Debatte um Hochwasserschutz in Rappenwört
Ansturm auf das Freibad Rappenwört | Foto: jodo

Ärger wegen Hochwasserschutz

Mauer um Karlsruher Freibad Rappenwört

Eine vier Meter hohe und 1 400 Meter lange Spundwand am Rheinstrandbad Rappenwört sieht die Planfeststellung für den geplanten Polder Rappenwört vor – dies löst nun verstärkten Protest aus. Zumal zeitgleich die Höherlegung der Hermann-Schneider-Allee um mindestens zwei Meter geplant ist. Robert Mürb von den Oberrheinischen Waldfreunden schlägt Alarm.

Rappenwört mit  „Berliner Mauer“

In einem Brief an Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) warnt er eindringlich vor den Folgen. „Die Öffentlichkeit und die Entscheidungsgremien sind sich offensichtlich der Tragweite dieses unseres Erachtens unverantwortlichen Landschaftseingriffes nicht bewusst.“ Mürb sagte gegenüber den BNN, dass nach Aussage von Experten „aus wasserbautechnischer Sicht dieser Eingriff nicht notwendig ist“. Das letzte Mal seien 1952 die zu schützenden Landschaftsteile des Rheinstrandbades überflutet worden. Mürb will nun, dass sich der Minister für eine „Visualisierung“ dieser Spundwand („Ausmaße wie die Berliner Mauer“) einsetzt.

Vier Meter – das ist doch gewaltig

Auch die Grüne-Gemeinderatsfraktion verlangt diese Visualisierung, etwa durch Lattengerüste. Fraktionschef Johannes Honné sieht diese Wand sehr skeptisch: „Vier Meter – das ist doch gewaltig.“ Laut Honné dient sie im wesentlichen dem Schutz der Parkplätze und dies auf Initiative der Stadt. „Das verstehen wir gar nicht. Das Argument ist, dass der Schwimmbadbetrieb bei Hochwasser möglich sein soll!“, so Honné. Bereits vor einem Jahr forderte auch die Kult-Fraktion eine handfeste Visualisierung, passiert ist seither allerdings nichts. Auf einem Planentwurf des zuständigen Regierungspräsidiums (RP) umgibt die Spundwand die komplette der Stadt zugewandte Seite des Schwimmbadareals samt Parkplätzen.

 

Der geplante Polder Bellenkopf/Rappenwört erstreckt sich von Neuburgweier bis zum Rheinhafendampfkraftwerk. Er soll im Falle eines Hochwassers 14 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Über fünf Ein- und Auslaufbauwerke im Rheinhauptdamm soll der Polder kontrolliert werden. Insgesamt sind 590 Bauwerke von dem Polder-Bau betroffen. Die L 566 soll neu gebaut, der Damm saniert, der Verbindungsdamm neu errichtet, Spundwände und Grünbrücken werden genauso gebaut wie neue Brunnen, Drainagen und Teiche. Das Wildgehege wird aufgelöst. Die Höherlegung der Hermann-Schneider-Allee samt Straßenbahngleisen sichert laut RP die freie Zugänglichkeit des Naherholungsraums Rappenwört. Das Belassen auf derzeitigem Niveau würde den Zugang bei Überflutungen massiv und (wegen Räum-, Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten) zum Teil über einen längeren Zeitraum einschränken und hohe Betriebs- und Unterhaltungskosten verursachen. Ein Belassen auf derzeitigem Niveau wäre zudem straßenbahntechnisch äußerst problematisch und nicht genehmigungsfähig, heißt es weiter. Die Ein- und Auslassbauwerke 3 und 4 sowie sämtliche Einrichtungen im Rheinpark Rappenwört müssten auch im Hochwasserfall jederzeit erreichbar sein. Vier Durchlässe sind unter der „neuen“ Allee vorgesehen, um einen ungehinderten Wasserdurchfluss zu gewähren, hinzu kommen Röhren für Kleintiere.
Die bei der Bürgerinformationsveranstaltung im Mai 2015 versprochene Videosimulation hält Honné für wenig aussagekräftig. In der Tat: Wer auf der RP-Seite die Animation anklickt, erhält eine fast idyllisch wirkende Darstellung samt „begrünter“ Spundwand. Der Erörterungstermin für das Polderprojekt sollte bis Sommer 2016 stattfinden. Gegen den Polderbau gibt es offenbar 300 Einwendungen.

Weitere Informationen über den Polderbau findet man hier.