Marshall  & Alexander geben im August drei Konzerte in Ötigheim.
Marshall & Alexander geben im August drei Konzerte in Ötigheim. | Foto: Kraft (Archiv)

Interview mit Marc Marshall

Keine Auflösungserscheinungen bei „M & A“

Drei Konzerte an drei aufeinanderfolgenden Tagen, das ist eine Herausforderung. Das Duo Marshall & Alexander nimmt sie nach der Aufstockung von zwei auf drei Konzerten im vergangenen Jahr auch in diesem Sommer an und gastiert vom 23. bis 25 August auf der Bühne der Volksschauspiele in Ötigheim. Mit dem Bariton Marc Marshall, der mit seinem Gesangspartner Jay Alexander schon gemeinsam an der Musikhochschule in Karlsruhe studierte, sprach BNN-Redakteur Bernd Kamleitner.
BNN: Sie tragen Bart – das ist neu, oder?
Marshall. Ich hatte noch nie im Leben einen Bart. An Weihnachten habe ich ihn mal ein paar Tage stehen lassen, aber wieder abrasiert. Im Mai dachte ich dann, ich habe jetzt eine längere Strecke, wo ich medial nicht so unterwegs bin. So kam ein Tag zum anderen und plötzlich war er da. Jetzt lasse ich ihn so lange, bis ich keine Lust mehr habe.
BNN: Im August gibt es ein dreifaches Heimspiel in Ötigheim. Schon seit 16 Jahren gastieren M & A Jahr für Jahr auf der Bühne der Volksschauspiele. Erinnern Sie sich noch an den Anfang?
Marshall: Im Jahr 2000 wurde ich von den Volksschauspielen für die damals erste große Opernproduktion angefragt. Jay und ich sollten als Tamino und Papageno in der „Zauberflöte“ auftreten. Das ganz ohne anständige Gage zu machen, das war damals nicht darstellbar. Dann kann mir die Idee: Gebt uns doch einen Tag für ein Konzert von Marshall & Alexander. Die Entscheidung zögerte sich dann bis in den Januar 2001 hinaus. Das war deswegen ein Problem, weil in Ötigheim der große Programmversand jeweils schon im November läuft. Wir kamen also nicht in den Genuss dieser Werbung. Wir haben trotzdem zugesagt und hatten das Ziel 1 500 Besucher. Tatsächlich waren wir ausverkauft. So ging es Jahr für Jahr weiter. Es ist eine normale Zusammenarbeit geworden.
BNN: Und ihr Wohnzimmer, wie Sie immer sagen …
Marshall: Das ist tatsächlich so. Wir haben eine sehr enge Verbindung zu Ötigheim und den Volksschauspielen. Wir kommen sehr gerne dorthin und können immer wieder neue Dinge ausprobieren. Das Thema Liebeslieder, das wir dieses Jahr ausgesucht haben, ist ein klassisches Marshall & Alexander-Thema.

Beim Partymedley wird es rockiger

BNN: Was steht auf dem Programm?
Marshall: Viele Lieder aus unserem eigenen Repertoire, die wir schon lange nicht mehr live gebracht haben. Manche schon 15 Jahre nicht mehr. Es gibt auch Premieren: Zum Beispiel einen Song den ich geschrieben habe. Dann haben wir deutschsprachige Liebeslieder etwa aus Österreich und viele Medleys, weil wir gar nicht alle Lieder und Facetten der Liebeslieder aufnehmen konnten, die wir bringen wollten. Beim Party-Medley wird es etwas rockiger zugehen bis hin zu „Sex Bomb“ von Tom Jones oder „You’re The One That I Want“ aus dem Musical „Grease“. Es gibt auch ein Schlager-Medley, das die ganz heile Liebeslieder-Welt abbildet. Und wir haben ein Chicago-Medley im Programm, eine meiner Lieblingsbands aus den 70 und 80er Jahren.
BNN: Drei Konzertabende mit insgesamt an die 10 000 Besucher – was ist das für ein Gefühl?
Marshall: Das ist ein Riesengeschenk. Wir nehmen das nicht für selbstverständlich. Ich denke, dass immer die letzten Abende die Grundlage für das nächste Jahr sind. Offensichtlich haben wir es die vergangenen Jahre geschafft, dass die Besucher zufrieden nach Hause gegangen sind.
BNN: Aber insgesamt, so der Eindruck, ist es um Marshall & Alexander ruhiger geworden. Teile Sie diese Einschätzung?
Marshall: Wir haben die mediale Präsenz in den vergangenen Jahren stark reduziert. Unsere letzte Platte ist 2011 erschienen. Dadurch entsteht Freiraum und eine Entwicklungschance für jeden einzelnen im Duo. Für mich ist das elementar. Ich mache auch immer wieder gerne neue Dinge. Solange ich merke, dass ich mich stimmlich, künstlerisch und mit meinem Talent und als Mensch weiterentwickeln, bin ich für mich auf dem richtigen Weg. Das ist eine sehr spannende Zeit, die mir sehr gut tut. Für mich ist es aber auch schön, dass es Marshall & Alexander gibt und auch weiterhin geben wird.
BNN: Also keine Auflösungserscheinungen?

Wir wollen den Moment genießen und das ist gut

Marshall: Nein. Wir haben beide Interesse, dass das Duo erhalten bleibt. Es gibt auch schon zwei Termine für Ötigheim im nächsten Jahr. Eine neue Platte ist nicht geplant. Wir sind aber mit einem Best-of-Programm auf Tour. Unsere Agenda, um eine Basis für das Duo zu haben, die haben wir, so glaube ich, sehr gut abgearbeitet. Jetzt gilt es, live neue Akzente zu setzen. In Zeiten wie diesen bin ich aber kein Freund, zu weit Pläne in die Zukunft zu machen. Wir wollen den Moment genießen und das ist gut.
BNN: Wie geht es für Sie weiter?
Marshall: Ich werde wieder Fernsehen machen, mehr kann ich aber im Moment noch nicht verraten. Im nächsten Jahr habe ich zudem zehn Jahre Mr. M’s Jazzclub in Baden-Baden. Der All-Star-Abend, den wir dort immer samstags machen, geht mittlerweile schon auf Tour. Gerade hatte ich auch ein Konzert mit Pe Werner und der SAP-Big-Band und ich habe mein erstes Weihnachtsprogramm. Am Sonntag bin ich in Rust bei der ARD-Sendung „Immer wieder sonntags“. Solche Dinge sind etwas Wunderbares. Ich genieße das.
BNN: Ihr Vater Tony will mit 80 Jahren aufhören. Was löst das in Ihnen aus?
Marshall: Wer ihn singend erlebt, glaubt es nicht, mit welcher Vitalität und stimmlicher Potenz er nach wie vor agiert. Natürlich ist das Alter nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Solange er singt, ist er aber ein Jungbrunnen. Ich bewundere ihn für seine Naivität im positiven Sinne, immer so zu reden, als ob es jetzt erst losginge. Ich würde vielen jüngeren Künstlern wünschen, dass sie sich mit dieser Art Karriere beschäftigen. Das sind noch echte Karrieren, nicht im Sinne von groß, sondern da stimmt die Motivation. Er ist eine lebende Legende mit einem unglaublichen Kult-Status. Ich wünsche mir, dass er so lange singt wie es für ihn gut ist. Ich bin mir sicher: Wenn er mit 80 noch kriechen kann, wird er auch noch singen, bis er 81 ist (lacht).

Karten:

Karten gibt es unter Telefon (0 72 22) 96 87 90 und im Internet unter www.volksschauspiele.de