Zwischen Bäckerei und Drogeriemarkt herrscht Leerstand in der Leopoldstraße - und nicht nur dort.
Zwischen Bäckerei und Drogeriemarkt herrscht Leerstand in der Leopoldstraße - und nicht nur dort. | Foto: Ehmann

Leerstand in Pforzheim

Leser-Kritik: Ungenutzte Ladenräume und zu wenig Einkaufsqualität

Leere Schaufenster, schon wieder eine Dönerbude, der nächste Billigfriseur. Derweil gehen Traditionsgeschäfte und hinterlassen Leerstand. Leser des Pforzheimer Kurier finden, die Innenstadt hat – milde ausgedrückt – Nachholbedarf. Aber wie viel Leerstand gibt es eigentlich? Ist die Stadt für Einzelhändler nicht attraktiv genug? Und hat die Verwaltung überhaupt Einfluss darauf, wer wo welchen Laden aufmacht?

„Kreative Zwischennutzungen“

So schlimm ist es um Pforzheim gar nicht bestellt, sagt Oliver Reitz, Direktor des Wirtschaft- und Stadtmarketing (WSP). „Im Vergleich mit anderen Städten steht Pforzheim nicht besser oder schlechter da, was den Leerstand angeht.“ Genaue Zahlen habe man derzeit allerdings nicht, sagt Michael Hertl, der beim WSP für den Bereich Innenstadtentwicklung zuständig ist. Wenn jedoch in der 1-A-Lage, etwa zwischen Leopoldstraße und Marktplatz, viele Schaufenster ungefüllt blieben, sei der gefühlte Leerstand höher, so Reitz. Auch in der Östlichen Karl-Friedrich-Straße und in der Jäger-Passage gebe es immer wieder Leerstände. „Immerhin versuchen wir, diese zeitweise mit Leben zu füllen, wie etwa mit dem Künstler-Projekt ,Leerstand als Freiraum’ oder Popup-Stores.“ Diese „kreativen Zwischennutzungen“ sollen dafür sorgen, dass die Leere weniger auffällt, die geschlossene Läden hinterlassen.

Ein Geschäft mit Tradition, der Foto Notton, hat vor wenigen Wochen das Rollgitter heruntergelassen
Ein Geschäft mit Tradition, der Foto Notton, hat vor wenigen Wochen das Rollgitter heruntergelassen. | Foto: Ehmann

Mit manchen Geschäften verschwindet aber auch ein kleines Stückchen Pforzheimer Geschichte aus der Stadt. Zum Beispiel mit „Foto Notton“. Dessen Inhaber Hanspeter Notton hatte das Familiengeschäft in den 60er-Jahren übernommen und war aus der Innenstadt nicht wegzudenken. Nun hat er aus Altersgründen aufgehört – und der Laden steht leer. In der Zerrennerstraße verabschiedete sich in diesem Jahr der Comic-Laden „Magic Planet“. In der Lammstraße wird die Leere beim ehemaligen Betten Jost mit Deko-Tapete kaschiert.

Mit bunter Blumentapete wird der Leerstand beim ehemaligen Betten Jost in der Lammstraße kaschiert.
Mit bunter Blumentapete wird der Leerstand beim ehemaligen Betten Jost in der Lammstraße kaschiert. | Foto: Ehmann

Aber warum tut sich oftmals so lange nichts? „Viele Ladenräume sind klein, ungünstig geschnitten oder in einer schlechten Lage“, sagt Michael Hertl. „Dazu kommt, dass die Eigentümer die Mieten dafür zu hoch ansetzen“, erklärt Reitz. Das sei ein großer Grund und schrecke Interessenten ab. „Zum Beispiel aus dem Schuh- und Textilbereich oder dem Lebensmittelhandel. Auch Zara musste lange suchen“, erklärt der WSP-Direktor. Die Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt seien aber insgesamt gut, sagt Horst Lenk als Sprecher des Einzelhandels. „In einer Umfrage haben viele Pforzheimer Kunden gesagt, es gibt hier alles was man braucht. Auch Qualität und angemessene Preise.“ Dennoch achten gerade Händler hochwertiger Produkte auf die Umgebung, betont Oliver Reitz. Dort müsse man ansetzen.

Stadt hat wenig Einfluss auf Mieter-Auswahl

Ein-Euro-Shops, Friseurläden, Imbissbuden oder Nagelstudios scheint die Innenstadt jedenfalls nicht abzuschrecken. „Das sind alles Beispiele für kleine Anbieter, die im Zweifel nicht viel investieren müssen und auch keine große Fläche brauchen“, sagt Reitz. „Die sind schnell drin.“ Und – wenn nötig – eben auch schnell wieder draußen. Dabei habe die Stadt kaum Einfluss darauf, welche Geschäfte sich wo ansiedeln. „Wir können natürlich keinem Eigentümer vorschreiben, welchen Mieter er nimmt.“ Man wolle sie aber stärker dafür sensibilisieren, auch mal andere Geschäfte in den Blick zu nehmen. „Die Stadt lebt nun einmal von Vielfalt und Qualität“, sagt der WSP-Direktor. „Wenn jemand ein Geschäft in Pforzheim eröffnen will, wäre es vielleicht besser, wenn es kein Dönerladen ist, sondern ein kleines Café. Gerade im Hinblick auf die schon bestehende Konkurrenz.“ Positive Beispiele gebe es bereits. Etwa in der Dillsteiner Straße und rund um den Sedanplatz. „Da hat sich richtig was getan.“

Die neue Fußgängerzone soll das Problem lösen

Die neue Fußgängerzone 2018 soll’s nun in der Innenstadt richten. „Wir wollen Räume ordnen und eine Wohlfühlatmosphäre schaffen. Fassaden und Bodenbelag werden erneuert. Und es wird umgestaltet“, sagt Reitz. So will man die Händler wieder für Pforzheim begeistern. Auch für die Gastronomie werde die Innenstadt dann attraktiver. Die Kaufkraft jedenfalls sei nicht das Problem. „Die ist da, muss aber wieder in die Stadt gelenkt werden, da sie oft aus der Region kommt.“ Und wer einmal im Auto sitze, fahre auch schnell weiter – nach Stuttgart oder Karlsruhe. „Die Stadt hat erkannt, dass es höchste Zeit ist, zu handeln. Durch die neue Fußgängerzone werden sich die Rahmenbedingungen verbessern“, sagt Lenk. Bis dahin gebe es zwar eine Durststrecke, „aber wir sind auf einem guten Weg“.

 

Weitere Einsendungen zur Leseraktion „Was Pforzheim wirklich bewegt“ sind noch bis zum 23. Oktober per E-Mail an redaktion.pforzheim.aktionen@bnn.de möglich. Vorschläge können auch als Postkarte in der Geschäftsstelle des Pforzheimer Kurier, Westliche Karl-Friedrich-Straße 24, abgegeben werden.