In einem Kino in Viernheim verschanzte sich der mutmaßliche Geiselnehmer, der Verdächtige ist tot.
In einem Kino in Viernheim verschanzte sich der mutmaßliche Geiselnehmer, der Verdächtige ist tot. | Foto: dpa

Großeinsatz in Viernheim

Bewaffneter Mann nimmt Geiseln im Kino

Großeinsatz im hessischen Viernheim: Ein Mann dringt mit einer Waffe in einen Kinokomplex ein und nimmt Geiseln. Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an und erschießt den Täter.

Bei einer Geiselnahme in einem Kino im südhessischen Viernheim ist der Täter von der Polizei erschossen worden. Die befreiten Geiseln und andere Menschen wurden an diesem Donnerstagnachmittag in dem Komplex neben einem großen Einkaufszentrum nicht verletzt, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Polizei habe den Mann im Kinokomplex lokalisieren können, dann sei es zu „einer Bedrohungssituation“ gekommen, sagte die Sprecherin. Daraufhin seien von der Polizei Schüsse abgegeben worden.

Wie viele Geiseln es waren und wie viele Menschen sich in dem Komplex aufhielten, war zunächst nicht bekannt. In mehreren Medienberichten war zuvor von Verletzten die Rede gewesen. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte im Landtag in Wiesbaden, gegen 14.45 Uhr sei ein erster Notruf eingegangen. Gemäß der Erstmeldung sei der Täter maskiert gewesen und habe eine Langwaffe – also ein Gewehr – bei sich gehabt. Ob es sich um eine scharfe Waffe handelte, sei unklar, sagte Beuth in Wiesbaden. Der Täter habe einen verwirrten Eindruck gemacht.

Polizei vermutet verwirrten Einzeltäter

Nach einer ersten Einschätzung der Sicherheitsbehörden gab es vermutlich keinen terroristischen Hintergrund. Bei dem Mann habe es sich mutmaßlich um einen verwirrten Einzeltäter gehandelt, hieß es aus Sicherheitskreisen weiter. Das Kino wurde von Einsatzkräften weiträumig abgesperrt. Hubschrauber kreisten über dem Gelände, schwerbewaffnete Polizisten waren vor Ort. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei war nach Angaben eines Sprechers per Hubschrauber von Frankfurt nach Viernheim geflogen.

Gewalttaten im Kino bisher vor allem aus den USA bekannt

August 2015:
Ein mit einer Softair-Pistole, einer Axt und Pfefferspray bewaffneter Mann wird in einem Kino nahe Nashville im US-Bundesstaat Tennessee von Polizisten getötet. Er hatte mit der täuschend echt aussehenden Nachbildung einer Pistole auf Einsatzkräfte geschossen und das Pfefferspray versprüht. In einem Rucksack hatte er zudem eine Bomben-Attrappe bei sich.

Juli 2015:
Während einer Filmvorführung in Lafayette (Louisiana) erschießt ein psychisch gestörter Mann zwei Frauen und verletzt neun weitere Menschen. Der Täter tötet sich kurze Zeit später selbst.

Juli 2012:
Während der Mitternachts-Vorführung eines „Batman“-Films tötet ein 24-Jähriger in einem Kino in Aurora (Colorado) zwölf Menschen und verletzt 70 zum Teil schwer. Er war unbewaffnet in das Kino gekommen, dann während des Films herausgeschlichen und mit militärischer Ausrüstung wie Helm und Schutzkleidung zurückgekommen, um in die Menge zu schießen.