Brutales Mastjahr: Die Hainbuchen sind übersät mit braunen Früchten. In solchen Jahren stecken die Bäume fast ihre gesamte Energie in die Entwicklung von Samen.
Brutales Mastjahr: Die Hainbuchen sind übersät mit braunen Früchten. In solchen Jahren stecken die Bäume fast ihre gesamte Energie in die Entwicklung von Samen. | Foto: Franz Lechner

Trockenheit im Hardtwald

Trockener Spätsommer ist leichter zu verkraften

Von Franz Lechner
Der Wald im Landkreis sieht derzeit an vielen Stellen nicht gut aus. Vor allem die Hardtwälder südlich und nördlich von Karlsruhe sind an vielen Stellen braun verfärbt. Leiden die Wälder im Landkreis unter der Trockenheit der vergangenen Wochen?
„Da muss man genau differenzieren, die Situation ist im Kraichgau eine andere als auf den sandigen Böden der Rheinebene oder dem Buntsandstein im niederschlagsreichen Schwarzwald“, antwortet der Leiter der Forstabteilung Ost im Landratsamt, Bernd Schneble, und ergänzt: „Insgesamt ist die Situation aber lange nicht so kritisch wie im vergangenen Jahr.“ Tausende Kubikmeter Holz – vor allem Kiefern – habe die Forstverwaltung im Landkreis 2015 wegen der Trockenheitsschäden zwangsweise schlagen müssen, das sei in diesem Jahr nicht zu befürchten, erklärt Schneble. Warum das so ist?

 Niederschläge in der ersten Jahreshälfte halfen

„Im vergangenen Jahr hatten wir die Trockenheitsphase im Frühjahr und im Frühsommer, das ist für den Wald schwerer zu verkraften als am Ende des Sommers und im Herbst“, erklärt der leitende Forstbeamte. „Außerdem konnten sich unsere Wälder durch die vielen Niederschläge in der ersten Jahreshälfte gut erholen.“
Dass der Wald, besonders der Hardtwald, an vielen Stellen braun verfärbt ist, hat oft auch andere Ursachen. „Wir haben dieses Jahr vor allem bei Hain-, aber teilweise auch bei Rotbuchen ein brutales Mastjahr, das heißt, die Bäume sind übersät mit einer Unmenge an braunen Früchten“, berichtet Schneble. Da die Bäume in solchen Jahren fast ihre gesamte Energie in die Entwicklung von Samen stecken, haben sie deutlich kleinere Blätter, so dass die Kronen der Hainbuchen derzeit regelrechte braune Inseln im Hardtwald bilden.
Auch wenn es dem Hardtwald also lange nicht so schlecht geht wie er derzeit aussieht, ganz ohne Folgen ist der niederschlagsarme Spätsommer nicht geblieben.

Kiefernnadeln fallen wegen Trockenheit ab

„Die Kiefern haben auch in diesem Jahr wieder wegen der Trockenheit einen Teil ihrer Nadeln verloren“, berichtet Schneble. Dagegen hätten die Eichen im Hardtwald das trockene Wetter recht gut verkraftet. Ähnlich wie die Wälder im Kraichgau. „Die Lößböden dort haben eine hohe Wasserspeicherkapazität, deshalb sind sie ja ohnehin viel weniger anfällig gegen Trockenheitsphasen wie die Sandböden in der Rheinebene oder die Buntsandsteinböden im Schwarzwald“, sagt Bernd Schneble.
Insgesamt aber wird der Forst in den nächsten Jahren auf die zunehmenden Trockenheitsphasen reagieren müssen. „Baumarten wie die Fichte oder die Buche, die relativ viel Wasser brauchen, werden wir wohl an vielen Stellen nach und nach durch trockenheitsresistente Arten wie die Eiche und die Douglasie ersetzen müssen“, erklärt der Leiter der Forstabteilung Ost.
Herrschte Mitte September vor allem in den Hardtwäldern noch hohe Waldbrandgefahr, so hat sich die Lage inzwischen deutlich beruhigt. Die teils kühlen und daher feuchten Nächte und die vereinzelten Regenfälle in den vergangenen zwei Wochen haben die Waldbrandgefahrenstufe im Landkreis von vier auf derzeit nur noch zwei fallen lassen.

Waldbrandgefahr soll auf niedrigste Stufe sinken

Insgesamt gibt es fünf Waldbrandgefahrenstufen, ab Samstag sinkt die Waldbrandgefahr laut dem Deutschen Wetterdienst sogar auf Stufe eins. Aber auch wenn dann nur noch die geringste Waldbrandgefahrenstufe in den Wäldern des Landkreis herrscht, so gilt das Rauchverbot weiterhin. Erst ab 1. November ist das Rauchen im Wald wieder erlaubt. Offene Feuer sind ohnehin das ganze Jahr verboten.