Tatort Rheinstetten: In diesem Mörscher Hinterhof ereignete sich im April die Bluttat.
Tatort Rheinstetten: In diesem Mörscher Hinterhof ereignete sich im April die Bluttat. | Foto: Alabiso

Der Vorwurf lautet Mord

Rheinstettener Gewalttat vor dem Landgericht

Von Klaus Müller

Der Vorwurf lautet Mord: Vor dem Landgericht Karlsruhe verhandelt wird eine Gewalttat, die sich im April 2016 in der Stadt Rheinstetten ereignete.Verantworten muss sich ein 25 Jahre alter Mann, dem die Staatsanwaltschaft Karlsruhe vorwirft, einen 33 Jahre alten Feuerwehrmann mit einem Beil erschlagen zu haben. Tatmotiv könnten Spielsucht und damit verbunden Geldnöte sein.    Der Prozess wird sich über mehrere Tage erstrecken.

Viele Zuhörer im Schwurgerichtssaal

Nur ganz kurz streift der Blick des Angeklagten über die vielen Zuhörer hier im Schwurgerichtssaal des Landgerichtes Karlsruhe. Seine Kopfbewegung ist kaum wahrnehmbar. Von da an scheint er eine imaginäre Wand zwischen sich und dem Zuhörerbereich aufzubauen. Viele Zuhörer kommen aus Rheinstetten, möchten genauso wie die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Leonhard Schmidt erfahren, was sich am frühen Morgen des 10. April in der Römerstraße zugetragen hat. Dort kam ein 33-jähriger Mann zu Tode. Mit der Rückseite eines Beils, das wenigstens fünf Mal seinen Kopf traf, soll er erschlagen worden sein, heißt es sinngemäß in der Anklageschrift.  Ja, er wolle aussagen, macht der Angeklagte  klar. Allerdings, und das stellt sich im Verlauf seiner Aussage immer mehr heraus, weist seine Erinnerung viele Lücken auf; zumeist bei den Punkten, die für eine Urteilsfindung durchaus von großer Relevanz sein könnten. Die Kammer fragt immer wieder nach. Die Antworten fallen stereotyp aus: „Daran hab´ ich keine Erinnerung.“ Fest steht, dass der Angeklagte auf den 33-Jährigen  mit einem Beil einschlug. Das wisse er noch. Keine Erinnerung hat er aber mehr daran, wo das Beil geblieben ist. Bislang hat die Polizei die Tatwaffe nicht gefunden. Nein, er wisse auch nicht, wie oft er zugeschlagen habe. Und nein, bewusst habe er nicht zu dem Beil gegriffen.

In der Nacht floss viel Alkohol

Stunden zuvor begann die Vorgeschichte der folgenschweren Bluttat. Spät nachts besuchte der Angeklagte eine Kneipe in Mörsch. Dort hielt sich auch das spätere Opfer auf. Angeblich kannte er den 33-Jährigen nicht. Immer wieder sei er von ihm beleidigt und gestichelt worden. In der langen Nacht floss eine Menge Alkohol. Zudem verbrachte der Angeklagte viel Zeit an Spielautomaten in der Kneipe. Ja, er sei spielsüchtig, eröffnete er zu Beginn der Verhandlung dem Gericht. Und er habe in der Vergangenheit viel getrunken und Drogen genommen.

Er lief mir hinterher

Gegen sechs Uhr verließ er die Schenke, gefolgt vom späteren Opfer. „Er lief mir hinterher“, so der Angeklagte. Zuhause im Hof angekommen habe er den anderen aufgefordert, er möge den Hof verlassen. Der 33-Jährige soll dieser Aufforderung nicht nachgekommen sein. „Er hat mich gefragt, ob ich mir was dazu verdienen möchte.“ Im Gegensatz zu seiner ersten Aussage bei der Polizei und später beim psychiatrischen Gutachter widerrief der Angeklagte nun seine Behauptung, der Mann wollte ihm „an die Wäsche“: „Nein, der hat mich nicht angemacht. Ich weiß nicht, was damals bei der Polizei in meinem Kopf war – es muss ein Haufen Scheißdreck gewesen sein.“
Eigentlich, so seine weitere Aussage, hat er nur gewollt, dass der Mann Abstand von ihm hält. Seiner Forderung verlieh er mit einem Fausthieb Nachdruck. Der 33-Jährige fiel zu Boden. Unvermittelt sei der Geschlagene dann aufgesprungen, habe ihn gewürgt und gegen einen Holzstapel in einem Schuppen gestoßen. Der Angeklagte griff zum Beil, ohne, wie er sagt, zu wissen, dass es sich um ein Beil gehandelt habe. Nach der Tat floh er nach Ettlingen in ein „Spielcasino“. Keine Erinnerung hatte er mehr daran, warum er den Geldbeutel des Opfers mitnahm.

Auch Lebensmittelmarkt überfallen

Neben der Hauptanklage muss sich der 25-Jährige auch wegen eines Raubüberfalles im gleichen Monat auf einen Lebensmittelmarkt in Mörsch verantworten. Die Tat, bei der er rund 1 300 Euro erbeutete, räumte er umfänglich ein. Am 18. Oktober  geht die Verhandlung weiter.