Grabmal der Großherzogin Luise im Mausoleum im Karlsruher Hardtwald
Grabmal der Großherzogin Luise im Mausoleum im Karlsruher Hardtwald | Foto: abw

Mausoleum in Karlsruhe

Schlüssel zu Geheimnissen der Grabkapelle

Sie ist eines der wenigen Baudenkmale Karlsruhes aus dem 19. Jahrhundert, die im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurden: die Großherzogliche Grabkapelle im Hardtwald. In dem neogotischen Bau ruhen 17 Mitglieder des badischen Fürstenhauses. Seit fünf Jahren ist die die Oberkirche regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich. Wer nicht gerade Kunst- oder Bauhistoriker ist, wird sich freilich schwer tun, ohne sachkundige Begleitung die Feinheiten des kunstvoll ausgestatteten Mausoleums zu erkennen. Seit dieser Saison nun gibt es einen 48 Seiten umfassenden Kunstführer, der die Geheimnisse des Ortes entschlüsselt, der nicht nur dem Totengedenken, sondern zugleich der Repräsentation diente.

Die Planungen für die Grabkapelle, die heute von den Staatlichen Schlössern und Gärten (SSG)  betreut wird, begannen 1888, dem Jahr, in dem Prinz Ludwig Wilhelm, ein Sohn des Großherzogenpaares Friedrich I. und Luise, im Alter von nur 22 Jahren starb. Die Mitglieder der großherzoglichen Familie wurden seit 1830 üblicherweise in der evangelischen Stadtkirche am Marktplatz bestattet – doch Luise wünschte, in einem weniger von der Öffentlichkeit beachteten Raum um ihr jüngstes Kind trauern zu können. Man entschied sich für ein Mausoleum in der „Abgeschiedenheit des tiefen Waldfriedens“, das gleichwohl ein Denkmal für die badische Dynastie sein sollte.

Der Kunstführer, den Petra Pechacek, Paul-Ludwig Schnorr, Alma-Mara Brandenburg und Sandra Eberle verfasst haben, erläutert das Wesen des Mausoleums und geht kurz auf die früheren Grablegen des Hauses Baden in Backnang, Kloster Lichtenthal, Baden-Baden, Pforzheim und Karlsruhe ein. Vorgestellt werden zudem die Bauherren und die Baugeschichte der Grabkapelle im Hardtwald.

Zehn Seiten sind der Innenausstattung gewidmet, wobei ein besonderer Fokus auf die von Hermann Volz gestalteten Grabdenkmale des Prinzen Wilhelm Ludwig sowie seiner Eltern in der Oberkirche gelegt wurde – die 150 Zentner schweren Denkmäler gelten als einzigartig in Baden-Württemberg.

18 Särge, aber nur 17 Tote

Erläutert wird auch die Fürstengruft, die man freilich nicht auf eigene Faust erkunden kann – sie ist nur bei Führungen zu besichtigen. Im Kapitel über die Grabkapelle im 20. und 21. Jahrhundert wird das Rätsel gelöst, warum in der Gruft, in der 18 Särge stehen, nur 17 Mitglieder der ehemaligen Herrscherfamilie ruhen – 1953 ließen die Markgrafen von Baden die Überreste des Prinzen Wilhelm (1829–1897), des Stammvaters ihrer Linie, nach Salem überführen.

Kurzbiografien der Beigesetzten, ein Stammbaum des Hauses Baden, eine Zeittafel sowie Übersichtspläne für die Oberkirche und die Gruft runden das hilfreiche Büchlein ab.

Der Kunstführer: Petra Pechacek, Paul-Ludwig Schnorr, Alma-Mara Brandenburg, Sandra Eberle: Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe, Michael Imhof Verlag, 48 Seiten, vier Euro. (ISBN 978-3-7319-0247-8)

Öffnungszeiten: Die Grabkapelle beim Klosterweg 11 in Karlsruhe (Oberkirche) ist bis Oktober geöffnet an Donnerstagen (11 bis 14 Uhr), an Freitagen (14 bis 17 Uhr) sowie samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr. Eintritt zwei Euro, ermäßigt ein Euro.

Die Gruft ist nur Im Rahmen von Führungen zu besichtigen.

Hier können Sie mehr über die Grabkapelle lesen