Einzigartiges Autogramm: In Maurizio Capponis Buch hat Bud Spencer trotz Krämpfen mit vollem Namen unterschrieben.
Einzigartiges Autogramm: In Maurizio Capponis Buch hat Bud Spencer trotz Krämpfen mit vollem Namen unterschrieben. | Foto: Pfitzenmeier

"Frecher Spaßvogel"

Kieselbronner erinnert sich an Bud Spencer

Man erzählt sich gerne die Anekdote, dass Carlo Pedersoli alias Bud Spencer eine Schwäche für deutschen Kaffee hatte. Nur mit dem Preis haderte er immerzu. Der war ihm zu hoch, schließlich kostet ein Espresso in Italien nur 50 Cent. Oder dass die italienische Frau von Terence Hill keine Spaghetti kochen konnte – eine große Beleidigung in Italien –, weshalb er sich mit seinem Freund Pedersoli immer in Rom treffen musste, um gute Spaghetti zu essen. Maurizio Capponi hat noch mehr Geschichten wie diese auf Lager über Bud Spencer, den Mann mit dem in unzähligen Filmen ausgeführten Dampfhammerschlag.

Ich dachte, der stirbt nie

Er hat Spencers Biografie „Mein Leben, meine Filme“ mehr als einmal verschlungen, jetzt – einige Tage nach dem Tod des Tausendsassas – wühlt er sich noch einmal durch Bücher und gesammelte Zeitungsartikel. Es fällt ihm mit 76 Jahren zwar etwas schwer, aber Capponi bleibt in diesen Tagen sogar länger wach. Er will die alten Filme mit Spencer und dessen kongenialen Partner Terence Hill gemütlich in seinem Wohnzimmer in Kieselbronn schauen. „Ich freue mich, dass die Filme mit Pedersoli heute besser bewertet werden als früher“, sagt der Rentner, der seit 55 Jahren in Deutschland lebt. Capponi spricht nicht von Bud Spencer, er nennt ihn stets Carlo Pedersoli, so der bürgerliche Name des Schauspielers, Stuntman, Erfinders und Komponisten. Als der Kieselbronner vom Tod des Filmstars erfuhr – Ehefrau Christel hatte ihm die Meldung auf dem Smartphone gezeigt – traf ihn das schwer. „Ich dachte, der stirbt nie.“

Als Dolmetscher war Maurizio Capponi (gestreiftes Hemd) vor fünf Jahren dabei, als Bud Spencer in Pforzheim Exemplare seiner Biografie signierte.
Als Dolmetscher war Maurizio Capponi (gestreiftes Hemd) vor fünf Jahren dabei, als Bud Spencer in Pforzheim Exemplare seiner Biografie signierte. | Foto: Wacker

In Zeiten von Berlusconi sei Pedersoli ein Mann gewesen, der das Bild von Italien im Ausland etwas aufpoliert habe. Besonders in Deutschland sei der ehemalige Weltklasse-Schwimmer sehr beliebt gewesen. Von der einzigartigen Ausstrahlung Pedersolis konnte sich Maurizio Capponi selbst überzeugen. Am 3. Dezember 2011 bildete sich eine lange Schlange in der Pforzheimer Fußgängerzone: Bud Spencer kam zur Signierstunde in die Buchhandlung Thalia – mittendrin im Getümmel: Maurizio Capponi. Genauer gesagt, stand er direkt hinter Bud Spencer.

Spencer geizte nicht mit Lob für seine Schauspielerkollegen

Als Dolmetscher übersetzte er die Fragen der Fans für den damals 82-jährigen Italiener. Eine Episode, an die sich der gelernte Uhrmacher gerne erinnert. „Er ist ein Spaßvogel ohne Ende, frech und spontan, aber vor allem sehr friedfertig und gutmütig.“ Denn Spencer geizte nicht mit Lob für seine Schauspielkollegen. So habe er immer dagegen angekämpft, dass die Arbeit der Stuntmänner unterbewertet wurde. Schließlich machten die wild und überzeichnet durch die Luft fliegenden, von dem Hünen mit „Faustschlägen“ traktierten Gegenspieler gerade den besonderen Charme der Bud- Spencer-Filme aus.

Würde das Buch nicht für eine Million Euro hergeben

700 Bücher hat Carlo Pedersoli vor fünf Jahren in Pforzheim signiert, alle mit „B. S.“ – bis auf eines: In das Exemplar des Kieselbronners hat die Filmlegende geschrieben: „Per Maurizio, Bud Spencer“. Schon während des Autogramm-Marathons hatte Spencer immer wieder einen Krampf in der Schreibhand bekommen. Am Ende nahm er seine ganze Kraft zusammen und signierte Capponis Buch mit seinem vollständigen Künstlernamen. „Ich würde das Buch nicht für eine Million Euro hergeben“, sagt Capponi, der davon überzeugt ist, dass er deshalb zu Bud Spencer einen besonderen Draht gefunden habe, weil sie beide eine Verbindung zur italienischen Provinz Brescia eint.

Kurzes Gespräch in Lombardischem Dialekt

Capponi kam 1940 in der Stadt Brescia auf die Welt, Bud Spencers Ehefrau und Schwiegermutter stammen aus der gleichnamigen Provinz. Da kann ein kurzes, im für jene Region typischen Lombardischen Dialekt geführtes Gespräch, schnell das Eis brechen und Wunder bewirken – wie eben eine einzigartige Unterschrift oder die Einladung, ihn, den großen Bud Spencer, in Rom zu besuchen. „Leider ist es dafür jetzt zu spät“, sagt Capponi, der Uhrmacher, der allzu gern an der Lebensuhr von Bud Spencer gedreht hätte, um ihm noch das eine oder andere Jahr zu schenken.