Europaweit gefährdet ist die Grüne Flussjungfer, die ihr größtes baden-württembergisches Vorkommen entlang der Alb im Stadt- und Landkreis Karlsruhe hat.
Europaweit gefährdet ist die Grüne Flussjungfer, die ihr größtes baden-württembergisches Vorkommen entlang der Alb im Stadt- und Landkreis Karlsruhe hat. | Foto: Franz Lechner

Raritäten in den Rheinauen

Rückzugsgebiet für bedrohte Tierarten und Pflanzen

Von Franz Lechner

Auch im Landkreis Karlsruhe verschwindet Jahr für Jahr immer mehr Natur unter Asphalt. Neue Bau- und Gewerbegebiete verbrauchen immer mehr Landschaft, und der damit verbundene Rückgang der Arten-Vielfalt ist kaum noch zu stoppen. Und dennoch sind zwischen Bad Schönborn im Norden und Rheinstetten-Mörsch im Süden noch einige bedrohte Tierarten und Pflanzen zu Hause, die anderswo schon lange verschwunden sind.
„Das liegt vor allem an den halbwegs intakten Rheinauen mit ihren Auwäldern und den benachbarten, meist unter Naturschutz stehenden großen Feuchtgebieten“, erklärt der Landschaftsökologe vom Referat Naturschutz im Regierungspräsidium Karlsruhe, Peter Zimmermann. Der Artenschutzbeauftragte für den Regierungsbezirk Karlsruhe ergänzt: „In diesen Feuchtgebieten leben innerhalb des Landkreises mit Abstand die meisten vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten.“ Aber auch der Kraichgau, die sandige Rheinebene und die Ausläufer des Schwarzwalds beherbergen noch ein paar echte Raritäten. „Insgesamt leben so viele vom Aussterben bedrohte Tierarten und Pflanzen im Landkreis, dass man sie in einem Artikel gar nicht alle vorstellen könnte“, sagt Zimmermann.

Europaweit gefährdete Libellen

Zu den ganz großen Raritäten im Landkreis Karlsruhe gehören beispielsweise die „Zierliche Moosjungfer“ und die „Grüne Flussjungfer“. „Das sind zwei Libellenarten, die sogar europaweit gefährdet und daher Teil des Europäischen Artenschutzprogrammes sind“, berichtet Zimmermann. Von der „Zierlichen Moosjungfer“ die beispielsweise rund um Dettenheim zu Hause ist, gibt es nur noch ein kleines Vorkommen am Bodensee. Und auch die „Grüne Flussjungfer“ hat ihr größtes baden-württembergisches Vorkommen entlang der Alb im Land- und Stadtkreis Karlsruhe. „Das sind nur zwei von einigen Arten, für die wir hier im Landkreis eine ganz besondere Verantwortung haben“, sagt der Libellen- und Heuschreckenexperte Zimmermann.
Seine Kollegin, die für die Naturschutzgebiete im Landkreis zuständige Amphibien- und Reptilienspezialistin Silke Schweitzer nennt den Moor- und den Laubfrosch als Beispiele für Arten, die man außerhalb der Region lange suchen muss. „Bundesweit noch seltener sind aber Pflanzenarten, wie die in den Altrheinarmen von Leopoldshafen, Neureut oder Dettenheim vorkommende Wassernuss, der fast nur noch in Rheinstetten-Mörsch wachsende Kleefarn oder die in Dettenheims Feuchtwiesen gedeihende Sibirische Schwertlilie“, zählt die Biologin weitere Besonderheiten der Rheinniederung auf.

Fotografen kommen von weither für bedrohte Tierarten

Aber auch in den wenigen noch erhaltenen Halbtrockenrasen des Kraichgauer Hügellandes sind botanische Kostbarkeiten zu Hause. Auf den Untergrombacher Michaelsberg beispielsweise pilgern jedes Jahr tausende Pflanzenfreunde aus Nah und Fern, nur um Arten wie den farbenprächtigen Diptam oder den Hain-Wachtelweizen fotografieren zu können.
Die Vogelfotografen zieht es dagegen von weit her in das Naturschutzgebiet Wagbachniederung bei Waghäusel. „Schwarzhalstaucher und Purpurreiher sind zwei Vogelarten, die in Baden-Württemberg außerhalb der Wagbachniederung kaum noch zu finden sind“, berichtet Klaus Lechner, der Nabu-
Artenschutzreferent für den Landkreis Karlsruhe.