ERNTEMARATHON: Raps, Gerste (wie hier im Bild), Weizen und Roggen werden von den Feldern abgeerntet. Den Getreidesorten machte das nasse Wetter zu schaffen, das Qualität und Ertrag schmälerte.
ERNTEMARATHON: Raps, Gerste (wie hier im Bild), Weizen und Roggen werden von den Feldern abgeerntet. Den Getreidesorten machte das nasse Wetter zu schaffen, das Qualität und Ertrag schmälerte. | Foto: dpa

Schlechte Ernte, schlechte Preise

Durchwachsene Getreideernte im Landkreis Karlsruhe

Die Getreideernte im Landkreis Karlsruhe läuft gerade auf Hochtouren. In ein bis zwei Tagen ist die Ernte eingefahren. Zufrieden sind die Landwirte aber nicht: Das Wetter hat nicht nur Einfluss auf die Ernteerträge gehabt, sondern auch die Qualität der Produkte gemindert. Erschwerend hinzu kommen die niedrigen Getreidepreise auf dem Weltmarkt. „In diesem Jahr ist die Getreideernte so durchwachsen, wie das Wetter war“, sagt Werner Kunz, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Karlsruhe. Es sei einfach zu feucht gewesen. Noch vor hundert Jahren wären laut Kunz ohne Pflanzenschutz Ertrag und Qualität der Produkte so geschmälert gewesen, dass es zu einer Hungersnot gekommen wäre. Glücklicherweise „kann man heutzutage das Getreide aus ertragreicheren Regionen importieren“, erklärt der Kreisvorsitzende. Aber auch andere Kulturen wie Erdbeeren oder der Weinbau haben wegen des nassen Wetters zu kämpfen.

Getreide leidet unter Feuchtigkeit

Der Ertrag beim Raps liegt im langjährigen Durchschnitt. „Die diesjährige Ernte liegt etwa zehn Prozent unter dem guten Ertrag im vergangenen Jahr“, erklärt Kunz. Das sei dennoch eine gute Ernte. Außerdem sind die Preise für Raps relativ konstant. Anders sieht es bei der Gerste aus: Dieses Getreide „will eher trockenes Wetter“, betont der Kreisvorsitzende. Als die Gerste geblüht habe, etwa im Mai und Juni, sei das Wetter einfach zu nass gewesen. „Die Körner konnten sich nicht richtig ausbilden. Das wirkt sich zwangsläufig auf den Ertrag aus“, erläutert Kunz.

„Biertrinker müssen sich nicht fürchten“

Das hat Folgen: Unterm Strich sei die Ernte um zehn bis 20 Prozent zurückgegangen. Schlimmer sei jedoch der um 15 Prozent gesunkene Preis. Wenn man beide Faktoren zusammennimmt, „entspricht das eigentlich einem doppelten Verlust“, meint Kunz, der in diesem Getreide den Verlierer 2016 sieht. Er lagert die Hälfte seiner Ernte ein. „Das ist zwar spekulativ, aber ich hoffe, dass der Preis noch ansteigt, weil die Gerstenernte in Westeuropa in diesem Jahr generell schlecht ausgefallen ist – schlechter kann es nicht werden“, so Kunz, der andere Teile dieser Ernte über Vorkontrakte bereits verkauft hat. Dieses Getreide wird als Futter und Braugerste verwendet. „Aber Biertrinker müssen sich nicht fürchten“, meint Kunz. Die fehlende Gerste wird aus Osteuropa oder Australien importiert.

Unterschiedlicher Ernteertrag beim Weizen

Der Weizen ist in der Region „flächenmäßig die größte Frucht“. Hier sei die Ernte höchst unterschiedlich ausgefallen. Der Weizen hatte in diesem Jahr mit zwei Problemen zu kämpfen: „Das waren die Nässe und der Druck durch den Pilzbefall“, erläutert Kunz. Betriebe, die den Pflanzenschutz auf die leichte Schulter genommen haben, hätten nun ein Problem. Dementsprechend schwanken die Erträge zwischen fünf und acht Tonnen. „Normal sind sieben bis acht Tonnen“, meint Kunz, der mit seiner Weizenernte Glück und keine Einbußen hatte. Die Qualität beim Roggen hingegen stimmt laut Kunz. Der Ertrag war in diesem Jahr etwa zehn Prozent niedriger als im Vorjahr. „Aber“, meint der Kreisvorsitzende, „der Roggen ist eigentlich nur noch in der Rheinebene von Belang.“