Beim  Echtdampf-Hallentreffen in der  Messe Karlsruhe  fährt  ein Teilnehmer mit seiner dampfbetriebenen Lok durch die Messehallen.
Beim Echtdampf-Hallentreffen in der Messe Karlsruhe fährt ein Teilnehmer mit seiner dampfbetriebenen Lok durch die Messehallen. | Foto: Deck

Echtdampf-Treffen zieht um

Messe Karlsruhe verliert Kultveranstaltung

Es pfeift, hupt, dröhnt und rattert

Wenn es pfeift, hupt, dröhnt und rattert, nach Maschinenöl duftet und Teile aus Chrom und Kupfer auf Hochglanz poliert sind, dann haben die Fans der Miniaturdampfzüge beim Echtdampf-Hallentreffen die Messe Karlsruhe vor den Toren der Stadt an der Bundesstraße 36 bei Rheinstetten in Besitz genommen. Das Spektakel, das vor allem Männer- und Kinderherzen höherschlagen lässt, wird sich dort nicht mehr wiederholen. Der Zug ist im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren. Die Kultveranstaltung, nach Angaben des Veranstalters das weltgrößte Treffen dieser Art, hat neue Bahnhöfe: Die Zügen fahren künftig in Köln und Friedrichshafen ein.

Geschäft hat sich dramatisch verschlechtert

Diese Weichenstellung lässt die Messe Karlsruhe am Ende ihrer Halbjahresbilanz für 2016 mit „überplanmäßigen Verbesserungen“ (siehe Wirtschaft) anklingen. Viele Modellbaufans in der Region werden dem Verlust des dreitägigen Spektakels mit Miniaturdampfzügen und viel Zubehör drumherum Tränen nachweinen. Die veränderte Streckenführung für das beliebte Echtdampf-Treffen, mit dem zuletzt immer im Januar das neue Messejahr eingeläutet wurde, kommt für den Außenstehenden überraschend, für Insider allerdings nicht. „Die Dampfzüge waren für das Publikum faszinierend, das Geschäft am Stand hat sich aber drastisch verschlechtert“, berichtet Helmut Eßlinger vom auf Modellbauspielwaren spezialisierten O-Scale Hobbyshop in Karlsruhe-Durlach.

Echtdampf-Veranstalter Andreas Wittur von der Messe Sinsheim verweist zwar auf „außerordentlich gute Rahmenbedingungen“ in Karlsruhe, doch wirtschaftlich habe sich die Spezialveranstaltung trotz weitgehend konstant gebliebenem Zuspruch von jährlich rund 20 000 Besuchern nicht mehr getragen. Die Zahl der Aussteller ging zuletzt immer mehr zurück. Viele, so der Veranstalter, hören aus Altersgründen auf – Nachfolger sind in der Regel nicht in Sicht. Ein Nachteil, den auch Modellbauexperte Eßlinger ins Feld führt. Noch vor fünf Jahren seien auf dem Karlsruher Treffen Spezialteile zu bekommen gewesen, die man sonst auf entsprechenden Veranstaltungen vergeblich gesucht habe. Zuletzt sei die Veranstaltung in dieser Hinsicht aber „nichts Besonderes“ mehr gewesen.

Jedes Jahr kamen rund 20000 Besucher

Künftig wird das Echtdampf-Treffen jährlich wechselnd an zwei große Modellbaumessen angegliedert. Somit ließen sich große Ausgabeposten für Personal einsparen, betont Wittur, weil die Infrastruktur dann nicht allein für das Echtdampf-Treffen bereitzustellen ist. Nutznießer ist schon in diesem Jahr die Internationale Modellbahnausstellung (IMA) in Köln (17. bis 20. November). 2017 und in weiteren Jahren mit ungeraden Zahlen fahren die Echtdampfzüge bei der Faszination Modellbau in Friedrichshafen. Der Messestandort am Bodensee liefert somit aber auch ein Beispiel dafür, wie sich Messen im Südwesten gegenseitig Konkurrenz machen. Vor fast genau einem halben Jahr schien dagegen die Echtdampf-Welt in Karlsruhe noch in Ordnung zu sein. Damals wurde in zwei Messehallen die 20. Auflage gefeiert. Geboren wurde das Echtdampf-Treffen in der Messe Sinsheim. Die dortige Messe nennt sich selbst Deutschlands erfolgreichsten Veranstalter von Modellbaumessen. Im Jahr 2010 erfolgte der Umzug von Sinsheim nach Rheinstetten in die Messe Karlsruhe. Jetzt fährt der Echtdampfzug erneut weiter.