Cathy Milliken (im weißen Oberteil) hat eigens für Bruchsal ein experimentelles Musikstück komponiert.
Cathy Milliken (im weißen Oberteil) hat eigens für Bruchsal ein experimentelles Musikstück komponiert. | Foto: Martin Heintzen

Musik-Projekt "Spurensuche"

Cathy Milliken komponiert für Bruchsal

Ungewöhnliche Töne wandern durch das loftartige Stockwerk: Aus einer Ecke trällert eine Klarinette, auf der anderen Seite des Raumes sitzen ein paar jugendliche Gitarristen zusammen, Saxofone und Querflöten werden ausgepackt, Notenständer aufgestellt, Notenblätter verteilt, drei Mädchen mit Glitzermützen tuscheln aufgeregt. Es ist die erste gemeinsame Probe von mehr als 100 Menschen aus verschiedenen Bruchsaler Ensembles. Für das Projekt „Spurensuche“ des Netzwerks Neue Musik hat die Komponistin Cathy Milliken eine Collage aus Musik und Texten für und über Bruchsal erarbeitet: Eine Komposition im experimentellen Stil der Neuen Musik.

Zahlreiche Ensembles aus Bruchsal wirken mit

Unter den Bruchsaler Gruppen sind die Schulbands des Heisenberg-Gymnasiums und des Gymnasiums St. Paulusheim, drei Ensembles der Musik- und Kunstschule Bruchsal sowie mehrere junge Sängerinnen und Sänger aus den Reihen der Schlossspatzen. Drei Tanzgruppen von Christel Nowozamsky-Gharibs Atelier der Künste liefern Choreografien zur Musik. Bisher hat jede Gruppe für sich geprobt. „Wir kennen nur unseren eigenen Teil, das wird jetzt sehr spannend“, sagt Heike Scheuer vom Klezmer-Trio Shtetl Tov. „Das Schwierigste wird sein, die Gruppen zusammenzubringen“, ergänzt Heinz Huber, der die Bands des Heisenberg-Gymnasiums und des St. Paulusheims betreut.

Das Projekt ist für alle Ensembles aufregend, und für Bruchsal ein absolutes Novum, wie Ulyka Wagner vom Verein Junge Gitarristen erklärt: Zum ersten Mal werde ein Projekt mit Neuer Musik realisiert, und zum ersten Mal seien so viele unterschiedliche Gruppen beteiligt. „Für unsere Jugendlichen ist es eine besondere Herausforderung, neue Formate darzustellen“, so Wagner. Etwa, dass die Musiker sich im ganzen Raum bewegen und die Musik teilweise aus unterschiedlichen Richtungen kommt. „Es sind musikalische Mosaiksteine“, sagt Cathy Milliken, die Komponistin. Sie steht in der Mitte des Raumes, macht Notizen. Immer wieder kommen Kinder und Jugendliche auf sie zu, fragen, wie Notenständer aufgestellt und Musikinstrumente angeordnet werden sollen.

Musikalische Zukunftsvisionen für Bruchsal

Die gebürtige Australierin hat bereits Werke für Theater, Radio oder Oper geschrieben und mit Größen wie Frank Zappa, György Ligeti und Karlheinz Stockhausen zusammengearbeitet. „Das Projekt Spurensuche hat mich als Komponistin angefragt und ich habe ohne viel zu ahnen zugesagt“, erklärt Milliken. Sie hat in der Stadt recherchiert und per Fragebogen zahlreiche Betrachtungen über Bruchsal gesammelt. Daraus entstand eine etwa einstündige Collage aus Musik und Texten – vertonte Antworten auf die Frage, welche Zukunftsvisionen es gibt für das gemeinsame Leben in Bruchsal und wie sich das in Musik und unkonventionelle Darstellungsformen umsetzen lässt.

Auch die kleinen Tänzerinnen vom Bruchsaler Atelier der Künste sind Teil von "Spurensuche - Brusl".
Auch die kleinen Tänzerinnen vom Bruchsaler Atelier der Künste sind Teil von „Spurensuche – Brusl“. | Foto: Martin Heintzen

Nachdem Technik, Instrumente und die Künstler ihre Plätze gefunden haben, greift Cathy, wie sie von den Mitwirkenden genannt wird, zum Mikrofon: „Willkommen alle“, sagt sie mit ihrem leichten australischen Akzent und beginnt, den Ablauf der Probe zu erklären. Die Blechbläser beginnen, dann spazieren die Gitarrenspieler singend auf die Raummitte zu. „Wie wollen wir leben?“, beginnt BLB-Regisseur Joerg Bitterich zu sprechen. Im Zuschauerraum sitzt der Bruchsaler Kulturamtsleiter Thomas Adam. „Bei der Neuen Musik geht es um Klangerlebnisse“, sagt er. „Ich bin von diesem Abenteuer ganz fasziniert. Dass ein Werk extra für Bruchsal geschaffen wird, ist etwas ganz Besonderes.“

Uraufführung am kommenden Samstag

Das Musikprojekt „Spurensuche – Brusl“ mit Cathy Milliken und zahlreichen Bruchsaler Ensembles wird am Samstag, 15. Oktober, um 19 Uhr im Triwo-Technopark Bruchsal, Gebäude 5112, im 5. OG uraufgeführt. Kostenfreie Einlasskarten sind in der Touristinformation sowie bei der Auskunft im Rathaus am Marktplatz erhältlich. Ergänzend bietet das Ensemble Klank am Samstag zwischen 10 und 13 Uhr auf dem Bruchsaler Marktplatz experimentelle Neue Musik zum Kennenlernen.

Informationen zum Projekt „Spurensuche“ des Netzwerks Neue Musik gibt es hier.