Helfer räumen teils mit bloßen Händen die Trümmer zur Seite, um Überlebende zu finden.
Helfer räumen teils mit bloßen Händen die Trümmer zur Seite, um Überlebende zu finden. | Foto: dpa

Erdbeben in Mittelitalien

Dutzende Todesopfer

Ein schweres Erdbeben hat die Menschen in Mittelitalien mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen und viele getötet. Es gab zahlreiche Verletzte und Verschüttete.

Das Beben war bis nach Rom zu spüren.
Das Beben war bis nach Rom zu spüren. | Foto: dpa

Italienische Medien berichteten unter Berufung auf den Zivilschutz zunächst von 37, wenig später von mindestens 38 Toten. Die Lage blieb unübersichtlich. Mehrere kleine Orte in einer Bergregion etwa 150 Kilometer nordöstlich von Rom wurden durch die Erdstöße verwüstet. Häuser glichen Schutthaufen, Trümmer und Staub bedeckten Autos und Straßen.

«Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor», zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Bürgermeister des Ortes Amatrice, Sergio Pirozzi. Unter den Opfern sollen mehrere Kinder sein. Helfer suchten in den Trümmern völlig zerstörter Häuser weiter nach Überlebenden und Toten. Die Rettungsdienste konnten einige Orte in der bergigen Gegend nur schwer erreichen.

Das Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 6 sowie mehrere Nachbeben hatten in der Nacht auf Mittwoch die gesamte Region zwischen Umbrien, Latium und den Marken erschüttert. Das Beben war auch in Rom und an der Adriaküste zu spüren. Es hatte sein Zentrum in der Provinz Rieti (Latium).

Ein verschütteter Junge konnte am Mittwoch lebend im Ort Pescara del Tronto gerettet werden. Um andere Verschüttete kämpften die Helfer verzweifelt. In Amatrice, dem mit am stärksten betroffenen Ort, halfen Ärzte einem verletzten sechsjährigen Zwilling aus den Trümmern. Der Bruder des Jungen sei noch nicht geborgen, berichtete Ansa.

Um 3.30 Uhr in der Nacht fing die Erde an zu beben. Vor allem die kleineren Ortschaften Amatrice und Accumoli wurden getroffen. «Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern», sagte der Bürgermeister von Amatrice dem Nachrichtensender RaiNews24. Straßen waren blockiert, der Strom war ausgefallen. Der Bürgermeister forderte Hilfe per Hubschrauber. Ein Einwohner sagte dem Sender: «Alles ist kaputt.» Auch das Militär wurde zum Hilfseinsatz mobilisiert.

Mehrere Nachbeben hielten die Region in der Nacht in Atem.
Mehrere Nachbeben hielten die Region in der Nacht in Atem. | Foto: dpa

Das Beben hatte nach jüngsten Angaben des Geophysischen Instituts Potsdam eine Stärke von 6,2 und lag in zehn Kilometern Tiefe. Städte wie Perugia und Assisi sind nicht weit entfernt. Auch Touristen an der Adriaküste meldeten sich besorgt bei den Feuerwehren.

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch von schwerwiegenden. 2009 war bei einem Beben die mittelitalienische Stadt L’Aquila verwüstet worden. Damals starben mehr als 300 Menschen. L’Aquila liegt Luftlinie nur gut 30 Kilometer von Amatrice entfernt.

«Das, was wir in L’Aquila vor Jahren gesehen haben, ist nun hier geschehen», sagte der Bürgermeister

Das Zentrum des Erdstoßes lag nahe der Stadt Norcia.
Das Zentrum des Erdstoßes lag nahe der Stadt Norcia. | Foto: dpa

von Accumoli. «Wir brauchen Hilfen», ergänzte er in einem Telefongespräch mit dem Sender RaiNews24er.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte Hilfe zu. «Die Nachrichten aus Italien über das nächtliche Erdbeben habe ich mit Erschrecken aufgenommen», teilte er mit. «Wenn gewünscht, stehen wir natürlich bereit, Unterstützung zu leisten.»

Der Chef des Zivilschutzes sprach von einem «schweren» Beben, es sei vergleichbar mit dem in der Stadt L'Aquila im Jahr 2009.
Der Chef des Zivilschutzes sprach von einem «schweren» Beben, es sei vergleichbar mit dem in der Stadt L’Aquila im Jahr 2009. | Foto: dpa

Das Technische Hilfswerk (THW) sieht Chancen auf Überlebende in den Trümmern. «In Altbauten gibt es immer die Chance, in irgendwelchen Hohlräumen zu überleben», sagte THW-Präsident Albrecht Broemme dem Nachrichtensender N24. «Es ist allerdings schwierig, denn diese Gebäude sind nicht nach modernen Aspekten erdbebensicher gebaut.» Im Zentrum des stark betroffenen Ortes Amatrice gebe es dreigeschossige Altbaugebäude, die recht stark zerstört seien. Die Straßen seien eng und oft durch Erdrutsche beschädigt. Es werde erfahrungsgemäß einige Tage dauern, bis die Trinkwasserversorgung wieder hergestellt sei, sagte Broemme.       dpa