Lokalbahnhof Bühl Ende August 1970. Der Dieseltriebwagen der MEG startet gleich Richtung Schwarzach
Lokalbahnhof Bühl Ende August 1970. Der Dieseltriebwagen der MEG startet gleich Richtung Schwarzach | Foto: ABB-Archiv/Theo Kemper

Bahnknoten Bühl

Mit der Bimmel-Bahn einst eine Tagesreise

Bahngeschichten gibt es in Bühl jede Menge. Bis 1956 konnte man, angesichts von Bühlertalbahn und MEG von einem Bahnknoten sprechen. Das Empfangsgebäude gehört zu den ältesten, erhaltenen seiner Art in Deutschland. Die Güterhalle war ein wichtiger Obstumschlagplatz. Die beschrankten Bahnübergänge und der Ausbau der Rheintalbahn sind weitere Kapitel dieser spannenden Geschichte, über in loser Folge berichtet wird.

 

Wenn heutzutage ICE und TGV hinter rosafarbenen Schallschutzmauern ziemlich flott an Bühl vorbeisausen, mag man gar nicht glauben, dass am Bahnhof einst hochwertige Züge des Fernverkehrs hielten. Das Rad der Zeit muss auch gar nicht allzu lange zurück gedreht werden.

Mit E 751 von Bühl ins oberfränkische Hof

Noch im Winter 1979/80 wäre man beispielsweise mit der Bahn von Bühl bis nach Hof gekommen. Abfahrt mit dem E 751 in Bühl ab 13.33 Uhr, dann ging es über Karlsruhe Hauptbahnhof (14.02) und Stuttgart in die oberfränkische Stadt, die echten Eisenbahnfans wegen der legendären Bergstrecke namens „Schiefe Ebene“ und der ebenso legendären Schnellzugdampfloks der Baureihe 01 ein Begriff sein dürfte. Ach ja, Hof hätte der Reisende laut Fahrplan um 20.09 Uhr erreicht. Der E 751 startete in Straßburg und kehrte als E 750 wieder zurück in die Elsassmetropole. Von Straßburg nach Stuttgart und umgekehrt beförderte eine Zweisystem-E-Lok der Baureihe 181 den Zug, sie war extra für den grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr entwickelt worden.

Lichtenauer Modellclub-Mitglieder haben Bahnhof Bühl nachgebaut

Thomas Kohler, Vorsitzender des Modellclubs 1:87 Lichtenau und seine Mitstreiter gehören zu den Experten schlechthin, wenn es um die wechselvolle Geschichte des Bahnhofs Bühl geht. Sie haben mit ihren Club-Kollegen bekanntlich die Bühler Station im Zustand von 1954 im Modell nachgebaut, und sie besitzen umfangreiche Archive zu diesem Thema. Dort findet sich ein Abfahrtsplan vom Winter 1957/58, in dem mehrere, hochwertige Fernzüge zu finden sind, die in Bühl halten. So auch der D 31, der von Paris nach Wien Westbahnhof fuhr (ab Bühl 17.13 Uhr). Es gab durchgehende Verbindungen nach Freiburg und Basel oder nach Frankfurt. Es gab aber auch den klassischen Nahverkehrszug – zum Beispiel nach Offenburg ging es erstmals am Tag um 4.55 Uhr ab Bühl, um 5.31 hatte der Zug dann sein Ziel erreicht.

Alte DB-Kursbücher liefern spannende Informationen

Knapp 60 Jahre später kommt man immer noch mit dem Zug auf der international bedeutsamen Rheintalbahn von Bühl in die ehemalige Bahnstadt – allerdings erst um 5.25 Uhr ab Bühl, dafür erreicht der Reisende sein Ziel schon 18 Minuten später um 5.43 Uhr. Die Relation nach Frankfurt Hauptbahnhof erfordert heute einmal Umsteigen. Um 15.21 Uhr geht es mit dem Regionalexpress von Bühl nach Baden-Baden (an 15.27) von dort geht es weiter ab 15.43 Uhr, Ankunft in der Rhein-Main-Metropople ist fahrplanmäßig um 17.08 Uhr.

Rheintalstrecke ist eine der großen Schienenmagistralen

Im Winterfahrplan 1957/58 gab es eine Verbindung mit fast zeitgleicher Abfahrt in Bühl um 15.28 Uhr. Frankfurt/Main erreichte der Zug (E 539) dann um 18.36 Uhr. Die Rheintalstrecke war schon immer eine der ganz großen europäischen Schienen-Magistralen. Kenner wie Kohler und Co. kommen geradezu ins Schwärmen, wenn sie in alten Kursbüchern „schmökern“ – so wie in dem vom Winter 1953/54.

Von Rheingold bis Orient-Express

Die Namen der Züge, die durch Bühl fuhren, lesen sich wie das „Who ist Who“ der internationalen Top-Verbindungen. Orient-Express (Paris-Wien), „Rheinblitz“ (Dortmund – Basel SBB, Durchfahrt Bühl 11.33 Uhr), oder FT „Roland“ von Bremen nach Basel. Er wäre gegen 15.15 Uhr beim Passieren des Bahnhofs der Zwetschgenstadt zu beobachten gewesen – im Blockabstand (mehrere Züge fahren auf einem Streckengleis im festen Raumabstand zueinander) auf den edlen wie geschichtssträchtigen „Rheingold“ (Hoek van Holland nach Basel, 15.02 Uhr durch Bühl).

Vielfalt an prominenten wie schönen Lokomotiven

Noch hing kein Fahrdraht über diesen Abschnitt der Rheintalbahn, der kam erst im Sommer 1957, und so konnte der Eisenbahnfreund von damals als Roland einen brandneuen, eleganten Dieseltriebwagen der Baureihe 608 (VT 08) beobachten und vor dem Rheingold viele Jahre eine Dampflokomotive der Baureihe 18 (badische IV h). Wer sich früh auf die Socken machte, durfte sich auf der damaligen Kursbuchstrecke 301 (heute 702) zudem um 3.55 Uhr an der Durchfahrt des Skandinavien-Italien-Express erfreuen, der von Kopenhagen nach Rom fuhr.

Einst war Bahnreise von Oberbühlertal nach Kehl möglich

Von diesen Zügen dürfte „Oma Liesel“ 1954 nur geträumt haben, als sie mit zwei Körben Bühler Zwetschgen in Oberbühlertal startete, um ihre Schwester in Kehl zu besuchen. „So etwas war damals eine Tagesreise mit der Bahn, hin und zurück waren es rund 90 Kilometer“, erklärt Thomas Kohler. Früh hätte die Liesel aufstehen müssen, um an einem Werktag (aber sie war ja Rentnerin) nach Kehl zu fahren.

Das war Mitte der 1950-er Jahre eine Tagesreise!

In Oberbühlertal startete der Zug 3 (mit Dampf) um 6.49 Uhr und erreichte Bühl (Bühlertalbahnhof) um 7.12 Uhr. Mit einem Dieseltriebwagen der MEG (Zug 4) ging es dann um 8.15 Uhr über Schwarzach und Freistett nach Kehl, die Haltestelle Kinzigbrücke wurde um 10.04 Uhr erreicht.

 Mit Dampf ging es bis zum Schluss von Bühl bis nach Oberbühlertal.

Mit Dampf ging es bis zum Schluss von Bühl bis nach Oberbühlertal.
| Foto: ABB-Archiv/Theo Kemper

Nachdem die Zwetschgen überbracht waren, gut gesessen und viel erzählt war, ging es um 16 Uhr ab Kinzigbrücke zurück. 17.30 Uhr erreichte der Zug Bühl Nebenbahnhof, um 18.12 Uhr schnaufte das Bähnle Richtung Bühlertal los, um 18.35 Uhr am Bahnhof Obertal einzulaufen. Oma war dann vermutlich geschafft.

Der Triebwagen 13 der MEG Anfang Juli 1970 am Bahnübergang Rheintalstraße. Gleich hat er den Lokalbahnhof erreicht.
Der Triebwagen 13 der MEG Anfang Juli 1970 am Bahnübergang Rheintalstraße. Gleich hat er den Lokalbahnhof erreicht. | Foto: ABB-Archiv/Theo Kemper

Heute wäre es vermutlich etwas einfacher: Bus-Abfahrt am Schwimmbad Bühlertal (etwa Obertäler Bahnhof) um 7.12 Uhr, dann ab Bühl 7.33 Uhr mit dem Regionalexpress nach Appenweier (an 7.47 Uhr), dort ab Gleis 9 (8.09) bis Kehl (an 8.21).