Engpass Rheinbrücke: Die Planungen für eine weitere Rheinquerung laufen. Diese soll nach dem Wunsch vieler regionaler Politiker mit der B 36 verbunden werden.
Engpass Rheinbrücke: Die Planungen für eine weitere Rheinquerung laufen. Diese soll nach dem Wunsch vieler regionaler Politiker mit der B 36 verbunden werden. | Foto: Fabry

B 36-Anschluss kommt separat

Kommt die zweite Rheinbrücke Karlsruhe?

Beim regionalen Dauerbrenner „Zweite Rheinbrücke Karlsruhe“ gibt es Bewegung. Das vor wenigen Tagen erschienene BNN-Interview mit dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wurde auch in der Südpfalz aufmerksam registriert. Hermann hat zwei wichtige Dinge benannt. Zum einen haben die rheinland-pfälzischen Behörden geprüft, ob die in der Stadt Karlsruhe diskutierte „Ersatzbrücke“ machbar ist. Die Überlegung, an Stelle der bisherigen Brücke eine in zwei selbstständige Teile gegliederte breitere Flussquerung zu bauen, wird demnach als technisch schwierig und wirtschaftlich nicht darstellbar beschrieben. Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass der auf badischer Seite geforderte Anschluss einer neuen Brücke an die B 36 in einem eigenen Planfeststellungsverfahren vorangebracht werden kann.

Wir brauchen die zweite Brücke

Der seit wenigen Wochen amtierende neue Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) – „Wir brauchen die zweite Brücke mit der Verbindung zur B 36“ – macht deutlich, dass auf pfälzischer Seite niemand allzu große Erwartungen in die „Ersatzbrücke“ gesetzt habe. Im Gegenteil: Der Bürgermeister sagt, dass das Thema „ordentlich geprüft“ wurde und die Behörden zum Ergebnis „kaum machbar“ gekommen seien. Für den Wörther Rathauschef ist die zweite Brücke eine dringende Notwendigkeit, weil auf der vorhandenen Rheinquerung der Verkehr nach Karlsruhe nicht abfließe und der Rückstau nicht nur die überörtlichen Straßen (B 10, B 9, L 540) betreffe, sondern bis weit hinein nach Wörth und Maximiliansau reiche. Mit dem Anschluss an die B 36 – „da sind sich wohl alle einig, dass die zweite Rheinbrücke nur dann Sinn macht“ – könne dieses zentrale Problem der südpfälzischen Stadt gelöst werden.

Den Startschuss muss der Bund geben

Auch der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel – zugleich Vorsitzender des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein – kann aus den ministeriellen Äußerungen Positives herauslesen. Demnach sei das „Deckblattverfahren“, das das Planfeststellungsverfahren eventuell um den Anschluss zur B 36 erweitern sollte, wohl hinfällig. „Insoweit stehen wir zwar wieder am Anfang“, meint Schnaudigel, aber jetzt könne das Verfahren zum Abschluss gebracht und das neue parallel begonnen werden. „Den Startschuss dafür muss der Bund geben“, so der Landrat. Der Direktor des Regionalverbandes, Gerd Hager, betont: „Entlastet vom Streit um die Nordtangente besteht die Chance, ein zentrales Infrastrukturvorhaben für die gesamte Region zu realisieren.“ Auch aus Sicht des Landkreises kommt dem Gesamtvorhaben „regionale und überregionale Bedeutung“ zu.

„Freihaltetrasse“ Richtung Neureut

Für die Fortführung einer zweiten Rheinbrücke in Richtung B 36, wie sie auch für den Bundesverkehrswegeplan im „vordringlichen Bedarf“ vorgesehen ist, gibt es noch keine konkreten Skizzen. Eine Freihaltetrasse im Flächennutzungsplan des Nachbarschaftsverbandes Karlsruhe zeigt aber einen groben Korridor für einen denkbaren Verlauf. Dieser führt aus dem Raffineriegebiet heraus in Richtung Klärwerk Neureut. Nördlich der Kreuzung mit der Sudetenstraße könnte die Anbindung an die Neureuter Straße/B 36 erfolgen. Diese Freihaltetrasse hat laut Nachbarschaftsverband den Charakter einer „nachrichtlichen Darstellung“

Der Planungsstand für eine zweite Rheinbrücke mit Anbindung an die B 36.
Der Planungsstand für eine zweite Rheinbrücke mit Anbindung an die B 36. | Foto: BNN-Infografik

Der Bau einer zweiten Brücke für den Pkw-Verkehr wird vom Gemeinderat der Stadt Karlsruhe mit Mehrheit abgelehnt. In der Region Karlsruhe und der Südpfalz findet das Projekt sehr weit reichende Zustimmung. In einer aktuellen Beschreibung auf der Homepage des Regierungspräsidiums Karlsruhe wird die Erfordernis der zweiten Brücke „zur Beseitigung der Verkehrszuwächse auf der bestehenden Rheinbrücke und zur Entflechtung der Verkehre insbesondere in Rheinland-Pfalz (B 10/B 9)“ beschrieben.

Entflechtung des Verkehrs in der Südpfalz

Nach den derzeitigen im links- und rechtsrheinischen Verfahren befindlichen Plänen soll eine zweite Straßenbrücke nördlich der vorhandenen in der Pfalz mit einer Zufahrt, die südlich des Landeshafens Wörth verläuft, mit der Bundesstraße 9 verbunden werden. Auf der Karlsruher Rheinseite wird in der Planung am Ölkreuz eine Verbindung mit der Südtangente hergestellt. Dieser bestehende Planungsauftrag wurde seit längerem als unzureichend empfunden, da die Entflechtung aller Verkehre nur dann Sinn mache, wenn die Fahrzeuge nicht nur auf die ohnehin überlastete Südtangente geleitet werden, sondern auch ein Abfluss im Norden des Karlsruher Stadtgebietes möglich ist. Den sehen die Befürworter des Projekts im Anschluss an die B 36. Diesbezüglich geht es jetzt wohl um ein eigenständiges Planfeststellungsverfahren.
Der Bau einer zweiten Brücke wird vielfach auch deshalb für erforderlich gehalten, weil Tausende Arbeitsplätze auf beiden Rheinseiten – insbesondere im Raum Karlsruhe – von einer Sperrung der vorhandenen Brücke betroffen wären. Ausweichbrücken wären im Norden die B 35 bei Germersheim und im Süden die B 500 auf der Staufstufe Iffezheim. Hinzu kommt, dass auf pfälzischer Seite absehbar die Sanierung der Vorlandbrücke und des „Wörther Troges“ anstehen. Der „Trog“ kann laut Bürgermeister Nitsche wohl nur unter Vollsperrung der Trasse erneuert werden. Auch deshalb sei die neue Brücke eine Notwendigkeit. Eine Sanierung unter Verkehr wäre nur mit erheblichen Kapazitätseinschränkungen für den Verkehr denkbar. Die werden sich übrigens schon 2018 zeigen, wenn die vorhandene Brücke über Monate hinweg saniert wird.

Zusammenfassung: Links und rechts des Rheins laufen die Planfeststellungsverfahren für eine zweite Rheinbrücke. Weithin gefordert wird ein Anschluss an die B 36, wenn die neue Brücke eine vernünftige Entlastungswirkung haben soll. Nach Angaben aus Stuttgart hat das Bundesverkehrsministerium signalisiert, dass für den Anschluss ein eigenes Verfahren denkbar ist. Das und der Umstand, dass eine in Karlsruhe bevorzugte „Ersatzbrücke“ wohl nicht machbar ist, lassen den Bau der zweiten Rheinquerung wahrscheinlicher werden.