Maiswurzelbohrer
In einer Pheromonfalle gefangen sind diese Maiswurzelbohrer. Im vergangenen Jahr wurden 415 Tiere in 40 Fallen gefunden, die im ganzen Ortenaukreis verteilt waren. | Foto: dpa

Invasive Arten in der Ortenau

Maiswurzelbohrer reist über Flughafen ein

Unzählige Tier- und Pflanzenarten, die im Südwesten heimisch werden, kommen zuerst in der Ortenau an. Die mehr oder weniger schädlichen Arten gelangen über das Rhônetal aus dem Süden in die Region, oder aber als blinde Passagiere über die Verkehrswege der Ortenau. In iner Serie stellt der Acher- und Bühler Bote in den kommenden Wochen einige dieser invasiven Arten vor. Der erste Beitrag ist dem derzeit wohl bekanntesten Vertreter der invasiven Arten gewidmet: dem Maiswurzelbohrer.

 

Von Christine Strock

In Nordamerika trägt er den Namen „Milliarden Dollar Käfer“, weil er horrende Schäden in der Landwirtschaft verursacht. Der erste Maiswurzelbohrer in Deutschland ist 2007 in der Ortenau aufgetaucht – bislang ohne schwerwiegende Folgen, teilt das Landratsamt auf BNN-Anfrage mit. In diesem Jahr wurden erst ein paar Käfer entdeckt. „Wir haben es im Griff“, bestätigt auch Karl Silberer, Landwirt in Friesenheim-Schuttern und Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV).

Hauptflugzeit ab Anfang Juli

Die Käfer messen nur fünf Millimeter, aber können gravierende Schäden anrichten. Seit Anfang der 90er-Jahre gibt es ihn auch in Europa. In unseren Breiten taucht er ab Mitte Juni auf, die Hauptflugzeit erstreckt sich von Anfang Juli bis Anfang September. Mit dem ersten Frost ist der Spuk dann wieder vorbei. Nach der Befruchtung fressen sich die Weibchen zwei Wochen lang an Blättern, Narbenfäden, Pollen und milchreifen Körnern der Maispflanzen reif. Danach legen sie bis zu 400 Eier in einer Tiefe von fünf bis 20 Zentimetern ab, benachbarte Felder können bis zu einer Entfernung von etwa zehn Metern vom Außenrand ebenfalls betroffen sein.

Karl Silberer
Karl Silberer ist Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands. | Foto: Christine Storck

Wirtschaftlich bedeutend sind in erster Linie die unterirdischen Schäden durch die Larven. Sie beeinträchtigen den Wasser- und Nährstofftransport innerhalb der Pflanze, begünstigen Infektionen durch Pilze und führen zum Verlust der Standfestigkeit. „Der Maiswurzelbohrer hat ein enormes Vermehrungspotenzial. Aber in der Ortenau sind wir von einer Gefährdung für die Landwirtschaft bisher zum Glück weit entfernt“, erklärt Volker Heitz, Pflanzenschutzberater beim Kreis. Tatsächliche Schäden seien erst ab einem Käfer pro Pflanze zu erwarten. Auf einem Hektar stehen normalerweise rund 80 000 Maispflanzen – folglich müssten es genauso viele Tiere sein, um weitreichende Ernteausfälle zu verursachen.

Bekämpfung war ein Riesenaufwand

Die Zahlen in der Ortenau halten sich seit dem erstmaligen Auftauchen des Maiswurzelbohrers im Jahr 2007 glücklicherweise sehr in Grenzen. Selbst im vergleichsweise schlimmsten Jahr 2011 seien nur knapp 2 000 Käfer an 110 verschiedenen Orten gefunden worden. Im Jahr 2014 waren es nur 156 Käfer an 29 Orten und 2015 415 Tiere an 40 über den Kreis verteilten Pheromonfallen. Warum es 2011 deutlich mehr waren als zuvor, lasse sich nicht sagen. Eine weitere Zunahme habe der harte Winter verhindert, auch das Hochwasser 2013 habe sich positiv ausgewirkt: Zahlreiche Eier seien schlicht ertrunken. „Wir sind bisher gut weggekommen. Aber die Bekämpfung am Anfang war ein Riesenaufwand“, sagt BLHV-Vize Karl Silberer. Er baut auf seinem Hof in Schuttern auf rund 95 Hektar Mais an. Der Rest seiner insgesamt 140 Hektar ist für Getreide reserviert. Silberer war einer der ersten, der 2007 den Schädling bei sich entdeckte. „Er ist über den Flughafen Lahr von Österreich gekommen. Mein Hof liegt genau in der Einflugschneise“, sagt er.

Käfer legt bis zu 1 000 Eier

Tatsächlich verbreitet sich der Maiswurzelbohrer nicht nur durch den Klimawandel, sondern vor allem durch den zunehmenden Güter- und Reiseverkehr, mit dessen Hilfe er in noch nicht befallene Gebiete gelangt, erklärt Volker Heitz. Als die ersten Tiere in der Ortenau auftauchten, habe das Landwirtschaftsamt umgehend die Bekämpfung gestartet. Es gab ein großflächiges Maisanbauverbot, außerdem wurden speziell behandeltes Saatgut und chemische Insektizide eingesetzt. Eine hundertprozentige Entwarnung für die Zukunft möchte Volker Heitz aber nicht geben. „Prognosen sind schwierig. Die Situation kann sich jederzeit ändern“, betont er. Man müsse ein Auge auf den Käfer haben. Die Weibchen könnten immerhin bis zu 1 000 Eier legen.