Saft durch den Stecker: Die Bundesregierung unterstützt den Kauf von Elektroautos durch eine Prämie. Viele Kunden scheint dies noch nicht zu überzeugen.
Saft durch den Stecker: Die Bundesregierung unterstützt den Kauf von Elektroautos durch eine Prämie. Viele Kunden scheint dies noch nicht zu überzeugen. | Foto: Jan Woitas

Verhaltene Resonanz in Achern

Kaufprämie für Elektroautos zeigt wenig Wirkung

Von „leicht spürbar“ bis „nicht existent“ reichen die Antworten, wenn man in umliegenden Autohäusern nach dem Effekt der Prämie für Elektroautos fragt. Seit dem 1. Juli erhält jeder, der ein Elektroauto kauft, einen Zuschuss von 4 000 Euro, für Hybridautos gibt es immerhin noch 3 000. Die eine Hälfte rechnet der Hersteller direkt ab, die andere muss sich der Käufer über einen Antrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zurückholen. Warum die Prämie bislang nicht in dem Maße erfolgreich ist, wie von der Bundesregierung gewünscht, dafür nennen die meisten Autohändler dieselben Gründe: Die Autos sind in der Anschaffung zu teuer und haben eine zu geringe Reichweite.

Abschreckende Kosten

„Ein Elektrofahrzeug kostet den Verbraucher unterm Strich immer noch mehr als ein Benziner“, sagt Petro Frascoia. Er ist Inhaber des gleichnamigen Autohauses in Kappelrodeck, das Fahrzeuge der Marke Mitsubishi vertreibt. „Das Interesse ist leicht gestiegen und wir haben ein paar zusätzliche Käufe.“ Dennoch seien die Differenzen zum klassischen Auto noch zu groß. Der Mitsubishi i-MiEV, eine Elektro-Kleinstwagen mit 67 PS, kostet immer noch rund 24 000 Euro. Da reiche ein Zuschuss von 4 000 Euro einfach nicht aus, so Frascoia. „Die Prämie müsste verdoppelt werden. Dann könnte ich sagen: Das rechnet sich für dich“, meint er. „In anderen Ländern wurde das besser gelöst.“
Auch die geringe Reichweite von 150 Kilometern stößt vielen potenziellen Käufern sauer auf. „Aber da muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Petro Frascoia. „Die wenigsten Leute fahren am Tag mehr als 80 Kilometer.“ Dreimal so hoch sei die Aufklärungsarbeit, die er bei der Beratung für ein Elektroauto aufwenden müsse, sagt der Händler. „Aber die Leute, die am Ende eines kaufen, sind sehr zufrieden damit.“

Kontroverse Meinungen über Prämie

Eine ernüchternde Bilanz zieht derweil Harald Friedmann in Sachen Elektroauto-Prämie. Er ist Verkaufsberater beim Autohaus Rest. Bislang habe es noch keine konkrete Anfrage für den Ford Focus Electric gegeben. „Wir haben zwar ein paar Angebote gemacht, aber dabei kam nichts raus“, erläutert er. Auch Tobias Pflug vom Autohaus Roth (Peugeot und Subaru) ist der Ansicht, dass die Prämie sich nicht bemerkbar macht. „Wir hatten zwei Anfragen, aber noch keine Verkäufe“, sagt er. „Die Schwachstellen der Elektroautos sind die geringe Reichweite und der hohe Preis.“ Der Peugeot iOn ist ein Schwestermodell des Mitsubishi i-MiEV und damit baugleich. Dass das Thema Elektroautos in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnt, das kann sich Tobias Pflug aber schon vorstellen.
Dieser Meinung ist auch Florian Tabor vom Autohaus Tabor (Renault). „Alle großen Hersteller setzen mittlerweile auf Elektroautos“, betont er. Deutlich positiver sieht er die Auswirkungen der ausgelobten Prämie. „Sie hat auf jeden Fall einen Effekt, es läuft sehr ordentlich.“ Von 20 Prozent Zuwachs seit Anfang Juli spricht er. „Den Hype wie bei der Abwrackprämie gibt es aber nicht.“ Insgesamt sei die Zahl der verkauften Elektroautos noch eher gering. Florian Tabor weist ebenfalls darauf hin, dass viele die geringe Reichweite der Fahrzeuge kritisieren. „Das ist allerdings eine psychische Barriere. Die Leute müssten mal Buch darüber führen, welche Strecken sie am Tag überhaupt zurücklegen.“

Franzose hoch im Kurs

Der „Verkaufsschlager“ bei den Elektroautos ist für Renault der ZOE. Er ist auch das meistverkaufte Elektroauto in Europa. Das Fahrzeug ist mit einer Reichweite von 240 Kilometern angegeben und kostet „nur“ 21 500 Euro. Dafür wird die Batterie gemietet, hierfür fallen monatlich mindestens 49 Euro an.
Mit ahg gibt es in Achern auch einen BMW-Händler. Wer allerdings einen elektrischen BMW i 3 kaufen will, muss sich zur Niederlassung nach Villingen-Schwenningen begeben. Dort macht sich die Elektro-Prämie schon bemerkbar, wie Verkäufer Karsten Stark berichtet. „Wir haben in zwei Monaten so viel wie sonst in einem halben Jahr verkauft.“ Das könne allerdings auch damit zusammenhängen, dass der i 3 mit einem neuen Akku erhältlich ist. Dieser soll eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern haben. Dass die verkauften Elektroautos in Villingen-Schwenningen trotzdem nicht mal ein Prozent am großen Kuchen ausmachen, dafür hat Karsten Stark eine Erklärung: „Die Infrastruktur ist unter aller Sau“, sagt er. „Es gibt einfach zu wenig Ladestationen.“

Reichweite und Ladezeit mit Luft nach oben

Kritikpunkte und zugleich Verbesserungsvorschläge hat auch Jochen Rapp, Verkaufsleiter bei „S&G Automobil AG“. „Die Reichweite muss nach oben geschraubt, die Ladezeit verringert werden.“ Die Nachfrage infolge der Prämie halte sich in Grenzen. „Elektromobilität ist am Markt noch nicht so angekommen.“ Viele Leute seien einfach nicht bereit, für ein umweltfreundliches Fahrzeug tiefer in die Tasche zu greifen. „Ottomotoren sind immer noch günstiger“, betont Jochen Rapp. Die große Zeit der Elektroautos sieht er fürs erste noch nicht gekommen. „Zunächst wird die Hybridsumstellung kommen, es wird immer mehr Zwitterfahrzeuge geben.“