Scheidungen sind ein Grund für psychologischen Beratungsbedarf von Familien.
Scheidungen sind ein Grund für psychologischen Beratungsbedarf von Familien. | Foto: Pleul/dpa

Steigende Zahlen in Ettlingen

Mehr Familien suchen Hilfe bei Psychologischer Beratungsstelle

Noch immer steigende Klientenzahlen verzeichnet die Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Ettlingen. Marianne Beinert, Leiterin der Einrichtung des Caritasverbands für den Landkreis Karlsruhe – Bezirksverband Ettlingen, legte den Jahresbericht 2015 ihres Teams vor. Im Berichtsjahr ist trotz rückläufiger Zahl der Kinder und Jugendlichen im südlichen Landkreis die Zahl der „Fälle“, sprich Menschen, die Hilfe suchend beraten wurden, von 440 2013 über 459 2014 auf 497 im Berichtsjahr gestiegen. „Wir sehen einen großen Bedarf an unserem Angebot und merken gleichzeitig, dass wir durch unsere Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung in der lokalen Gesellschaft einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben“, so Beinert in ihrem Bericht.
Die Statistik über Alter und Geschlecht zeigt deutliche Spitzen in den Altersgruppen zwischen sechs bis neun und neun bis zwölf Jahren. Der traditionelle Unterschied bei zu beratenden jungen Menschen zwischen den beiden Geschlechtern ist 2015 fast nicht mehr vorhanden. Zählte die Beratungsstelle 2014 noch 206 Mädchen, waren es im Berichtsjahr 244. Bei den Jungen lag die Zahl wie im Vorjahr bei 253. Die meisten Anmeldungen waren durch familiäre Probleme (536 Nennungen) wie Eltern-Kind-Konflikte, Partnerkonflikte der Eltern, Trennung/Scheidung, Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten begründet. Häufig wurden auch Entwicklungsauffälligkeiten und seelische Probleme junger Menschen (268) angeführt. Zugenommen hätten die Auffälligkeiten im sozialen Umgang (193 Nennungen), hier insbesondere aggressives Verhalten.

Wartezeiten der Beratungsstelle halten sich im Rahmen

Bewährt habe sich die offene Sprechstunde bei der Caritas. Die allermeisten Klienten hätten innerhalb von zwei Wochen einen Beratungstermin erhalten. Viele hätte gar nicht warten müssen. Noch nicht so angenommen werde die Offene Sprechstunde am ersten Freitagvormittag im Monat im Bürgerzentrum Fürstenberg in Ettlingen-West. Gut funktioniere die Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern.
Fest zum Standardangebot der Beratungsstelle gehört die Gruppe für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien. Zum ersten Mal angeboten wurde die Elterngruppe „Trennung meistern – Kinder stärken“. An sieben Abenden begleiteten Beraterinnen die Teilnehmer, die sich in einer sehr schwierigen Trennungssituation befanden.
„Wie umarme ich einen Kaktus“, das Seminar für Eltern mit Pubertierenden, wurde fünf Mal angeboten. In Ettlingen-West wurde im Rahmen „Frühe Hilfen“ das Elternseminar „Wir werden das Kind schon schaukeln – glücklich groß werden“ erfolgreich organisiert. Zudem bot die Beratungsstelle viele Elternabende zu Erziehungsthemen in Kindergärten, Schulen, Bildungswerken und in Familienzentren.
Zufrieden ist Beinert mit der finanziellen Unterstützung und Förderung der Beratungsstelle durch den Kreis. Vertragsverhandlungen hätten eine Steigerung der Förderung ab 2016 gebracht. Geplant sei, dass künftig außer den reinen Personalkosten für die Psychotherapeuten und Psychologen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen auch Sachkosten gefördert werden.