Günter Frank leitet in Bretten das Melanchthonhaus und die Melanchthonakademie
Günter Frank leitet in Bretten das Melanchthonhaus und die Melanchthonakademie | Foto: privat

Günter Frank in Bretten

Katholischer Melanchthon-Experte

Als im Herbst 1989 mutige Menschen gegen Unterdrückungen im morschen Staate DDR vorgingen, gehörte Günter Frank zum Bürgerkomitee in Erfurt. Der junge Theologe und Philosoph war damals Universitätsassistent und beteiligt beim Sturm der Erfurter Stasi-Zentrale. Nicht viel hätte gefehlt und es hätte Frank in jener Wendezeit ganz in die Politik gespült. Der Thüringer entschied sich jedoch für die Wissenschaft und weitere Studien an renommierten Universitäten. Seine Doktorarbeit über die Philosophie von Philipp Melanchthon schrieb Frank an der päpstlichen Hochschule in Rom.
Er forschte in Chicago, London und Berlin – und hat dennoch seit zehn Jahren in einer kleinen badischen Stadt den beruflichen „Sechser im Lotto“ gefunden. „In Bretten am Melanchthonhaus gibt es viele Gestaltungsmöglichkeiten dank Unterstützung der Stadt, hier sind ganz genau meine wissenschaftlichen Schwerpunkte gefragt und über die Internationale Melanchthon-Akademie haben wir das intellektuelle Profil des Hauses geschärft“. Bei allem Eintauchen in die Welt des in Bretten geborenen reformatorischen Geistesriesen Philipp Melanchthon ist Frank immer geduldig, ja oft begeistert bereit, Forschung und Erkenntnisse zu vermitteln.

Dass er als einer der wenigen Wissenschaftler vom Osten in den Westen gehen konnte, dass ihm, dem Katholiken, die Pflege des evangelischen „Stars“ Melanchthon anvertraut wurde, belegt den besonderen Ruf des 59-Jährigen mit Philosophie-Professur in Karlsruhe. Was er aus den lateinischen Schriften Melanchthons herausarbeitet, sind nicht nur historische Erkenntnisse. „Es stecken Anstöße für uns heute darin. Es geht um Erkenntnisse für weise Entscheidungen. Philosophie wird betrachtet als Weisheitslehre, die in Kirche und Gesellschaft praktisch anzuwenden ist“.

Ein Fan des FC Bayern

Spezialistentum und stille Leidenschaft hat Frank zudem für ein ganz gegenwärtiges Phänomen entwickelt. Fußballbegeisterung samt großem historischen Wissen begleitet ihn „und seit der dritten Klasse bin ich Bayern-Fan, also seit deren Aufstieg in die Bundesliga.“ Über die Mutter im thüringischen Arnstadt fand Frank in der sozialistischen DDR zu Freiraum und anderen Lebensformen in der katholischen Nische. „Ich war beispielsweise Ministrant. Die Verbindung zur Religion ist geblieben, darin steckt auch eine tiefe Dankbarkeit aus jenen Zeiten.“

Das Melanchthonhaus Bretten am Marktplatz ist ein neogotischer Bau aus dem Jahr 1903. Eine Gedächtnishalle erinnert mit Statuen großer evangelischer Männer und Fresken an die Anfänge der christlichen Erneuerungsbewegung. In der Halle hat gerade eine Ausstellung über Bildnisse von Reformatoren begonnen. „Das ist unser Vorab-Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017, das sich dann auf Wittenberg und andere Luther-Orte konzentrieren wird“, erklärt Frank.
Gleich neben dem Museum mit reich verzierter Fassade ist geschickt ein schmaler moderner Bau entstanden. Dort hat der Wissenschaftler sein Büro und gerade das neueste Projekt abgeschlossen: Ein Tausend-Seiten-Handbuch über Melanchthon, Luthers Außenminister aus dem Kraichgau.

Seit 1997 leitet Günter Frank die Gedenkstätte und das Museum für den Reformator Philipp Melanchthon in Bretten. Die Direktion der Internationalen Melanchthon-Akademie kam hinzu. Frank ist auch Professor für Philosophie am KIT. Er stamm aus Arnstadt / Thüringen. In der DDR begann er das Studium der katholischen Theologie, Psychologie und Philosophie. Im Rom erwarb er 1994 den Doktortitel, an der FU Berlin habilitierte er sich. Frank geht gern in (Rock-)Konzerte oder ins Kabarett und lebt mit seiner Frau, die Lehrerin ist, in Karlsruhe.