Fußballverein FV Rußheim
Fußballverein FV Rußheim | Foto: Natalie Nees

Dreister Diebstahl

Schlauchdiebe nerven Rußheimer Fußballer

„Schockiert“ ist man im Vorstand des Fußballvereins Rußheim. Nicht etwa der sportlichen Leistungen wegen – man will in der A-Klasse vorne mitmischen –, sondern wegen einer erstaunlichen Diebstahlserie, die den Verein finanziell in die Bredouille bringt.
Es war letzten Sonntag, als Platzwart Gottfried Hager den Rasen mit den Markierungen für das Spiel der zweiten Mannschaft am Nachmittag abstreute. Dem Mann fiel dabei auf, dass mehrere Schlauchstücke fehlten, Schläuche von insgesamt 800 Metern Länge. Mit diesen Schläuchen, die zu einem System zusammengekoppelt werden, werden die Plätze des FV Rußheim beregnet, erklärt Harry Werner.
Der Vorsitzende begründet auch, warum die Rußheimer Fußballer den Vorfall nicht einfach hinnehmen und abhaken können. „Wissen Sie“, so Werner, „schon im Juni 2015 wurden uns unsere Schläuche geklaut, und genauso im Juni 2014. Jetzt müssen wir schon das dritte Mal in die Kasse greifen und neue Schläuche kaufen. Das sind wieder 2.000 Euro“, sagt der Fußballerchef. Er hat sich gerade die Rechnungen der Vorjahre herausgeholt, um zu schauen, was jetzt wieder auf den Verein zukommt.
Gibt es einen Verdacht? „Nicht, dass ich wüsste“, sagt Harry Werner. Was kann man aber mit geklautem Schlauch, dreiviertel Zoll stark, Farbe gelb, anfangen? „Verkaufen vielleicht.“ Werner fragt sich auch, wie man einfach so 800 Meter Schlauch wegschaffen kann. „Da braucht einer mindestens einen Kombi.“ Hat die Polizei eine Spur? „Bis jetzt nicht.“

Die Rußheimer Fußballer hinken mit ihrem Beregnungssystem der Zeit ein wenig hinterher, räumt Werner ein. Normalerweise werden die Schläuche nach einem bestimmten System ausgelegt und an Abzapfstellen angeschlossen. Das erledigt Gottfried Hager, der dem FVR verbunden ist. Noch am Samstag wurde der Platz frisch gemacht.

Polizei hat noch keine Spur

Die Schläuche werden auch nicht weggeschlossen, sondern bleiben im Freien liegen. „Die immer wegschließen wäre ein Riesenaufwand, gerade zur Zeit, das kann man nicht machen“, sagt der Vorsitzende, der mit seinen Kollegen nun rasch entscheiden muss, wie es weitergeht. Kurzfristig führt wohl kein Weg am Kauf neuer Schläuche vorbei.

„Aber wir denken schon über eine Berieselungsanlage nach“, sagt Harry Werner. Die sei eigentlich auch Standard auf den Fußballplätzen in der Region. Da werde ein Rohrsystem in den Rasenplatz verlegt und an das Wasser angeschlossen. Wenn der Platz bewässert werden muss, werde das System hochgefahren – „und fertig“. Freilich hat die Sache einen Haken. Billig sei das nicht, erklärt Harry Werner, „um die 30.000 Euro müssen Sie schon rechnen – pro Platz.“ Das ist natürlich deutlich mehr Geld als man für die Schläuche ausgeben muss. Doch hat die festinstallierte Anlage zwei Vorteile. Man kann sie nicht einfach klauen – „und sie hebt ewig“. Noch ist derlei ein Wunsch in Rußheim. Ohne Mithilfe der Mitglieder, ohne Spenden und Unterstützung durch die Gemeinde wird er kaum Realität. Aber Werner hofft, zur Konkurrenz aufschließen zu können. „Wir sind wohl die Einzigen in der Gegend, die noch mit den Schläuchen arbeiten.“ Nachdem sie dem FVR zum dritten Mal geklaut wurden, könnte dieses Verfahren eventuell auch dort bald der Vergangenheit angehören. Aber erst müssen neue Schläuche gekauft werden.

Zeugenaufruf:

Wer in der Nacht zum 20./21. August verdächtige Fahrzeuge beim FV Rußheim gesehen hat, möge dies der Polizei Graben-Neudorf, +49 (7255) 9378, melden.