Autos, bei denen kein Fahrer mehr am Steuer sitzt, sind keine Zukunftsvision mehr.
Autos, bei denen kein Fahrer mehr am Steuer sitzt, sind keine Zukunftsvision mehr. | Foto: dpa

Testfeld Autonomes Fahren

KIT und FZI präsentieren Modellprojekte

Wie von Geisterhand dreht sich das Lenkrad, als sich der Smart in der Fleischmarkthalle auf dem „Alten Schlachthof“-Gelände in Karlsruhe in Bewegung setzt. Zwar sitzt der Diplom-Informatiker Sebastian Klemm noch auf dem Fahrersitz des Wagens, die Hände hat er aber vom Lenkrad genommen, als das Auto den ihm vorgegebenen Platz einnimmt, ein paar Meter von seiner Ausgangsposition entfernt.
Was Klemm damit demonstriert, ist eines der zahlreichen Forschungsprojekte des Karlsruher Forschungszentrums Informatik (FZI) zum „Autonomen Fahren“, wofür die Region Testfeld werden will. Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) suchen die Wissenschaftler nach Wegen, wie Fahrzeuge in Zukunft intelligenter und Mobilität damit noch sicherer werden kann. Im Rahmen der „Effekte“-Reihe, bei der Wissenschaftler zu verschiedenen Themen ihre Forschungsergebnisse einem breiten Publikum präsentieren, bietet sich den Zuschauern an diesem Abend ein ganzes Arsenal an technischem und geistigem Know-how – veranschaulicht an einem Gegenstand, der unseren Alltag und unsere Fortbewegung prägt, wie kaum ein anderer: dem Auto.

Wie können wir uns den zukünftigen Stadtverkehr vorstellen?

Im Miniaturformat rasen Modellautos über eine Straße – und kommen von selbst vor Stopp-Schildern zum Stehen. Was im Kleinen schon gut funktioniert, soll in Zukunft auch im Großen klappen. So lautet der Titel der Veranstaltung passenderweise „Zukünftiger Stadtverkehr – Autonome Fahrzeuge auf Karlsruher Straßen?“ Auch für das Stadtmarketing, den Veranstalter des Wissenschaftsfestivals „Effekte“, ist diese Fragestellung von besonderer Bedeutung. „Es ist sehr interessant, wie sich unsere Innenstädte durch autonomes Fahren verändern können“, sagt Norbert Käthler, Geschäftsführer vom Stadtmarketing Karlsruhe. Wohin die Reise in Zukunft gehen könnte, veranschaulichen die weiteren Stationen, an denen FZI und KIT ihre Modellprojekte präsentieren.
Autonom fahrende Autos über eine App rufen und sich damit abholen lassen? Sich vor dem Parkhaus absetzen lassen, wo sich das Auto selbst einen Parkplatz und bei Bedarf einen Platz zum Aufladen des Akkus sucht? All das sind Projekte, an denen die Karlsruher Forscher arbeiten. Mit dem „CoCar“, das über eine Menge Sensoren und Kameras an Bord verfügt, ist testweise bereits ein Fahrzeug durch die Stadt unterwegs, das zu teilautonomem Fahren in der Lage ist. Aus Sicherheitsgründen selbstverständlich noch mit einem Sicherheitsfahrer, der im Zweifelsfall eingreifen kann.

Fleischmarkthalle wird zum Testfeld für autonomes Fahren

Doch wann kann aus der Utopie auch serienmäßig Realität werden? „Das komplett autonome Fahrzeug ist eine Zukunftsvision“, sagt FZI-Pressesprecherin Johanna Häs. „Was wir hier zeigen, sind kleine Bausteine auf dem Weg dorthin.“ Bereits heute bieten teilautonome Systeme wie die Einparkhilfe dem Fahrer Unterstützung und Komfort.
Während es an diesem Abend „nur“ die Fleischmarkthalle ist, die zum Testfeld für autonomes Fahren wird, warten die Forschungseinrichtungen gespannt auf die Entscheidung des Ministeriums, ob die Region bald in großem Stil zum Testfeld werden kann. Dass die notwendige Expertise in Karlsruhe vorhanden ist, dürfte zumindest keinem der Veranstaltungsbesucher entgangen sein.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) will voraussichtlich bis Ende dieser Woche eine Entscheidung zur Testregion für autonomes Fahren treffen. Um sich ein eigenes Bild von den drei Bewerbern zu machen, hat Hermann die Vertreter des Großraumes Karlsruhe und Stuttgart sowie Ulm gestern zu einem Gespräch eingeladen. Vor knapp zwei Wochen hatte sich eine Jury einstimmig für Karlsruhe als Pionierregion für autonomes Fahren entschieden. Hermann wolle die Konkurrenten noch mal ausführlich hören, sagte eine Sprecherin. Der Minister nehme die Empfehlung der Jury jedoch sehr ernst.