370 Menschen sollen hier einziehen: Die Gemeinschaftsunterkunft in Waghäusel befindet sich zurzeit noch im Aufbau. Der erste Bauabschnitt soll im August und der zweite Bauabschnitt soll im November abgeschlossen werden.
370 Menschen sollen hier einziehen: Die Gemeinschaftsunterkunft in Waghäusel befindet sich zurzeit noch im Aufbau. Der erste Bauabschnitt soll im August und der zweite Bauabschnitt soll im November abgeschlossen werden. | Foto: Schmidhuber

Landkreis ist gerüstet

1500 Plätze für Asylbewerber werden umgeschichtet

In den vergangenen Monaten ist der  Strom der Asylbewerber nach Deutschland deutlich abgeebbt. Trotzdem ist der Landkreis Karlsruhe gezwungen weiterhin Kapazitäten in der Reserve zu haben. Da es seitens des Bundes und des Landes keine Prognose gebe, wie sich die Asylbewerberzahlen zukünftig entwickeln, werde kein Objekt völlig „gestrichen“. Denn der Landkreis ist dann wieder in der Pflicht die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen, wenn die Zuweisungen von Asylbewerbern wieder steigen. Martin Zawichowski, Leiter des Büros des Landrats, versichert, dass „wir das dann – wie bisher – auf Sicht bewerkstelligen“. Vorliegende Planungen würden dann einerseits weiter vorangetrieben. Andererseits werde dann nach neuen Unterkünften Ausschau gehalten.

Mietverträge laufen aus

Der Landkreis verfügt derzeit über 5 300 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften. „Wir müssen in diesem Jahr noch rund 1 000 Plätze schaffen“, so Zawichowski. In diesem Zusammenhang müsse beachtet werden, dass eine Reihe von Asylbewerberunterkünften aufgelöst oder verkleinert wurden. „Beispiele hierfür sind etwa die großen Behelfsunterkünfte in Bruchsal-Heidelsheim (250 Plätze) oder in Bruchsal Grabener Straße (500 Plätze)“, erläutert der Beamte. Ebenfalls würden Unterkünfte, bei denen Mietverträge auslaufen oder es andere Vereinbarungen mit Anliegern gibt, zurückgefahren. „Auf diese Weise müssen 1 500 Plätze umgeschichtet werden“, erklärt Zawichowski. „Aus diesem Grund geben wir auch Einrichtungen wie zum Beispiel die Unterkunft in Bruchsal-Heidelsheim nicht völlig auf, sondern behalten uns eine Wiederbelegung vor, um auf einen Anstieg der Asylbewerber gerüstet zu sein“, erklärt Zawichowski. Aus der besagten, mittlerweile nach und nach geräumten Gemeinschaftsunterkunft wurden die Asylbewerber nach Oberhausen-Rheinhausen verlegt. „Im Mai, Juni, Juli und August sind uns nur wenige Asylbewerber zugewiesen worden“, sagt der Leiter des Landratbüros. Dementsprechend hat der Landkreis Karlsruhe das Ziel, in diesem Jahr insgesamt 9 600 Unterbringungsplätze in Gemeinschaftsunterkünften zu schaffen, korrigiert: Das Ausbauziel sei nun auf 6 500 Plätze verringert worden. Das liegt laut Zawichowski auch daran, dass zunächst diejenigen Landkreise in die Pflicht genommen würden, die ihre Aufnahmeverpflichtung im Gegensatz zum Landkreis Karlsruhe nicht erfüllt haben.
Im kommenden Jahr liegt das Ziel laut dem sogenannten „Masterplan Asyl“, den der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung fortgeschrieben hat (die BNN berichteten), bei 7 500 Plätzen. In diesem Masterplan wird auch darauf hingewiesen, dass ab Januar 2016 im Flüchtlingsaufnahmegesetz verankert ist, eine Belegung mit sieben Quadratmetern Wohn- und Schlaffläche pro Person umzusetzen. In dem Papier heißt es weiter: „Sollte das Gesetz schlussendlich umgesetzt, würde dies bedeuten, dass fast eine Verdoppelung der vorhandenen Kapazität notwendig wäre.“
Ein anderes Thema das zunehmend an Brisanz gewinnt, ist die Anschlussunterbringung. In den Gemeinden gab es 2014 300 Menschen, 2015 600 und im ersten Halbjahr 2016 800 Asylbewerber, die einquartiert werden mussten. „Alle haben wir untergebracht“, so Zawichowski.

Werbung für Kombimodelle

Bis Ende des Jahres müssen die Gemeinden mit weiteren 1 200 Personen rechnen, die im Anschluss an eine Gemeinschaftsunterkunft aufgenommen werden müssen. Wenn die Asylbewerber von einer Gemeinschaftsunterkunft in eine Anschlussunterbringung verlegt werden, geht die Verantwortung vom Landkreis auf die jeweilige Kommune über. „Das Landratsamt fragt momentan bei allen Bürgermeisterämtern die Unterbringungslage ab“, informiert Zawichowski.
Der Landkreis werbe auch für Kombimodelle, bei denen die Gemeinschafts- und die Anschlussunterkunft flexibel unter einem Dach erfolgen können. Zwei solche Kombimodelle werden zum Beispiel in Weingarten gebaut, die jeweils Ende Dezember und Anfang 2017 Inbetrieb genommen werden sollen.