Am KIT stehen die Zeichen auf Sturm: Zwischen Präsidium und Personalrat gibt es Streit wegen der geplanten Umstrukturierung der Dienstleistungseinheiten.
Am KIT stehen die Zeichen auf Sturm: Zwischen Präsidium und Personalrat gibt es Streit wegen der geplanten Umstrukturierung der Dienstleistungseinheiten. | Foto: Deck

Protest gegen Strukturreform

KIT-Mitarbeiter stürmen Sitzung

Im internationalen Vergleich gehört das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) laut einem aktuellen Ranking zu den 100 weltweit besten Universitäten – intern läuft es aber scheinbar alles andere als exzellent. Der Personalrat hat jetzt wohl rechtliche Schritte unternommen.
Mitte September stürmten KIT-Mitarbeiter und Mitglieder des Personalrats sogar eine laufende Präsidiumssitzung und protestierten gegen die ihrer Meinung nach unzureichende Informationspolitik. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung des Personalrats hervor, die den BNN vorliegt. Hintergrund ist die Entscheidung des Präsidiums, Dienstleistungseinheiten zu bündeln. Dabei handelt es sich um zentrale Einrichtungen, auf die KIT-Mitarbeiter zugreifen können, wie etwa Wäscherei und Druckerei. Ziel von KIT-Präsident Holger Hanselka ist es, eine handlungsfähige Organisationsstruktur zu etablieren, heißt es am KIT.

KIT-Führung: Personalrat wurde frühzeitig informiert

Anfang Juli und Ende August soll Hanselka zwei Personalratsmitglieder über dieses Vorhaben informiert haben. Allerdings sei noch nichts Genaues geplant. „Es gibt bislang keine Beschlüsse zur konkreten Struktur und keine Umsetzung in irgendeiner Form“, sagte Monika Landgraf, Pressesprecherin des KIT. Der Personalrat sei zum frühestmöglichen Zeitpunkt informiert worden. Das sehen die Arbeitnehmervertretung und einige Mitarbeiter anders. Es würden schon Folien mit der neuen Struktur gezeigt und erste Gespräche zwischen Leitern fusionierender Bereiche geführt. Zu den konkreten Beschlüssen gehöre auch, dass 2018 die zentrale Druckerei geschlossen werden soll. Ein KIT-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, sagte den BNN, zwar gebe es die Möglichkeit, im Rechenzentrum zu drucken. Dort würden allerdings auch Studierende arbeiten. „Drucken Sie da mal eine Klausur aus. Da kann ich sie gleich bei Facebook reinstellen.“ Anders als in der Druckerei könnten dann nämlich nicht mehr nur Angestellte des KIT die vertraulichen Informationen für die Prüfungen einsehen. Pressesprecherin Landgraf sagte hingegen, auch hier seien noch keine Beschlüsse gefasst worden.

Ausgedruckt: KIT-Mitarbeiter fürchten, dass 2018 die zentrale Druckerei der Universität geschlossen wird.
Ausgedruckt: KIT-Mitarbeiter fürchten, dass 2018 die zentrale Druckerei der Universität geschlossen wird. | Foto: dpa

Personalrat reicht Klage ein

Während der Demonstration bei der Präsidiumssitzung Mitte September hatten Personalratsmitglieder sich Namensschilder umgehängt. Darauf standen die Kürzel von den Dienstleistungseinheiten, die ihrer Ansicht nach umstrukturiert werden sollen. Denn laut Personalrat wirkt sich die aktuelle Situation gravierend auf die Arbeit aus. „Für Beschäftigte bleibt über Wochen und Monate unklar, was mit ihnen geschieht. Dies führt zu Demotivation, die Betroffenen identifizieren sich immer weniger mit dem KIT“, heißt es in der vorliegenden Mitteilung. Wohl auch deswegen hat der Personalrat, deren Mitglieder gestern für eine persönliche Stellungnahme nicht zu erreichen waren, Klage eingereicht. Wogegen genau, ist nicht bekannt. Die KIT-Führung wollte sich dazu nicht äußern. Es handele sich um eine „interne Angelegenheit“.

Pulverfass, welches kurz vor dem Explodieren steht

Der Unmut unter den Mitarbeitern und im Personalrat zeigt, dass auch sieben Jahre nachdem sich die Universität und das Forschungszentrum zum KIT zusammengeschlossen haben, immer noch nicht alles rund läuft. „Reibung“ hatte es KIT-Präsident Hanselka im Juli in dieser Zeitung genannt. Dem Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, fallen da deutlichere Worte ein: „Intern ist das KIT ein Pulverfass, welches kurz vor dem Explodieren steht. Das Präsidium agiert seit Jahren mit einer Autokratie, die seinesgleichen sucht – Kontrollorgane wie der Personalrat werden systematisch übergangen.“