Die Filmleute am Set:  Jason Stewart, Lukas Eicher, Dominic Thiel und Nina Eberle (von links) drehen am Waisenhausplatz.
Die Filmleute am Set: Jason Stewart, Lukas Eicher, Dominic Thiel und Nina Eberle (von links) drehen am Waisenhausplatz. | Foto: Wacker

Lichter der Goldstadt

Karlsruher Studenten drehen Filmszenen in Pforzheim

Wir bauen hier ab und drüben wieder auf“, ruft Regisseur Till Gombert seinem Kamerateam zu. Drüben steht schon ein Scheinwerfer bereit. Jetzt kommt die Nahaufnahme der beiden Schauspieler, die für eine Filmszene auf einer Bank bei der Bushaltestelle sitzen. Der Waisenhausplatz vor dem Theater ist an diesem Abend Filmkulisse. Herr Schöpken (alias Frank Albrecht) und sein Arbeitskollege (alias Miguel Abrantes Ostrowski) packen für diese Szene ihr Vesper aus. Schnitt.

Liebeserklärung ans Licht

Herr Schöpken ist die Hauptfigur in einem Film, für den Studierende der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HFG) auch in Pforzheim drehen. Gearbeitet wird vor allem abends, in der künstlich erleuchteten Dunkelheit. Denn das Licht spielt die zweite Hauptrolle in dem Streifen, dessen Titel den Inhalt anklingen lässt: „Herr Schöpken und das Licht der Welt“. Ein Mann, Ende 50, wechselt für eine Werbefirma die Leuchtstoffröhren hinter den Reklametafeln aus. Er hat sich in einem zurückgezogenen Dasein ohne Höhen und Tiefen eingerichtet, bis eines Tages ein flackernder Lichtstrahl auf sein Leben fällt und es verändert.
Für Regisseur Gombert ist der Film eine Liebeserklärung an das Licht: Das Licht als Lebensspender, als eine Grundlage menschlicher Existenz.

Waisenhausplatz wird zur Filmkulisse

„Als ich im Garten meiner Großmutter Laub zusammen gekehrt habe, fiel das Licht so schön durch die Bäume“, schildert der 25-Jährige, wie er den Gedanken fasste, aus dem Spiel mit dem Licht einen Film zu machen. Der Medienkunst-Student arbeitet seit vielen Jahren als selbstständiger Filmschaffender. Mit ihm aus Karlsruhe angereist ist eine rund 30-köpfige Gruppe: Neben Ton- und Lichttechnikern, Kameraleuten, Kostümbildnerin und Regieassistentin, die alle Medienkunst oder Szenografie studieren, sind sieben Schauspieler dabei. Frank Albrecht, der Herrn Schöpken spielt, war zehn Jahre festes Mitglied am Freiburger Theater. „Hier gibt es ja auch ein großes Theater“, wundern sich einige aus der Gruppe.

Herr Schöpken (rechts: Frank Albrecht) und sein Arbeitskollege (Miguel Abrantes Ostrowski) machen eine Vesperpause. Die Bank an der Bushaltestelle ist die Filmkulisse.
Herr Schöpken (rechts: Frank Albrecht) und sein Arbeitskollege (Miguel Abrantes Ostrowski) machen eine Vesperpause. Die Bank an der Bushaltestelle ist die Filmkulisse. | Foto: Wacker

In der Kantine der Pforzheimer Bühne können sich die jungen Leute zwischendurch aufwärmen, denn es ist kalt an diesem Winterabend. Sie haben sich Verpflegung mitgebracht und Thermoskannen mit heißen Getränken. „Wir sind das schon gewöhnt“, meint Nina Eberle, die für die Kostüme zuständig ist. Am Vortag wurde bis 2 Uhr früh in Karlsruhe gedreht. Auch heute wird es länger dauern, eine zweite Szene führt später am Abend zur Kaiser-Friedrich-Straße. „Hier gibt es schöne Motive an Bushaltestellen“, erklärt Regieassistentin Hanna Franke, was Pforzheim als Filmset so attraktiv macht. Ausschlaggebend war die Erlaubnis der Firma Ströer, deren Leucht-Reklametafeln zu benutzen.

Herr Schöpken blickt auf sich selbst

An diesen nämlich arbeitet der introvertierte, kontaktarme Herr Schöpken. Das flackernde Licht verfolgt ihn. Auf dem Heimweg unter den Lampen der Stadt, beobachtet er , wie eine alte Frau im Krankenwagen transportiert wird. Die Szene bewegt ihn, er sieht sein eigenes, einsames Leben plötzlich unter einem neuen Licht. „Im Dunkel der Nacht sind alle zivilisatorischen Begleitumstände absorbiert“, erklärt der Regisseur. Der Mond steht am Himmel. In der Nacht fallen Lichtreflexionen vorbeifahrender Autos auf Herrn Schöpkens Decke. Von dort blickt er auf sich selbst. Nackt, friedlich, verändert. Gombert beschreibt in seinem Film eine innere Reise. Ein Mann wird sich seiner selbst bewusst. Es ist der Weg zu einer Selbstwerdung.
Am Waisenhausplatz sorgen Filmcrew und Lichterkegel für viel Aufsehen. Es sind viele Menschen unterwegs, die ein Konzert im CCP besuchen.

Premiere im Juni

Um eine Sphäre von Dunkelheit zu schaffen und den Gegensatz zwischen natürlichem und künstlichem Licht darzustellen, arbeitet das Team mit verschiedenen Scheinwerfern. Für dokumentarische Nähe sorgt eine Handkamera. Die Dreharbeiten für den 20-minütigen Film begannen Ende November und sollen im Januar abgeschlossen sein. Der Film soll bei nationalen und internationalen Festivals aufgeführt und danach möglicherweise in Karlsruhe auf Häuserfassaden projiziert werden. Premiere soll im Juni sein.
Die jungen Leute investieren viel Herzblut in den Film. Er habe unter anderem einen Bausparvertrag geopfert, sagt Gombert. Das Kulturamt Karlsruhe gibt ein bisschen Geld, und die gesamte technische Ausstattung stellt die HFG.