Platt gemacht wurde im vergangenen Jahr dieses Maisfeld von Wildschweinen.  Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Werner Kunz besichtigte damals mit den betroffenen Landwirten den Acker.
Platt gemacht wurde im vergangenen Jahr dieses Maisfeld von Wildschweinen. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Werner Kunz besichtigte damals mit den betroffenen Landwirten den Acker. | Foto: Alàbiso

Population explodiert im Kreis

Wildschweine können einen Jäger ruinieren

Der Tisch ist reich gedeckt für Schwarzkittel: Getreide, Rüben, Gras. Und der Mais steht derzeit in der Milchreife – eine Delikatesse für das Schwarzwild. Die borstigen Gesellen laben sich an den weichen, süßen Körnern. Dabei stimmt für die Wildschweine nicht nur das kulinarische Angebot, sondern auch die Deckung. Im Maisfeld sind die Tiere für Jäger nahezu unsichtbar.

„Noch nichts Dramatisches passiert“

Die Schäden am Getreide haben sich bislang in Grenzen gehalten im Landkreis Karlsruhe. Dennoch: „Wir Landwirte haben Bauchschmerzen und sind sehr sensibilisiert, auch wenn in diesem Jahr noch nichts Dramatisches passiert ist“, sagt Werner Kunz, Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Im vergangenen Jahr sind etwa in Östringen und in Odenheim große Schäden durch Wildschweine entstanden. „In Odenheim waren rund zwei Hektar Mais kaputt“, erinnert sich Kunz. Jetzt, da der Mais in der Milchreife steht, beginnt wieder die kritische Phase.

„Es ist weniger schlimm, dass die Wildschweine den Mais fressen. Vielmehr entsteht der Schaden durch das Herumtrampeln und Herumspringen im Feld“, erklärt Kunz. In der Rheinschiene fühlen sich die Schwarzkittel besonders wohl: „Schwerpunktgebiete sind unter anderem Östringen, Philippsburg, Weingarten, Bruchsal und Dettenheim“, schildert Joachim Thierer vom Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Landratsamt Karlsruhe.

Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent

Die Schwarzwildpopulation explodiert seit Jahren. „Wenn die Wildschweine nicht bejagt werden, kann es Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent geben“, betont der Pressesprecher der Jägervereinigung Karlsruhe, Thomas Hauck. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Da sind die Klimaveränderung und die damit einhergehenden milden Winter. Die Schwarzkittel haben ein ganzjähriges Futterangebot. Dabei spielen die vielen Getreide- und Maisäcker nur eine untergeordnete Rolle. Problematisch wird es allerdings, wenn das Maisfeld bis an den Waldrand reicht, weiß der Pressesprecher der Jägervereinigung.

„Es treten wegen der milden Temperaturen immer häufiger Eichen- und Buchenmastjahre auf“, betont Hauck. Eichen und Buchen stellen einen großen Anteil in den hiesigen Wäldern. Außerdem sind die „Wildschweine mehrmals im Jahr in der Rausche“, sagt Thierer. Rauschzeit ist bei den Wildschweinen die Paarungszeit. Hinzu kommt, dass die Wildschweine keine natürlichen Feinde haben und extrem anpassungsfähig seien, so Thierer.

Jagdpächter ist im Zweifel in der Zahlungspflicht

Für die Jäger ist das ein Problem, denn die müssen für Wildschäden im ihrem Pachtgebiet aufkommen. „Diese muss nach dem Jagdgesetz die Jagdgenossenschaft bezahlen“, erläutert Hauck. Darin sind alle Grundstückseigentümer einer Gemeinde zusammengeschlossen, die zu einem Jagdbezirk gehören. Wenn die Jagdgenossenschaft die Zahlungspflicht auf den Jagdpächter überträgt, muss dieser finanzielle Kompensation leisten. „Mittlerweile sind manche Jagden wegen der Wildschäden kaum mehr zu verpachten“, sagt Hauck, der auch zu bedenken gibt, dass die Jagd ein Ehrenamt ist. Das sei ein Dienst an der Gemeinschaft. „Niemand möchte mit so was seine Privatinsolvenz unterschreiben“, stellt er lapidar fest.

Miteinander reden

Um Schäden bei den Landwirten zu vermeiden, appelliert Werner Kunz an seine Kollegen, mit dem Forst und dem zuständigen Jäger zusammenzuarbeiten. „Um Schäden vorzubeugen ist es sinnvoll, etwa Schussschneisen in das Feld zu mähen“, meint Kunz. Schließlich sei es besser nur 500 als 5 000 Quadratmeter zu verlieren. Auch ein Elektrozaun könne Schwarzwildschäden abwenden.

„Wildschwein ist eines der edelsten Wildtiere“

Auch Hauck teilt die Meinung von Kunz und meint, dass es besser sei miteinander als übereinander zu reden. Es sei oftmals sinnvoll schon bei der Anlage des Maisfeldes miteinander zu sprechen. Dabei wird der Pressesprecher der Jägervereinigung nicht müde zu betonen, dass der Tierschutz dabei eine ganz besonders große Rolle spielt: „Es geht hier nicht um Schädlingsbekämpfung. Das Wildschwein ist eines der edelsten Wildtiere, die wir haben.“ Dem müsse man als Jäger gerecht werden.