Futsal-Pionier: Timo di Giorgio (rechts im Trikot des FC Portus Pforzheim) trifft mit der deutschen Nationalmannschaft auf England.
Futsal-Pionier: Timo di Giorgio (rechts im Trikot des FC Portus Pforzheim) trifft mit der deutschen Nationalmannschaft auf England. | Foto: Rubner

Botschafter für Futsal

Timo di Giorgio fiebert Länderspiel-Premiere entgegen

Mit dem Namen Arthur Hiller kann Timo di Giorgio nichts anfangen. Dabei steht der 28-jährige Karlsruher kurz davor, eine ähnliche Rolle wie der erste Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft zu übernehmen. Der einst für den 1. FC Pforzheim aktive Hiller führte die deutsche Elf in deren erstem offiziellen Länderspiel am 5. April 1908 (3:5-Niederlage in Basel gegen die Schweiz) an, gut 108 Jahre später gilt Di Giorgio als heißer Kandidat auf dieses Amt im unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes neu gegründeten Futsalteam. Dieses absolviert seine ersten offiziellen Vergleiche am Sonntag (15 Uhr) und Dienstag (18 Uhr) jeweils gegen England in Hamburg, das sich im Rennen um die Austragung der geschichtsträchtigen Ereignisse gegen Pforzheim durchsetzte.

Das scheint mich zu beflügeln.

Ob er nun mit Binde am linken Oberarm aufläuft oder nicht ist für di Giorgio, in der Futsal-Regionalliga Süd für den FC Portus Pforzheim am Ball, sekundär. „Ich bin froh, wenn ich Einsatzminuten bekomme“, gibt er sich kurz vor der Abreise in den Norden bescheiden. Dass auf den KIT-Studenten eine prägendere Rolle wartet, ist nicht unwahrscheinlich. Im Frühjahr 2016 trug er in einem der beiden inoffiziellen Testspiele in Georgien die Kapitänsbinde und stand zweimal in der Startformation.

„Jetzt werden die Karten aber neu gemischt“, meint Di Giorgio, der momentan eine Hochphase seines sportlichen Wirkens erlebt. Für den FC Portus erzielte er am vergangenen Wochenende vier Tore, beim Fußball-Verbandsligisten FC Friedrichstal traf er zuletzt sechsmal in fünf Spielen. „Das scheint mich zu beflügeln“, sagt Di Giorgio zum Hype um den Nischensport, für den er sich als einziger Spieler aus Süddeutschland im 18-köpfigen Kader stark macht. „Es freut mich, dass Futsal endlich den Stellenwert bekommt, den es verdient. Denn es ist ein attraktiver Sport, bei dem immer etwas passiert.“

Prominenter Fürsprecher

Die Länderspiel-Premiere in Hamburg wird begleitet von großem Medienrummel, im Vorfeld präsentierte sich Fußballlegende Horst Hrubesch als prominenter Fürsprecher. Zudem sind beide Partien live auf Sport1 zu sehen. Sowohl Deutschland als auch England gelten im Futsal im Gegensatz zum großen Bruder Fußball als Entwicklungsländer. „Die Engländer sind schon etwas länger dabei, aber ich erwarte Spiele auf Augenhöhe“, sagt Di Giorgio.

Weg zur Futsal-EM
Erstes großes Ziel der deutschen Futsal-Auswahl ist die EM-Endrunde Anfang 2018 in Slowenien. Voraussetzung dafür ist zunächst Platz eins in der Qualifikationsgruppe C mit Gastgeber Lettland, Estland und Armenien vom 23. Januar bis 1. Februar 2017. In der Hauptrunde mit sieben Vierergruppen wird dann vom 2. bis 12. April ermittelt, welche zwölf Teams die Endrunde bestreiten.
„Das Weiterkommen wäre eine Riesenüberraschung“, sagt Portus-Akteur Timo di Giorgio, der Deutschland langfristig eine starke Rolle in der Futsal-Welt zutraut. Noch steht der DFB europaweit auf Platz 54 unter 56 gemeldeten Verbänden.