Diesmal treffen sie mit ihren Waffen: Den imperialen Sturmtruppen fallen in "Rogue One" mehr Rebellen zum Opfer als bei "Star Wars" bisher üblich.
Diesmal treffen sie mit ihren Waffen: Den imperialen Sturmtruppen fallen in "Rogue One" mehr Rebellen zum Opfer als bei "Star Wars" bisher üblich. | Foto: Lucasfilm/Disney/dpa

"Star Wars" wird erwachsen

Die Sternenkrieger machen ernst

Wer zu Filmerfolgen die Vorgeschichte erzählt, begibt sich auf dünnes Eis – er riskiert, ein fantasieanregendes Mysterium zu vernichten. Jahrzehntelang rätselten Millionen Fans: Wie mag aus dem guten Anakin Skywalker nur der böse Darth Vader geworden sein? Als „Star Wars“-Erfinder George Lucas dann von 1999 bis 2005 in drei effektüberladenen und wenig spannenden Filmen die Antwort gab, fiel sie ernüchternd banal aus. Mehr Erfolg verspricht die Antwort kleinerer, konkreter Fragen: Wie Prinzessin Leia zu den Todesstern-Plänen kam, die ihr eben dieser Darth Vader im „Star Wars“-Auftakt „Eine neue Hoffnung“ abzujagen versucht – das könnte durchaus ein spannendes Abenteuer ergeben. Und das ist der Film „Rogue One – A Star Wars Story“ auch geworden.

Nebenerzählung aus dem gleichen Kosmos

Der Titel deutet es an: „Rogue One“ ist kein direkter Bestandteil der „Star Wars“-Saga um die Familie Skywalker, sondern eine Erzählung aus dem gleichen Kosmos, der ohnehin durch zahlreiche Romane, Comic-Hefte, TV-Serien und Computerspiele schon seit Jahrzehnten munter vor sich hinwuchert. Diese erzählerische Expansion dient dem Geschäftsinteresse des Disney-Konzerns: Der will für die angeblich vier Milliarden Dollar hohe Kaufsumme, die er für die Rechte an „Star Wars“ an George Lucas bezahlt hat, möglichst schnell eine üppige Rendite erwirtschaften – weshalb nicht nur die Original-Saga im Zwei-Jahres-Takt fortgesetzt wird, sondern immer im „Pausenjahr“ flankierende Filme wie „Rogue One“ den Markt abgrasen sollen.

Neue Hauptfigur: Felicity Jones als widerborstige Jyn Erso.
Neue Hauptfigur: Felicity Jones als widerborstige Jyn Erso. | Foto: Lucasfilm/Disney/dpa

Damit dies möglichst lange ohne Erschöpfung des Publikums funktioniert, wird in „Rogue One“ der Blick aufs Altbekannte neu justiert: Die fremden Welten und die bizarren, aber wie selbstverständlich auftretenden Kreaturen in diesem Film (Regie: Gareth Edwards, Drehbuch: Chris Weitz und Tony Gilroy) erinnern an die Originalserie. Doch der märchenhafte Tonfall der Erzählung vom naiven Jüngling Luke Skywalker, der zum edlen Ritter wird und so das Böse besiegt, ist hier verschwunden. „Rogue One“ erweist sich als grimmige, brutale und definitiv nicht mehr kindertaugliche Erzählung vom Krieg und seinen Folgen auf die Betroffenen.

Die dunkle Bedrohung durch das Imperium kommt in "Rogue One" in brutaleren Bildern daher als in den bisherigen Filmen.
Die dunkle Bedrohung durch das Imperium kommt in „Rogue One“ in brutaleren Bildern daher als in den bisherigen Filmen. | Foto: Lucasfilm/Disney/dpa

In einer Schlüsselszene staucht die Heldin Jyn Erso (Felicity Jones) ihren Mitstreiter Cassian Andor (Diego Luna) zusammen: „Wenn du Befehle befolgst, egal ob sie richtig sind, dann könntest du auch ein Sturmtruppler sein!“ Höhere Ideale, wie sie in anderen „Star Wars“-Storys von den Jedi-Rittern verkörpert werden, gibt es hier kaum. Stattdessen sieht man Rebellen, die zur eigenen Rettung auch mal einen Informanten töten und deren Befehlshaber auf Exekutionsplänen beharren. Das Höchste, was Helden hier erreichen können, ist, sich selbst für die gute Sache zu opfern – so wie Jyns Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen), der als genialer Ingenieur vom Imperium gezwungen wird, an der Konstruktion des Todessterns mitzuwirken, und so wie jene Rebellen, die im Showdown zu Laserkanonenfutter werden.

Zwiespältiger Held: Mads Mikkelsen als Galen Erso, der zur Mitarbeit am Todesstern gezwungen wird.
Zwiespältiger Held: Mads Mikkelsen als Galen Erso, der zur Mitarbeit am Todesstern gezwungen wird. | Foto: Lucasfilm/Disney/dpa

Der fanatische Guerilla-Rebell Saw Gerrera (Forest Whitaker) trägt die innere Zerrissenheit in Gut und Böse offen zur Schau als verkrüppelter Wüstenkämpfer, dessen Lungenzüge aus der Atemmaschine an Dennis Hoppers Psychopathenfigur aus „Blue Velvet“ erinnern – auch wenn das Geräusch „Star Wars“-Fans natürlich an Darth Vader denken lässt. Der hat auch einige minutenkurze, aber höchst wirkungsvolle Auftritte. Verblüffender ist aber, wie stimmig die Auftritte einer anderen, Fans gut bekannten Figur (der Name sei hier nicht gespoilert!) wirken – denn die glaubhafte Präsenz dieser Figur ist wohl ein noch größerer Triumph der Tricktechnologie als die bombastische Weltraumschlacht.

Bruchloser Übergang zu „Episode IV“

Deren Finale leitet dann tatsächlich bruchlos zum allerersten Film „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ über – und der legendäre Vorspann des alten Films bekommt durch die Bilder aus „Rogue One“ einen bitteren Unterton. Denn der dort erwähnte „Bürgerkrieg in der Galaxis“ sieht in „Rogue One“, wo eine kleine „Multikulti“-Truppe gegen ein totalitäres Militaristenregime kämpft, in manchen Szenen mehr nach aktuellen Nachrichtenbildern als nach Fantasiegebilden aus einer „weit weit entfernten Galaxis“ aus.