Historische Holzscheunen wie hier in Herxheim prägen das Landschaftsbild entlang des Rheins. So profitiert heute noch der Tourismus vom einstigen Tabakanbau.
Historische Holzscheunen wie hier in Herxheim prägen das Landschaftsbild entlang des Rheins. So profitiert heute noch der Tourismus vom einstigen Tabakanbau. | Foto: Beuscher

Regen beeinträchtigt die Ernte

Tabak aus Baden für arabische Wasserpfeifen

Von unserer Mitarbeiterin
Janina Beuscher
In der Pfalz wird noch bis November der Tabak geerntet. Ob allerdings die angestrebte Menge von etwa 1 200 Tonnen zustande kommt, steht nach Meinung von Experten dahin: Denn die vielen Niederschläge sind den Tabakpflanzen nicht bekommen, derzeit rechnet man mit einem Minus von zehn bis 20 Prozent. Seit 1573, als Pfarrer Anselm Anselmann im südpfälzischen Hatzenbühl im Gemeindegarten Saatgut des empfindlichen tropischen Nachtschattengewächses setzte, ist der Tabak in der Pfalz heimisch. Das Klima und der Boden in der Südpfalz waren für die Pflanze ideal, noch heute liegt das Zentrum des Anbaus rund um Kandel und Neupotz.
Auch in Baden kann der Tabakanbau auf eine lange Tradition zurück blicken. So waren es in Friedrichstal französische Siedler – einige waren zuvor in der Pfalz heimisch gewesen –, die den Tabakanbau einführten. Und auch heute noch ist Baden-Württemberg mit 840 Hektar das größte Anbaugebiet in Deutschland.
Etwa 50 pfälzische Tabakanbauer kultivieren die Pflanze auf über 400 Hektar. Die vorherrschende Sorte heißt Virgin, und diese geht überwiegend in den arabischen Raum, wo die getrockneten Blätter zu Wasserpfeifentabak verarbeitet werden. „Die Sorte hat einen hohen Zuckeranteil und wenig Nikotin“, erklärt Sven Plaeschke vom Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer.

Schockfotos setzen die Industrie unter Druck

In der Pfalz und in Baden ist die Geschichte des Tabaks eine ähnliche: Nachdem der Anbau und Verkauf für Aufschwung in den entsprechenden Gemeinden sorgte, ging er bald schon wieder zurück. Der Tabak hat an Beliebtheit verloren, Subventionen wurden gestrichen und der Preisdruck wächst stetig. In Friedrichstal wird seit zehn Jahren kein Tabak mehr angebaut. In Hatzenbühl sind es von einst über 300 Betrieben heute noch zwei. Kampagnen wie seit kurzem die Schockfotos auf den Zigarettenschachteln setzen die Industrie zunehmend unter Druck und machen damit den Tabakpflanzern zusätzlich zu schaffen, wie Plaeschke sagt: „Es landet immer weniger deutscher Rohtabak in Zigaretten.“
Ein großes Problem seien auch das Mindestlohngesetz und das Arbeitnehmerentsendegesetz, erklärt Plaeschke. „Im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD Ausnahmen vom Mindestlohn für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft versprochen. Dies wurde leider nicht eingehalten. Und die Dokumentationspflichten sind insbesondere für kleine Familienbetriebe eine massive bürokratische Belastung.“

Bürokratie belastet Landwirte

In jüngster Zeit gibt es allerdings auch neue Perspektiven, durch die steigende Qualitätssicherung mit ökologischen und nachhaltigen Methoden, ohne Spritzmittel und Zusätze. So ist Bio-Tabak vor allem in den USA gefragt und wird vereinzelt angebaut. In der Pfalz gibt es außerdem die Sorte Geudertheimer, die gerne für Zigarren verwendet wird. Und ein ganz anderes Segment ist der Tourismus: Denn blühende Tabakfelder und historische Holzscheunen prägen das Landschaftsbild entlang des Rheins. In lokalen Museen sind Ausstellungen zur Zigarrenherstellung und zum Tabakanbau zu sehen. In Hatzenbühl wurde jüngst ein Tabak-Rundwanderweg eröffnet, und jedes Jahr wird die Tabakkönigin gewählt.