DAS PROJEKT LÄRMSCHUTZWALL an der Autobahn bei Weingarten – hier ein Blick Richtung Süden von der Brücke bei Staffort auf den Parkplatz Höfenschlag – geht voran. Die Anhäufung in der Bildmitte ist der Beginn des ersten Bauabschnitts. Der Bauzaun am Ende der Fläche markiert das Wallende.
DAS PROJEKT LÄRMSCHUTZWALL an der Autobahn bei Weingarten – hier ein Blick Richtung Süden von der Brücke bei Staffort auf den Parkplatz Höfenschlag – geht voran. Die Anhäufung in der Bildmitte ist der Beginn des ersten Bauabschnitts. Der Bauzaun am Ende der Fläche markiert das Wallende. | Foto: Marianne Lother

Schutzwall an der Autobahn 5

250.000 Kubikmeter Schüttung gegen Lärm

Von unserer Mitarbeiterin
Marianne Lother

Dicht vor der Querung der Kreisstraße 3539 nach Staffort über die Autobahn bei Weingarten ist der Wald gerodet. Die kahle Fläche ist der erste Teil von fünf Hektar Bäumen, die nach und nach verschwinden müssen: Platz für den Lärmschutzwall, der nach jahrzehntelangen Diskussionen zwischen Bürgern und Politik um Geld und Notwendigkeit jetzt entlang der Autobahn 5 realisiert wird.

1,4 Kilometer lange Aufschüttung

„Wir befinden uns hier bereits auf der ersten Schüttung im ersten Bauabschnitt am Parkplatz Höfenschlag“ erklärt Thorsten Fredrich. Er ist der Leiter der Bauschutt- und Recyclinganlage Weingarten, ein Standort der Mineralix GmbH, die im Auftrag der Gemeinde Weingarten den Wall von rund 1,4 Kilometer Länge errichtet. Rund zehn Meter hoch mit einem Revisionsweg auf halber Höhe, einer Breite zwischen 39 und 50 Metern am Fuß und zwei Meter an der Krone. Das gesamte Projekt ist in vier Bauabschnitte geteilt, die avisierte Bauzeit soll rund sechs Jahre betragen. Das Tempo hängt davon ab, wie zügig der Materialfluss rollt. Sukzessive wird das Erdmaterial aufgebaut, Schicht für Schicht verdichtet und in Form gebracht, damit nichts abrutschen kann. Parallel dazu wird jetzt bereits auf der Rückseite des Damms eine Entwässerungszone eingerichtet. In regelmäßigen Abständen führt ein Rohr durch den Querschnitt des Damms und leitet das Regenwasser von der Autobahn in eine ausgebaute und später mit Natursteinpflaster bedeckte Mulde. Mitgespülte Schadstoffe werden auf diesem Weg noch herausgefiltert.

Zertifiziertes Material wird eingebaut

Ökologisches Denken und Handeln ist für den zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb nicht nur eine Firmenphilosophie, sondern hat auch handfeste wirtschaftliche Gründe. Mineralix verbaut in diesem Lärmschutzwall Qualitätsmaterial der Klassifizierung „Z null“ bis „Z eins“, also gänzlich ohne Schadstoffbelastung oder mit sehr geringfügiger. „Es wäre eine Katastrophe, wenn nach Jahren der Damm wieder geöffnet und irgendetwas geborgen werden müsste“, sagt Fredrich. Darum wird von jeder einzelnen Charge des angelieferten Materials ein Probenprotokoll angefertigt, eine chemische Untersuchung vorgenommen, die ein von der Gemeinde beauftragtes Ingenieurbüro überprüft, und schließlich dokumentiert, wo welches Material herkommt, was es beinhaltet und wo es zu liegen kommt.

250.000 Tonnen Schüttgut sind erforderlich

Größtmögliche Sorgfalt ist jedoch nicht nur in puncto Material, sondern auch in ganz anderen Dingen erforderlich: Wo liegen Kabel, die ein Bagger beschädigen könnte? Welchen Druck durch Setzung der Aufschüttung halten Leitungen aus? Ein von Schülern benutzter Fahrradweg kreuzt die Baustraße und muss vor den heranfahrenden Lkw besonders gesichert werden. Ein Wassergraben muss durch ein Rohr unter dem Damm hindurchgeführt werden. Rund 250 000 Kubikmeter Material, sagt Thorsten Fredrich, werden insgesamt zur Fertigstellung gebraucht.

Bis zu 30 Lkw kommen am Tag

Das Schüttgut stammt aus der näheren und weiteren Region. 300 Kubikmeter pro Tag werden durchschnittlich angeliefert, das sind zwischen 20 und 30 Lkw, die über die von Mineralix eigens gebaute Baustraße zwischen der L 559 und der Autobahn anfahren. An zwei Stellen wird der Wall durch eine insgesamt 210 Meter lange Wand ersetzt. Dort befinden sich Bestände alter Eichenbäume, Habitate des streng geschützten Heldbocks, eines Käfers, der auf Totholz spezialisiert ist. Die Bietergemeinschaft Mineralix/Grötz hatte knapp 1,5 Millionen geboten, wenn sie den Wall bauen dürfe.