Werden in Pflegeheimen der Region Mittelbaden Auszubildende falsch eingesetzt? Im Rahmen eines Workshops haben dies Schülerinnen und Schüler der Robert-Schumann-Schule in Baden-Baden so dargestellt.
Werden in Pflegeheimen der Region Mittelbaden Auszubildende falsch eingesetzt? Im Rahmen eines Workshops haben dies Schülerinnen und Schüler der Robert-Schumann-Schule in Baden-Baden so dargestellt. | Foto: dpa

Auszubildende berichten

Missstand in der Altenpflege

Bei einem Workshop der Jungen Initiative des Pflegebündnis Mittelbaden an der Altenpflegeschule Robert-Schuman in Baden-Baden, haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer über offenbare Missstände in der Altenpflege an ihren Ausbildungsstätten berichtet. Wie die Junge Initiative in einer Pressemitteilung darlegte, hätten Schülerinnen und Schüler des zweiten Ausbildungsjahres beklagt, dass sie in ihrer Einrichtung weitestgehend auf sich allein gestellt seien, im ersten Lehrjahr die Verantwortung einer Fachkraft hätten schultern müssen oder sogar die Schichtleitung übertragen bekommen hätten, als Kollegen ausgefallen waren.

Heimleiter verwundert

Peter Koch von der Gaggenauer Altenhilfe und Susanne Brückner-Koß vom Baden-Badener Pflegeheim Symbad, Gesprächspartner und Impulsgeber der Veranstaltung, hätten angesichts der Missstände in manch einer Einrichtung nicht schlecht gestaunt, heißt es in der Pressemitteilung. Namen der Einrichtungen wurden nicht genannt.

Koch und Brückner-Koß hätten aufgeklärt, was erlaubt sei und was nicht, Einblick gegeben in die politischen Vorgaben, die ihren Handlungsrahmen absteckten und vor allem: Sie hätten gemeinsam mit der jungen Initiative den Azubis gemacht Mut, sich stark zu machen für Verbesserungen – an ihrem Arbeitsplatz und durch gesellschaftliches beziehungsweise politisches Wirken. Diese hätten vorgeschlagen, dass das Pflegebündnis eine Anlaufstelle für angehende Pflegekräfte einrichte. Beklagt wurden von den Auszubildenden bei aller Freude am Beruf: „zu wenig Personal“, „zu wenig Zeit für die Bewohner“, „Hetze“, „Stress“, „hohe psychische und körperliche Belastung“, „Kollegen haben keine Zeit für Anleitung“, „wenig Lob und Anerkennung“.

Für bessere Bedingungen

Beim Workshop standen neben den beiden Heimleitern Vorstandsmitglieder des Pflegebündnisses sowie mit Marième Feßler, Marco Ruschmann und Felicitas Vögele drei Mitglieder von Pro.Pflege.Zukunft zur Verfügung. Diese Gruppe hatte sich im Mai diesen Jahres aus jungen Pflegefachkräften gegründet, die stolz auf ihren Beruf seien, sich als ein Sprachrohr verstünden und die Zukunft der Pflege mit positiver Kraft mitgestalten wollten.

Pro.Pflege.Zukunft habe sich als „die Junge Initiative“ dem Pflegebündnis Mittelbaden angeschlossen. Alle verfolgen dasselbe Ziel: eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zugunsten der Pflegekräfte und der Bewohner.

„Altenpflege ohne Lobby“

„Die Altenpflege hat bislang keine Lobby. Die Pflegekräfte müssten mit mehr Selbstbewusstsein ihre Wichtigkeit und Bedeutung nach außen tragen und sich für ihren Berufsstand engagieren“, erläutert Peter Koch. Durch die Schattenseiten des Berufs bei gleichzeitig hohen Anforderungen, durch die fehlende gesellschaftliche und monetäre Wertschätzung sei der Beruf für den Nachwuchs nicht sonderlich attraktiv. Gelinge es nicht, den Fachkräftemangel zu beheben, werde die Altenbetreuung angesichts der demographischen Entwicklung in einigen Jahren vor einem Desaster stehen.