Die Mähdrescher fahren bereits: Im Raum Achern beginnt die Getreideernte, doch das nasse Frühjahr fordert seinen Tribut, der Pilzdruck ist massiv gewachsen.
Die Mähdrescher fahren bereits: Im Raum Achern beginnt die Getreideernte, doch das nasse Frühjahr fordert seinen Tribut, der Pilzdruck ist massiv gewachsen. | Foto: Michael Karle

Das nasse Frühjahr und der bescheidene Sommer haben dem Futtergetreide zugesetzt

Körner waren 2015 fast doppelt so groß

Von Michael Karle

Die Getreideernte 2016 hat parallel zur Heu- Kirschen- und Zwetschgenernte begonnen; die ersten Mähdreschereinsätze kündigen wenig attraktive Ergebnisse an. „Heute Morgen habe ich Gerste aus dem Vorjahr geschrotet. Die Körner waren im letzten Jahr fast doppelt so stark“, verdeutlicht Landwirt Carl Philipp Baumert aus dem Maiwald. Quantität wie Qualität des bis jetzt eingefahrenen Futtergetreides lassen für ihn nichts Gutes erwarten. „Da müssen wir halt durch und wohl auch Futtergerste dazu kaufen.“ Rudolf Schindler, Lohnunternehmer mit Mähdrescher, Landwirt aus Fautenbach und Mitglied des Kreisvorstands des BLHV, hat seine ersten Eindrücke zur Getreideernte 2016 aus seiner besonderen Perspektive gewonnen. „Die Folgen des von Anfang an nassen Jahres zeigen sich jetzt. Die Nässe hat riesigen Pilzdruck gebracht. Behandlungen waren aufgrund der witterungsbedingten Bodengegebenheiten nur schwer möglich.“

Niederschläge in der Blützeit

Volker Heitz, Pflanzenbauberater des Landwirtschaftsamts, weiß, dass von der Wintergerste zumindest im südlichen Kreisgebiet schon einiges gedroschen wurde. „Die Erträge liegen durchweg nicht so hoch wie im vergangenen Jahr. Die Besichtigung des zentralen Versuchsfelds des Kreises in Orschweier durch den BLHV-Fachausschuss brachte in der vergangenen Woche dieselben Ergebnisse.“ Der auch zum Drusch anstehende Winterweizen werde aufgrund des zurückliegenden „Nässe-Stresses“ ebenfalls mindere Erträge und schlechte Qualitäten bringen. „Die Nässe kam von oben und von unten. Besonders die Niederschläge zur Blütezeit waren sehr ungünstig.“ Noch offen, so Heitz, seien die Erwartungen beim Mais. „Mal sehen, wie die weitere Witterung verläuft.“

Probleme bei Herbizidbehandlung

Auch wenn die Pflanzen in vielen Bereichen mittlerweile zumindest die normale Höhe erreicht hätten, seien viele Bestände in den Feldern doch sehr ungleich entwickelt. Im Schnitt, ist sich Volker Heitz mit Rudolf Schindler einig, hat der Mais einen Rückstand von zwei Wochen. „Normalerweise blühen Anfang Juli wenigstens die früh gesäten Maisflächen. Davon sehen wir momentan noch nichts“, betont Schindler, der auch zurückdenkt, dass hier die Ergebnisse 2015 schon sehr schlecht waren. „Finderlohn statt Maisgeld“ hatte im trocken-heißen Sommer 2015 die Devise geheißen. So schlimm werde es dieses Jahr wohl nicht kommen. Die unterschiedliche Optik der Maisäcker hänge auch mit dem nahezu unmöglichen Befahren der Äcker in den „nassen Zeiten“ zusammen. „Herbizidbehandlung war dringend notwendig, jedoch praktisch zumindest teilweise unmöglich.“

Meerrettich steht ordentlich da

Der Blick auf den benachbarten Meerrettichacker verheißt zumindest einigen der hiesigen Landwirte eine kleine Perspektive. „Insgesamt steht der noch ordentlich da, auch wenn man ihm den erlebten Stress ansieht, der etwa in Folge der Nässe und die danach nahezu betonartig abschließende Oberschicht des Ackerbodens entstanden ist.“ Gleichwohl habe die scharfe „Nationalkultur“ Fautenbachs auch im vergangenen trocken-heißen Jahr einen hervorragenden Endspurt hingelegt. „Einmal im Jahr sollte der Meerrettich schön sein – am besten bei der Ernte im Spätjahr“, schmunzelt Rudolf Schindler mit einer Erkenntnis, die er einst schon von seinem Großvater gehört hat.