Mädchen sind bei der Feuerwehr keine Seltenheit mehr. Das gilt auch in Walzbachtal-Jöhlingen.
Mädchen sind bei der Feuerwehr keine Seltenheit mehr. Das gilt auch in Walzbachtal-Jöhlingen. | Foto: Waidelich

Feuerwehr im Kreis Karlsruhe

Immer mehr Mädchen bei den Brandbekämpfern

Die Feuerwehr eine Männerdomäne? Mit Verlaub, dieses Bild ist längst überholt. Frauen und Mädchen langen bei den Brandbekämpfern der Feuerwehr in der Hardt mächtig zu und haben teilweise Führungs- und Ausbildungspositionen inne. Um den Nachwuchs bei den Feuerwehren ist es im Landkreis Karlsruhe gut bestellt. Der Jahresbericht der Feuerwehren zeigt, dass es insgesamt 1 794 Jugendliche im Alter von acht bis 17 Jahre gibt.

Feuerwehr: gute Nachwuchssituation

Die Feuerwehr in Linkenheim-Hochstetten kann das bestätigen. „Mit 37 Kindern geht es uns, was den Nachwuchs anbelangt, relativ gut“, sagt Kommandant Markus Wagner. Davon seien knapp 20 Prozent Mädchen. Eine gewisse Fluktuation bei den Jugendlichen ist laut Wagner normal. In der Pubertät werden eben auch andere Dinge interessant. Ganz besonders stolz ist der Kommandant in Linkenheim-Hochstetten auf die sieben Jugendlichen, die in die aktive Wehr übernommen wurden. Durch die Änderung im Feuerwehrgesetz können Jugendliche nun ab dem 17. Lebensjahr am Übungsdienst mit den aktiven Feuerwehrmännern und -frauen teilnehmen. „So ist der Wechsel von der Jugendabteilung zum aktiven Dienst fließend. Der Nachwuchs kann sich besser integrieren“, erklärt Wagner. Bei den aktiven Floriansjünger liegt der Frauenanteil in Linkenheim-Hochstetten laut Kommandant bei zehn bis 15 Prozent. „Bei uns sind alle gleichberechtigt. Da hat auch keiner ein Problem damit, wenn eine Frau vorne steht und sagt wo es lang geht“, sagt der Kommandant.

Florierende Jugendarbeit

Die Feuerwehr in Walzbachtal hat ebenfalls eine florierende Jugendabteilung. Insgesamt weiß Kommandant Thomas Buchholz 54 Jugendliche als Nachwuchskräfte bei sich in der Feuerwehr. Darunter sind 13 Mädchen. Auch in Walzbachtal haben neun Jugendliche (darunter drei Frauen) den Grundlehrgang bestanden und dürfen alsbald bei der aktiven Wehr mit eingreifen. „Dass es neun junge Leute schaffen, das gab es bislang noch nie“, sagt Buchholz.
Den Nachwuchs in der Abteilung Jöhlingen betreut Jugendwartin Saskia Hinz. Die 20-Jährige kam vor zwei Jahren als Quereinsteigerin zur Feuerwehr. „Mich reizen die Abwechslung und die verschiedenen Aufgaben“, erklärt Hinz. Es sei sehr schön, dass jeder seine Stärke miteinbringen kann. Außerdem empfindet Hinz die Kameradschaft intensiver als zum Beispiel im Fußballverein: „Man arbeitet hier ja auch anders miteinander“, erklärt die Pädagogin, die sich in der Jugendarbeit mit einbringt: „Es ist schön mit Teenagern zusammenzuarbeiten“, so Hinz.

„Richtige Menschen finden“

Für den Kreisbrandmeister Thomas Hauck ist der Nachwuchs sehr wichtig. „Es ist aber auch eine Kunst die richtigen Menschen zu finden“, findet Hauck. Er ist der Überzeugung, dass die Bereitschaft sich gegenseitig zu helfen, vor allem im ländlichen Bereich, wieder mehr in den Fokus der Menschen tritt. Das zeigen Unwetter- und Großschadenslagen wie beispielsweise in Braunsbach. Die Feuerwehren haben laut Hauck bei Kindern und Jugendlichen eine gewisse Chance, denn jeder will irgendwann mal Feuerwehrmann werden.
Dementsprechend „richtig gut aufgestellt“ ist die Jugendfeuerwehr in Graben-Neudorf. Die Jugendabteilung umfasst 37 Jugendliche, von denen sechs Mädchen sind. Ein lachendes und weinendes Auge hat der Kommandant aber dennoch: „Als langfristiges Ziel wollen wir eine Kinderfeuerwehr auf die Beine stellen und das Eintrittsalter von acht auf sechs Jahre senken“, erklärt Kommandant Hans-Peter Hoffmann. Das Problem sei aber, dass es bislang zu wenige qualifizierte Betreuer gebe, denn Kinder in diesem Alter benötigen einen ganz anderen Betreuungsgrad. „Das ist schade, dass wir da nicht das nötige Personal stellen können“, sagt Hoffmann.

Leider nicht so gut

Eine Ausnahme macht die Jugendabteilung der Feuerwehr in Weingarten mit 14 Jugendlichen. „Bei uns sieht es derzeit leider nicht so gut aus“, sagt Kommandant Günther Sebold. Im Gegensatz dazu hat Sebold bei seinen Aktiven keine Sorgen. „Wir hatten viele Seiteneinsteiger oder komplette Neueinsteiger im Alter von 25 bis 30 Jahren“, erklärt er. Zu den 55 aktiven Feuerwehrmännern gehören zehn Frauen, „die auch Führungsaufgaben wahrnehmen“, so der Kommandant. Die Feuerwehr in Weingarten war mal die mit dem größten Frauenanteil. „Das ist leider zwischenzeitlich aber nicht mehr so“, meint Sebold.

 

Oberster Feuerwehrmann im Landkreis Karlsruhe ist Kreisbrandmeister Thomas Hauck im Landratsamt. Dominik Schneider hat mit ihm gesprochen.

Thomas Huack ist Kreisbrandmeister im Landkreis Karlsruhe.
Thomas Hauck ist Kreisbrandmeister im Landkreis Karlsruhe. | Foto: pr

 

Wie sieht es derzeit mit dem Nachwuchs der Feuerwehren im Landkreis Karlsruhe aus?
„Unsere Zahlen können sich sehen lassen. In den 32 Gemeindefeuerwehren machen die Verantwortlichen unter dem Dach der Jugendfeuerwehr Landkreis Karlsruhe eine sehr gute Nachwuchsarbeit. Ende 2015 haben wir insgesamt 1 776 Kinder und Jugendliche. Davon sind 1 374 Jungen und 420 Mädchen. Vor allem bei den Mädchen hatten wir eine kleine Steigerung, im Vorjahr waren es 385.“
Werben die Feuerwehren speziell nach Mädchen im Nachwuchsbereich?
„Das Angebot der Jugendfeuerwehren richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen. Ein großer Prozentsatz der Aktiven wird durch die Jugendarbeit sichergestellt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Nachwuchsgewinnung sind die sogenannten Seiteneinsteiger. Vorschläge zur Werbung von bestimmten Personengruppen, unter anderem auch Frauen, kommen hier vom Arbeitskreis „plus 50“ des Kreisfeuerwehrverbandes. Beispielhaft sei hier die direkte Ansprache von ehemaligen Feuerwehrangehörigen erwähnt. Ein Glücksfall ist, wenn sich die ganze Familie in der Feuerwehr engagiert. Für die Feuerwehren ist es substanziell, den Nachwuchs zu halten und in die Einsatzabteilungen zu überführen.“
Kooperiert die Feuerwehr mit örtlichen Vereinen bei der Nachwuchsgewinnung?
„Die Feuerwehr als Einrichtung der Gemeinde steht eher in Konkurrenz zu den örtlichen Vereinen. Die Vernetzung des Ehrenamtes spielt aber in unseren Dörfern gegenwärtig und zukünftig eine überlebenswichtige Rolle. Solche gegenseitige Unterstützung im Alltag gibt es zwischen DRK und Feuerwehr beispielsweise bei den örtlichen Notfallhilfen, aber auch bei größeren Veranstaltungen hilft man sich gegenseitig. Den Kampf um den Nachwuchs führt aber jede Gruppierung für sich. Entscheidend sind meines Erachtens die Qualität und Flexibilität eines Angebotes.“