Die Kirschessigfliege soll nach Schätzungen der Bundesregierung 2014 allein in Baden mehrere Millionen Euro Schaden verursacht haben.
Die Kirschessigfliege soll nach Schätzungen der Bundesregierung 2014 allein in Baden mehrere Millionen Euro Schaden verursacht haben. | Foto: Franz Lechner

"Herausforderung der Zukunft"

Schadorganismen auf dem Vormarsch im Landkreis Karlsruhe

Von Franz Lechner

Südliche Eichenschrecke, Zebraspinne und Gottesanbeterin gehörten zu den ersten vom Klimawandel begünstigten Neubürgern. Teilweise tauchten sie schon vor gut zwei Jahrzehnten erstmals in der Region auf. Heute heißen die Einwanderer „Falsches Weißes Stängelbecherchen“, Buchsbaum-Zünsler, Tigermücke oder Kirschessigfliege und während die skurrile Gottesanbeterin oder die farbenprächtige Zebraspinne meist noch freudig in ihrer neuen Heimat begrüßt wurden, freut sich über die neuen Einwanderer niemand mehr. Ganz im Gegenteil. Viele von ihnen zählen zu den so genannten invasiven Schadorganismen.

Schadorganismen ohne heimische Gegenspieler

„Als ,invasiv’ werden in der Regel vom Menschen verschleppte Arten bezeichnet, die sich in kurzer Zeit und ohne heimische Gegenspieler sehr stark ausbreiten und Schäden für die Umwelt und die Wirtschaft verursachen“, erklärt der Biologe Olaf Zimmermann vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe. Arten also, die im Gegensatz zur Gottesanbeterin und anderen Profiteuren des Klimawandels meist nicht selbstständig nach Deutschland kamen, sondern häufig über den globalen Handel eingeschleppt wurden.
„Nicht alle invasive Schadinsekten sind dabei auf den Klimawandel angewiesen, um sich auszubreiten, einige wie beispielsweise die Kirschessigfliege stammen ohnehin aus gemäßigten klimatischen Zonen“, berichtet Zimmermann, und ergänzt: „Allerdings erhöhen viele invasive Schädlinge im milder werdenden mitteleuropäischen Klima die Anzahl ihrer Generationen.“

Alpen fallen als natürliche Barriere zunehmend weg

Dazu kommt, dass die Alpen wegen der Klimaveränderung als natürliche Barriere für aus Südeuropa einwandernde Schadinsekten zunehmend wegfallen. Wie auch immer die einzelnen Arten sich ausbreiten, ihre Zahl und damit die wirtschaftlichen Folgen steigen stetig. Die Kirschessigfliege beispielsweise soll nach Schätzungen der Bundesregierung im Jahr 2014 allein in Baden Schäden von mehreren Millionen Euro verursacht haben.
Bläulingszikade und Marmorierte Baumwanze sind nur zwei der vielen neu in Europa angekommenen invasiven Schadinsekten, die bald auch in der Region Schäden anrichten könnten. Aber nicht nur die Landwirtschaft ist betroffen. Kastanien-Miniermotte und Buchsbaum-Zünsler haben in der Region in wenigen Jahren in Privatgärten, auf Friedhöfen und in Grünanlagen fast alle Kastanien- und Buchsbäume befallen.
In der Forstwirtschaft sorgt mit dem „Falschen Weißen Stängelbecherchen“ gerade eine invasive Pilzart für verheerende Schäden. Kaum ein Jahrzehnt ist es her, dass das von diesem Pilz verursachte Eschentriebsterben in der Region auftauchte. Heute ist bereits ein Großteil der Eschen im Landkreis so krank, dass sie gefällt werden müssen.

Eschen drohen zu verschwinden

„Die neuesten Prognosen sagen, dass diese für die Region typische Baumart bereits in einem Jahrzehnt fast völlig aus der Region verschwunden sein wird“, sagt der Leiter der Forstabteilung West im Landratsamt, Thomas Eichkorn und macht deutlich, wie verheerend invasive Arten nicht nur für Landwirte und Gartenbesitzer, sondern auch für heimische Ökosysteme sein können. Und mit dem asiatischen Laubholz-Bockkäfer droht der Region derzeit noch eine weit größere Gefahr. Dieser invasive Käfer zerstört nämlich nicht nur Eschen, er befällt alle Laubbäume.
„Aufhalten können wir die zunehmende Ausbreitung invasiver Schadorganismen kaum noch“, fürchtet Eichkorn, und ergänzt: „Wie wir mit dieser Gefahr umgehen, ist die große Herausforderung für die Zukunft.“