AUSSCHNITTVERGRÖSSERUNG KANN JEDER: Wer mehr als nur Basis-Fotofunktionen möchte, muss diese freischalten oder eine Extra-App auf dem Smartphone installieren.
AUSSCHNITTVERGRÖSSERUNG KANN JEDER: Wer mehr als nur Basis-Fotofunktionen möchte, muss diese freischalten oder eine Extra-App auf dem Smartphone installieren. | Foto: Warnecke

Tuning für die Handy-Kamera

Mehr als Schnappschüsse

Von Thomas Schörner

Ob auf Reisen, für ein Selfie oder für das schnelle Foto der angeschriebenen Öffnungszeiten beim Lieblingsfriseur: Das Smartphone hat die Kompaktkamera nahezu komplett ersetzt. „Schon ab Werk bietet die Handy-Kamera zahlreiche Funktionen“, sagt Heico Neumeyer – zum Beispiel unterschiedliche Seitenverhältnisse, HDR-Kontrastverbesserung, Panoramaaufnahmen oder Selbstauslöser. „Ein Nachtmodus verbessert die Bildqualität in dunkler Umgebung, Gesichtserkennung hilft bei Portraits und Selfies“, erklärt der Mitarbeiter der Fachzeitschrift „Color Foto“.

Funktionen für Fortgeschrittene

Einige Hersteller bieten für fortgeschrittene Nutzer auch umfangreichere Profi-Funktionen. Die muss man, beispielsweise bei Samsung-Geräten, erst in den Einstellungen freischalten. „Dann steuern Sie zum Beispiel Belichtungszeit und Empfindlichkeit – damit entscheiden Sie wesentlich über Bildrauschen und die Wirkung eingefrorener Bewegungen“, sagt Neumeyer.

Hauptsache, es geht schnell

Manche Profifotografen wie Robert Kneschke aus Köln sehen die Fotoaufnahme mit dem Smartphone eher pragmatisch: „Ich nutze vor allem die hauseigene Kamera-App von Apple, weil sie die einzige ist, die vom Sperrbildschirm aufrufbar ist und somit am schnellsten erreichbar ist.“ Ihm kommt es bei allen Einstellungsparametern auch auf Schnelligkeit an. Man sollte vermeiden, dass „die Einstellungen so lange dauern, dass das Motiv wieder weg ist“.

Bordmittel genügen nicht jedem

Bei Fotoaufnahmen sollte vorab klar sein, was man von einem Handy erwarten kann. „Die Stärke des Smartphones ist einfach seine Flexibilität, aber für professionelle Bearbeitung muss es schon eine Spiegelreflexkamera sein“, betont Fotograf Joachim Jagomast aus Berlin. Und gerade anspruchsvolle Fotografen geraten mit den vorinstallierten Apps immer wieder an Grenzen. Abhilfe bieten zusätzliche Apps wie die folgenden.

Open Camera

„Zu den besten kostenlosen Kamera-Apps für Android“ zählt Heico Neumeyer Open Camera. Die Open-Source-Anwendung lässt sich sehr effizient anstelle von vorinstallierten Aufnahme-Tools verwenden. Zahlreiche Nutzer arbeiten kostenlos an der Verbesserung der App. Die Oberfläche ist einfach gehalten, erlaubt aber ein großes Bearbeitungsspektrum – zum Beispiel die Belichtung anpassen oder Features wie Bildstabilisierung oder Timer verwenden.

EFFIZIENT: Experten zählen Open Camera zu den besten kostenlosen Fotografie-Apps für Android. Foto: Harman
EFFIZIENT: Experten zählen Open Camera zu den besten kostenlosen Fotografie-Apps für Android. Foto: Harman

ProCam4

Für iPhone-Nutzer empfiehlt Foto-Journalist Neumeyer die App ProCam 4 für rund fünf Euro. Zahlreiche Aufnahmemodi wie Nachtmodus, Langzeitaufnahmen oder Serienbilder, manuelle Bildschärfe, Belichtung, ISO oder Weißabgleich richten sich bereits an Smartphone-Nutzer mit Foto-Erfahrung – diese sollten nahezu keinen Unterschied mehr zu den Einstellungen einer Kompaktkamera bemerken.

Manual Camera

Android-Nutzern rät Heico Neumeyer außerdem zu Manual Camera für drei Euro. Konzipiert für erfahrene Knipser, bietet diese eine auf den ersten Blick kompliziertere Oberfläche. Hier lassen sich viele Parameter wie ISO-Wert, Verschlusszeit oder Belichtung individuell justieren. Interessant ist auch die Möglichkeit, die Aufnahmen im RAW-Format abzulegen und sie später am Rechner in allen Details nachzubearbeiten.

BEHERRSCHT AUCH DAS RAW-FORMAT : Manual Camera ist für erfahrenere Fotografen konzipiert. Screenshot: Geeky Devs Studio
BEHERRSCHT AUCH DAS RAW-FORMAT : Manual Camera ist für erfahrenere Fotografen konzipiert. Screenshot: Geeky Devs Studio

ProCamera HD

Eine weitere Empfehlung des Fotoexperten Neumeyer ist die iOS-App ProCamera HD. Sei es Verwacklungsschutz, ein Neigungsmesser zur Haltungskontrolle oder LowLight-Features für Aufnahmen bei Dunkelheit – für fünf Euro erhält man eine vielseitige Foto-App für anspruchsvolle Handy-Fotografen. Für junge Nutzer interessant: Bei Selfie-Aufnahmen leuchtet der Bildschirm zusätzlich einmal auf – als weitere Beleuchtungsquelle.

Camera MX

Aufnahme verwackelt oder zu früh oder spät den Auslöser gedrückt? Die Android-App Camera MX kann das Bild vielleicht doch noch retten. Beim Feature der Live Shots zeichnet das Smartphone bereits vor der Bildaufnahme im Hintergrund ein Video auf, das man später entweder als Video-Datei oder animierte Bilderserie verwenden kann. Oder man spult bei einer misslungenen Aufnahme kurz zurück, um den richtigen Moment auszusuchen und als eigenes Bild abzuspeichern.

FARBFILTER: Solche Effekte lassen sich mit Camera MX erzielen. Screenshot: Magix
FARBFILTER: Solche Effekte lassen sich mit Camera MX erzielen. Screenshot: Magix

Und falls trotz all der Helferlein das Foto am Ende doch nicht hundertprozentig perfekt sein sollte, lässt sich die fertige Aufnahme nachträglich bearbeiten. Und zwar nicht erst am heimischen Rechner, sondern gleich auf dem Smartphone. Auch dafür stehen zahlreiche Apps zur Verfügung.