsruher kämpft in Thailand ums Überleben

Plötzlich ist für Matthias Jaeckel alles anders. Als Hotelmanager arbeitet der gebürtige Karlsruher seit über zehn Jahren in Phuket, dem thailändischen Urlaubsparadies. Neben der Arbeit genießt er die Sonne, den Strand und das Surfen. Dann sackt der zweifache Familienvater am 22. November zusammen. Der Grund: Ein Herzstillstand. Jetzt muss es schnell gehen. Kollegen liefern ihn in das nächstgelegene Krankenhaus – das Bangkok Hospital in Phuket – eine Privatklinik. Im Fahrzeug, so schildert es seine Bekannte, Angelika Ilter, tritt Atemstillstand ein. Die Ärzte können in der Notaufnahme nur mit Mühe den gebürtigen Karlsruher am Leben halten. Matthias Jaeckel erleidet eine Hirnschwellung und bleibt mehrere Tage bewusstlos. Maschinen übernehmen seine Atmung.

Thailändische Versicherung übernimmt nur Teil der Kosten

Bislang ist ungewiss, inwieweit sein Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wurde. Derweil steigen die Behandlungskosten immer weiter. Etwa 2 800 Euro verlangt das Bangkok Hospital Phuket pro Tag. Die Rechnung liegt den BNN vor. Die thailändische Krankenversicherung hat nach 9 000 Euro die Zahlung eingestellt. Ilter macht der Chefin einer thailändischen Hotelkette, für die Jaeckel arbeitet, deshalb schwere Vorwürfe: „Sie hat ihn zu den günstigsten Konditionen versichert.“ Immerhin zahle der Arbeitgeber noch vier Wochen Krankengeld. Eine Frau habe Matthias Jaeckel um seine Ersparnisse gebracht. Nach thailändischem Recht könne sie dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Die Privatklinik hat angekündigt, dass sie Matthias Jaeckel an den Maschinen lässt, jedoch bei ausbleibender Zahlung eine zusätzliche Behandlung einstellen würde.

Deutscher Arzt hilft Matthias Jaeckel

In der Zwischenzeit hat Angelika Ilter den deutschen Arzt Gerhard Melcher kontaktiert, der hier auf Phuket lebt und arbeitet. Sein Befund: Matthias Jaeckel kann wegen des Gehirnödems bislang nicht nach Deutschland ausgeflogen werden. Dennoch ein leichter Hoffnungsschimmer: Der Mediziner veranlasst, dass Matthias Jaeckel unter seiner Aufsicht in ein staatliches Krankenhaus verlegt wird. Der tägliche Kostendruck der Privatklinik ist weg. Auch ein Krankentransport sei nach Einschätzung von Gerhard Melcher günstiger als gedacht. Statt 80 000 Euro würde der Flug 40 000 Euro kosten, da eine Intensivstation an Bord nicht nötig sei, mobile Geräte würden ausreichen.  „Sobald er flugtauglich ist, werden wir ihn nach Deutschland bringen“, so Ilter. In seiner Heimat wäre Matthias Jaeckel sofort wieder krankenversichert.

Unterstützung statt Kreuzfahrt

Mit Oliver Horn, einem weiteren Freund, hat Angelika Ilter deshalb über Facebook die Initiative „Hilfe für Matthias“ gestartet, um Spenden zu sammeln (siehe Infobox). Bislang haben die beiden bis zu 6 000 Euro gesammelt.  Eigentlich wäre die Karlsruherin momentan in Südostasien bei einer Kreuzfahrt. Doch als sie von dem medizinischen Notfall ihres Bekannten erfahren hat, ist sie sofort nach Phuket gereist. „Ich lasse ihn nicht allein“, betont Ilter gefasst. Täglich steht sie am Krankenbett. Inzwischen hat Matthias Jaeckel die Augen wieder geöffnet und reagiert auf deutsche Wörter seiner Bekannten. Keine Reaktion zeigt Jaeckel auf die englische und thailändische Sprache der Ärzte und Pfleger.

Angehörige hoffen und bangen in der badischen Heimat

Enttäuscht ist Angelika Ilter vom Auswärtigen Amt. Ein Mitarbeiter teilt ihr mit, dass „die deutsche Botschaft nicht viel für Matthias Jaeckel tun kann und die Krankenhauskosten nicht übernommen werden“. Stattdessen rät der Sachbearbeiter, Geld aus Deutschland schicken zu lassen. Das ist für die Familie von Matthias Jaeckel alles andere als einfach: „Mit der Rente kann ich das gar nicht stemmen“, sagt Isolde Jaeckel aus Karlsruhe. In der badischen Heimat hofft und bangt sie um ihrem Sohn. Nach Thailand kann Isolde Jaeckel nicht fliegen. Sie pflegt ihren Mann. „Das belastet mich jetzt doppelt.“

Die Angehörigen von Matthias Jaeckel haben Spendenmöglichkeiten eingerichtet:
Per Überweisung an Angelika Ilter, Frankfurter Sparkasse, IBAN: DE 4750 0502 0112 4570 5499.
Auch online sammeln die Angehörigen Geld unter www.gofundme.com/help-for-matthias oder über das Paypal-Konto von Oliver Horn: www.paypal.me/olihorn.