Walzerseligkeit:  Ganz im Zeichen der Wiener Operette stand das Open-Air-Konzert der Philharmonie Baden-Baden bei der Philharmonischen Parknacht in der Lichtentaler Allee.
Walzerseligkeit: Ganz im Zeichen der Wiener Operette stand das Open-Air-Konzert der Philharmonie Baden-Baden bei der Philharmonischen Parknacht in der Lichtentaler Allee. | Foto: Hennigs

Parknacht in Baden-Baden

Baumriesen strahlen bunt

Tische, weiße Tafelwäsche, Kandelaber, ploppende Sektkorken allenthalben und die Aussicht auf ein hochkarätiges Konzert und sternenklaren Sommerhimmel haben eine immense Sogwirkung entwickelt. Die Philharmonie rief und Baden-Baden machte die Lichtentaler Allee bei der Philharmonischen Parknacht 2016 mit vereinten Kräften innerhalb von wenigen Stunden zu einem aparten Gesamtkunstwerk, in dessen Mittelpunkt die Menschen standen.
Dass der Zuspruch weitaus größer war als in den vergangenen Jahren ließ sich unschwer erkennen. Auch Ralf Schlichter von der mitorganisierenden Baden-Baden Events war beeindruckt, als sich bereits um 18 Uhr die Wiese hinter den 1 200 vor der Bühne aufgestellten Stühlen rasch mit Decken und Camping-Equipment, edel aufgehübscht, zu füllen begann.

Das Ambiente passt: Viele Besucher genießen die Philharmonische Parknacht mit einem stilvollen Picknick.
Das Ambiente passt: Viele Besucher genießen die Philharmonische Parknacht mit einem stilvollen Picknick. | Foto: Krause-Dimmock

„Wir haben aus dem vergangenen Jahr gelernt“, zeigte Gabi Jussek stolz den mit Damast aufgepeppten Tisch, um den sie mit ihren Freundinnen Platz genommen hatte. Die Decke des Vorjahres sei nicht ganz so komfortabel gewesen.

Aber nicht nur dieser Abschnitt der Lichtentaler Allee füllte sich. Vom Stadtmuseum bis zum Theater war sehr viel Leben, so dass die 10 000er-Marke bei den Besuchern in diesem Jahr überschritten worden sein könnte. Auf der selbst für Fahrräder gesperrten Straße fuhren Gastronomen auf, was Keller und Küche zu bieten haben. Dort vermochte sich der Flaneur und Event-Fan trefflich zu stärken, wenn er seinen „Museums-Lauf“ beendet hatte. Die Häuser in der Allee wirkten bei der Parknacht mit und lockte viele Besucher an. „Sonderkonditionen, das hat schon was“, fand Frank Gerber, der quasi mit Kind und Kegel gekommen war, um das Angebot zu nutzen. Einzig der Umstand, dass die Tische in Windeseile belegt waren, empfand er als kleines Manko.

Dafür hatte der Nachwuchs Gelegenheit, sich im Open-Air-Kunstatelier vor dem Stadtmuseum im Alleehaus mit selbst gefertigten Masken auszustaffieren. Waren einige der kleinen Hände noch nicht ganz so fix beim Malen und Schnippeln, gab es kompetente Hilfe und vor allem jede Menge Farbe und Kleber.
Licht in vielen Farbtönen eroberte mit der langsam einbrechenden Dunkelheit zunehmend den botanischen Teil des Gesamtbildes. 250 Strahler in ganz unterschiedlicher Position und Couleur zauberten ein wechselndes Bild auf die Baumriesen und Gebäude in der Alle. Sie schufen eine stimmungsvolle Kulisse für das Open-Air-Konzert der Philharmonie unter der Leitung ihres Chefdirigenten Pavel Baleff mit bekannten Melodien aus Operetten. Blaue Lichter in den Gebüschen wirkten, als hingen dort kräftig schimmernde Trauben, während zarte Impulse aus Lila, Rot und intensivem Grün das weitere Areal illuminierten. Das galt auch für die Büste der Kaiserin neben dem Museum Frieder Burda, die extrem viel Nachbarschaft genießen durfte.
Wenngleich von dort aus kaum der Blick auf die Bühne möglich ist, reihte sich Decke an Decke. Ausstaffiert mit Funk via Knopf im Ohr war auch Gartenamtschef Markus Brunsing im Dauereinsatz. Sein Team hatte den Park auf diese harte Belastungsprobe vorbereitet und kümmerte sich später darum, dass die Spuren des Marathon-Edel-Picknicks keine unschönen Erinnerungen wachrufen.                                    Christiane Krause-Dimmock