Geschichte pur findet sich in den Römischen Badruinen, die 1846 zufällig entdeckt wurden und heute noch Zeugnis geben von der Güte der römischen Badekultur.
Geschichte pur findet sich in den Römischen Badruinen, die 1846 zufällig entdeckt wurden und heute noch Zeugnis geben von der Güte der römischen Badekultur. | Foto: Beatrix Ottmüller

Badruinen Baden-Baden

Mehr als ein Insidertipp

Baden-Baden ist im Sommer auch an „Schmuddeltagen“, so wie am Wochenende gerüstet: Bäder sei Dank. Im Blickpunkt dabei: Die Römischen Badruinen, die mehr über die Ursprünge der Badekultur in Baden-Baden verraten. Versteckt unter dem Römerplatz und verbunden mit der Tiefgarage der Caracalla-Therme, laden sie zu einem Spaziergang in die Römerzeit ein, als Baden-Baden bereits als Heilbad geschätzt und geliebt wurde.

Die Quellen der Bäderstadt wurden vor der römischen Herrschaft bereits von den Kelten entdeckt und als Quellen gefasst. Die Römer, die eine ausgedehnte Badekultur hatten und Wert auf einen sauberen und gepflegten Körper legten, bauten etwa vom Jahr 70 bis 100 nach Christus das Hygienebad, auch „Soldatenbad“ genannt, das sich unter dem heutige Friedrichsbad befindet. Bereits bei Ovid, der von 43 vor Christus bis 17 nach Christus lebte, ist nachzulesen, wie man seinen Körper reinigt und für ein gepflegtes Erscheinungsbild sorgen sollte. Besonders der Pflege von Nägel, Körperhaar und Mund sollte man Zeit widmen.

Ovid weiß Bescheid

Ovid liefert eine genaue Beschreibung dazu, wie das bei Frauen und Männern vonstattengehen sollte. In den Römischen Badruinen, die 1846 durch Zufall bei Bauarbeiten entdeckt wurden, kann man Teile der drei Baderäume heute noch sehen. Gebadet wurde damals zu verschiedenen Zeiten. Frauen und Kinder hielten sich morgens im Bad auf, der Nachmittag und Abend war für die Herren reserviert. Ein Aufenthalt dauerte mindestens vier Stunden. Der Badegast wurde im Apodyterion empfangen, wo man sich auskleidete, den gröbsten Schmutz abwusch und dann ins Tepidarium wechselte. Dort wurde Körperpflege betrieben, unter anderem gab es einen Epiktetus, der die Körperhaare entfernte, man verweilte, unterhielt sich, aß etwas, spielte Gesellschaftsspiele. Dann erst ging es zum Caldarium zum Baden.

Die raffinierte Heiztechnik, die durch Schächte unter dem Boden und durch Ziegel an den Wänden mit heißen Luftströmen für die richtige Raumtemperatur sorgte, ist heute noch zu sehen. Die Römer hatten sich die Technik der Wand- und Bodenheizung von den Griechen abgeschaut, die sie wiederum von den Ägyptern kopierten.

Heizung 2000 Jahre alt

Vor einer rund 2 000 Jahre alten Fußbodenheizung zu stehen, ist sehr beeindruckend und fasziniert die Besucher immer wieder. Um die Ruinen vor dem Verfall zu schützen wurde extra ein warmes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit geschaffen, das per moderner Messgeräte permanent kontrolliert und angepasst wird. Das Museum kann man entweder bequem per Audio-Guide, den es in Deutsch, Französisch und Englisch gibt, erkunden oder man schließt sich einer Führung an, in der das Leben und die Kultur der Römer in Baden-Baden, dem damaligen Aquae Aureliae, erläutert und vorgestellt wird.

Museumsführerin Patricia-Maria Tosana erläutert die Fußbodenheizung der Römischen Badruinen.
Museumsführerin Patricia-Maria Tosana erläutert die Fußbodenheizung der Römischen Badruinen. | Foto: Beatrix Ottmüller

Zur besseren Vorstellung gibt es zusätzlich eine Computer-Animation, die das ursprüngliche Hygienebad rekonstruiert. Zudem ist es im Modell zu sehen. Ein dreiköpfiges Team kümmert sich um die Besucher. Führungen werden in Deutsch, Französisch, Englisch, Russisch und Griechisch angeboten, zudem gibt es spezielle Kinderführungen. Während der Wintermonate sind die Römischen Badruinen geschlossen. Gruppenführungen könnten jedoch jederzeit nach Absprache gebucht werden.

Autorin: Beatrix Ottmüller

Service:

Die Römischen Badruinen befinden sich unter dem Friedrichsbad. Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 11 bis 12 Uhr und 15 bis 16 Uhr. Gruppenführungen auf Anfrage auch außerhalb der Öffnungszeiten. Eintrittspreise: Erwachsene 2,50 Euro, Kinder 1 Euro. Vom 16. November bis 15. März sind die Römischen Badruinen geschlossen. Kontakt: Telefon (0 72 21) 27 59 40, E-Mail: info@carasana.de,
Internet: www.carasana.de